Autor Thema: [Spielbericht] Abenteuerkampagne in Takasadu (Enthält Spoiler)  (Gelesen 6309 mal)

Takur

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Re: [Spielbericht] Abenteuerkampagne in Takasadu (Enthält Spoiler)
« Antwort #30 am: 26 Mai 2024, 02:59:37 »
Die Helden setzten bei ihren weiteren Nachforschungen auf mehrere Spuren: Zuerst wandten sie sich an ihre „Auftragsgeber“, das Adelshaus Ka. Diese sollten ihre lokalen Handelskontakte nutzen, ob irgendwo Mondstein günstig zum Kauf angeboten wurde. Wenn die Diebe ihre Beute zu Geld machen wollten, würde das eventuell Aufsehen erregen.
Gleichzeitig hörte sich Luo in dem Viertel um, wo der Überfall auf die Schmuggler stattgefunden hatte. Unterstützt von seinen eigenen Unterwelt-Kontakten hoffte er, Augenzeugen zu finden, denen während oder vor dem Überfall etwas aufgefallen war. Und der von den Dieben erbeutete Wagen und die Zugtiere konnten sich auch nicht in Luft aufgelöst haben. Die Räuber waren sicherlich in Eile und eventuell verwundet gewesen. Vielleicht war ihnen ein Fehler unterlaufen…
Tatsächlich brachte dieser Rechercheansatz den ersten Erfolg: Luo identifizierte einen Straßenhändler, der zumindest indirekt an dem Überfall beteiligt gewesen sein musste. Als er und Akira den Mann verhörten, knickte der Straßenhändler schnell ein: Er gab zu, für den zwergischen Anführer der Diebe als Späher und Helfer gearbeitet zu haben. Dieser hatte ihn schon vor einer ganzen Weile rekrutiert und für verschiedene Hilfsdienste eingesetzt. Dem Händler war die Sache allerdings jetzt über den Kopf gewachsen. Dass Blut geflossen war und er sich die Triaden zum Feind gemacht hatte, machte ihm fast genauso viel Angst, wie sein Auftraggeber. Leider konnte er nichts zu dessen Aufenthaltsort, Identität oder Verbindungen sagen. Er lieferte aber wertvolle Informationen zum Verbleib der Beute. Der gestohlene Mondstahl war in den „Gärten der Asche“ versteckt worden. Dieser Teil Palitans stand seit einer Feuerbrunst leer und war berüchtigt für das Auftauchen gefährlicher Feuergeister. Die beiden Helden schilderten dem Mann ausführlich, was ihm drohte, falls er seinen Auftraggeber warnen oder sich noch einmal in die Geschäfte der Roten Karpfen einmischen würde. Dann ließen sie ihn laufen. Beide waren zu gutmütig, um den Straßenhändler den Triaden zu überantworten oder ihn auf andere Art und Weise dauerhaft „aus dem Spiel zu nehmen“.
Ren befragte währenddessen den überlebenden Schmuggler noch einmal. Da dieser physisch und psychisch immer noch in einem sehr schlechten Zustand war, musste sie behutsam vorgehen. Vermutlich auch deshalb erhielt sie nur wenige neue Informationen. Da die drei Angreifer großzügigen Gebrauch von Blendzaubern gemacht hatten, konnte der Überlebende keine genaue Beschreibung liefern.

Die „Gärten der Asche“ erschienen als die logische Wahl für weitere Nachforschungen. Die Zeit eilte: Es war anzunehmen, dass die Diebe ihre Beute bald an einen weniger gefährlichen Ort verlagern oder von dem von Luo und Akira verhörten Straßenhändler gewarnt werden würden. Die Helden mieteten ein Boot und setzten zu dem ihnen bezeichneten Areal nördlich der Altstadt über. Die Brücken zu den „Gärten der Asche“ waren zumeist schon vor langer Zeit abgerissen oder verbrannt worden.
Eine unheimliche Atmosphäre erwartete sie: obwohl die Feuersbrunst schon vor vielen Jahren geendet hatte, roch die Luft immer noch nach Rauch. In den rußgeschwärzten Ruinen schien hier und da immer noch Glut zu glimmen. Die sonst üppig wuchernde Vegetation weigerte sich, die Straßen und Häuserreste zu überwuchern.
Bald fanden die Helden die Spuren, die die Diebe beim Transport ihrer Beute hinterlassen hatten. Freilich gab es auch noch andere, beunruhigende Fährten: große, rußgeschwärzte Pfotenabdrücke.
Kurz darauf bekamen die Helden den Verursacher dieser Spur zu Gesicht: einen wütenden Feuergeist in Gestalt einer brennenden Großkatze, der sofort angriff. Doch mit vereinten Kräften konnten die Helden den Geist rasch besiegen. Von diesem Zusammenstoß beunruhigt, folgten die Helden vorsichtig den Spuren der Diebe, die sie zu einem halb verfallenen Haus führten. Jemand hatte die Tür mit einem neuen Schloss versehen, das aber kein Hindernis für Luo war.
Die Spuren führten in den Keller, aus dem den Helden der Geruch nach altem Blut entgegenwehte. Mit gezogenen Waffen pirschten Ren, Luo und Akira nach unten, während Takur oben blieb, um die Umgebung im Auge zu behalten.
Im Keller stießen die Helden auf eine beunruhigende Szene: in einer Ecke lagen die Leichen von fünf Zivilisten. Jemand hatte sie gefesselt und ihnen die Kehlen durchgeschnitten. Daneben war mit Blut und Kreide ein Kreis gezogen worden. In dessen Mitte stand ein Tisch, auf dem die gestohlenen Mondstahlbarren ruhten. Auf dem Kreidekreis und den Barren lagen Papiertalismane und -siegel mit den Namen von Tiergeistern und seltsamerweise auch dem der lebenden Göttin Myuriko. Eine Untersuchung veranlasste Ren zu der Analyse, dass hier offensichtlich ein Schicksalsmagie-Ritual gewirkt worden war. Der Mondstahl war verflucht worden. Der Fluch richtete sich gegen die Diener Myurikos und sollte die üblichen Eigenschaften von Mondstahl unterdrücken oder verändern.

Während die Helden rätselten, was das bedeuten mochte, erschallte der Warnruf Takurs. Er hatte drei Gestalten entdeckt, die sich zielstrebig dem verfallenen Haus näherten. Der Jaguarkrieger postierte sich hinter der Tür, während die anderen Helden zu ihm hasteten. Die Fremden – ein Zwerg sowie ein menschlicher Mann und eine Frau – griffen sofort an.
Takur schlug den Mann mit zwei heftigen Treffern in die Flucht. Die beiden verbleibenden Angreifer konnten den Jaguarkrieger jedoch durch eine Lichtbarriere von den anderen Helden isolieren, die zudem dadurch gehandicapt wurden, dass ein Zauber den Boden mit spiegelglattem Eis überzog.
Statt die blendende Barriere anzugreifen, überkletterten Luo und Akira die halb eingefallenen Wände des Hauses und stießen zu ihrem Gefährten, der inzwischen bereits verletzt und durch die Lichtzauber der Gegner halb geblendet war. Der zwergische Anführer der Gegner erwies sich als harter Gegner. Obwohl bereits verwundet, schickte er Luo und Takur mit einem wuchtigen Rundumschlag zu Boden. Luo war allerdings rasch wieder auf den Beinen. Inzwischen zerstörte Ren die Lichtbarriere mit einem Flammenzauber. Mit vereinten Waffen und Zaubern konnten die Helden die Gegner zum Rückzug zwingen. Schwer verwundet und durch den geschickten Zaubereinsatz der Diebe verlangsamt, waren sie jedoch nicht in der Lage, die Gegner zu töten oder gefangen zu nehmen. So blieb ihnen nur übrig, den Mondstahl einzusammeln und hastig die „Gärten der Asche“ zu verlassen, bevor sie auf einen weiteren feindlichen Geist stießen oder die Diebe mit Verstärkung zurückkehrten.   

Zurück beim Ka-Anwesen versorgten die Helden ihre Wunden und berieten über das weitere Vorgehen. Sie hatten nur einen halben Sieg erzielt: die Diebe waren entkommen. Und durch den Fluch, der vermutlich auf dem gestohlenen Mondstahl lastete, war die Angelegenheit deutlich heikler geworden. Besonders Akira war alarmiert, richtete sich der Fluch doch gegen die Diener Myurikos, der Herrin und Göttin seiner Heimat. Luo und Ren waren hingegen – Fluch hin oder her – sehr in Versuchung, etwas von dem Mondstahl zu unterschlagen. Letztendlich aber entschieden sie sich dagegen.
Die Helden informierten Ayanokoji über das Ergebnis ihrer Recherchen und übergaben ihm den verfluchten Mondstahl, auch wenn Akira ihm nicht völlig vertraute.
So entlasteten sie zwar Wuselbach von den Verdächtigungen, aber Ayanokoji wirkte durch die Informationen der Helden sehr beunruhigt. Er verriet den Helden, wofür er den Mondstahl benötigte: Seine Kobe war damit betraut worden, eine mächtige Waffe zu schmieden. Diese war für den Kampf gegen ein Ungeheuer gedacht, welches einer Weissagung zufolge in einigen Jahren das Reich des Eisernen Kranichs bedrohen könne. Aufgrund der Kosten und Seltenheit des benötigten Mondstahls hatte Ayanokoji auf seine halblegalen Kontakte in Palitan zurückgegriffen. Dass jemand dies mitbekommen und derart heimtückisch zu sabotieren versucht hatte, warf beunruhigende Fragen auf. Vermutlich war der Plan der Diebe gewesen, den verfluchten Mondstahl bei Gelegenheit „wiederauftauchen“ zu lassen. Falls dieser dann ungeprüft für die Waffe verwendet worden wäre, hätte sie sich im Einsatz vermutlich als nutzlos oder sogar für den Träger gefährlich erwiesen. Aber wer steckte hinter dem heimtückischen Plan – und warum? Dienten die Saboteure einem der Feinde Kintais oder hatten sie eigene Pläne mit dem Ungeheuer? Zumindest Akira fragte sich, ob dieser Vorfall im Zusammenhang mit den Ereignissen beim „Tempel der tausend Tore“ in Verbindung stehen mochte. Dort hatte die Spinnenfrau Kuraiko versucht, ein Monster freizusetzen, das im Falle seines Freikommens eine ganze Region Kintais hätte verheeren können. Und sie hatte nicht alleine gehandelt, sondern anscheinend Verbündete gehabt.
Ähnelte nicht das heimtückische und skrupellose Vorgehen in Palitan den Intrigen der Spinnenfrau? Was, wenn beides zusammenhing?

Ayanokoji war auf jeden Fall dankbar: Immerhin wisse man jetzt um die Gefahr und könne den zurückgewonnenen Mondstahl reinigen oder notfalls Ersatz beschaffen. Er belohnte die Helden großzügig. Außerdem bot er Akira an, dessen Namen an die Auftraggeber der Waffe weiterzugeben. Sollte der Tag kommen, sich dem Untier in den Weg zu stellen, könne er einer der Kandidaten dafür werden. Das lag zwar noch einige Jahre in der Zukunft, war aber eine große Ehre, die Akira bereitwillig annahm. Luo hielt das für ein wenig verrückt und für eine bestenfalls fragwürdige „Belohnung“, sagte aber nichts zu den in seinen Augen seltsamen Bräuchen der Schwertalben. Die Roten Karpfen begannen eine Fahndung nach den Dieben, doch schien der Erfolg zweifelhaft. Zudem wurde die Bergung der ermordeten Ritualopfer in die Wege geleitet.

***

Inzwischen begannen die von den Helden beauftragten Recherchen im Kaiserlichen Archiv erste Früchte zu tragen. Doch alleine die Recherchen zum „Tempel der tausend Tore“ kosten die Gelehrte Hira fast zwei Wochen. Die lesekundigen Abenteurer unterstützten sie so gut sie konnten, indem sie Notizen und Sekundärtexte sichteten, auch wenn sie selber keinen Zugang zum Kaiserlichen Archiv hatten. Die Gelehrte erwies sich als recht umgänglich, außer wenn man ihre Notizen durcheinanderbrachte. Gerne nahm sie die Einladungen Rens zum Teetrinken an, die sich mit Hira gut stellen wollte.

Mit tatkräftiger Unterstützung von Hao und Ren förderte Hira eine bunte Palette an Informationen zum Tempel der tausend Tore zutage. Tatsächlich war – wie bereits vermutet – der Tempel um die 2.000 Jahre alt und von den Drachlingen errichtet worden. Diese hatten sich auch an seiner Erhaltung beteiligt, sogar noch lange nach dem Mondfall. Der letzte im Tempel dienende Drachling war vor gerade einmal 500 Jahren gestorben, kurz nach der Gründung Kintais. Angeblich war er einen Meuchelmord zum Opfer gefallen. Die Drachlinge erachteten den Tempel wohl als sehr wichtig. Es schien, als ob sie neben der Gefahr, die der dort eingesperrte Dämon Kokumo darstellte, noch mehr befürchteten – so als wäre der Dämon Teil von etwas Größerem. Angeblich hing er mit der Aufstachelung oder Verführung der „Dienerrassen“ und einer „Bedrohung der göttlichen Ordnung“ zusammen. So vage dies blieb, wenn die fast allmächtigen reptiloiden Magierdespoten die Gefahr so ernst nahmen, musste sie gravierend gewesen sein.
Der Tempel war ursprünglich durch die Priesterschaften der drei Tiergottheiten Drache (für den Schutz und militärische Aspekte der Wache), Fangschrecke (zur Bewahrung der Rituale) und Krebs (Schutz der Tore) bewacht worden. Dabei hatte der Drachen-Kult offenbar eine zentrale Rolle gespielt.
Jedoch war um die Zeit des Mondfalls die Unterstützung durch die Krebs-Priesterschaft beendet worden, weil einige Abtrünnige in ihren Reihen es in einem „großen Verrat“ um ein Haar geschafft hätten, Kokumo zu befreien. Hinter diesen Umtrieben steckte offenbar bereits zu dieser Zeit der ominöse „Kult des Strahlenden Schattens“.
Der in Zhoujiang schon lange entmachtete Drachenkult hielt in der Gestalt der wenigen im Tempel verbleibenden Drachlinge und ihrer Gefolgsleute noch etwa 500 Jahre die Stellung, was freilich zu Konflikten mit den reformierten Angehörigen der Kirche der Tiergeister führte. Nach dem Tod des letzten Drachlings wurde der Drachenkult schließlich durch Priester der Geflügelten Schlange ersetzt, die jedoch ihren Dienst mit im Laufe der Jahre schwindendem Enthusiasmus und Einsatz versahen. Die Priesterschaft des Kranich-Reiches bzw. der Clan der Uome hatte offenkundig in den Jahren nach der Reichsgründung Kintais um die Existenz des Tempels gewusst und diesen unterstützt. Dies endete jedoch vor 350 Jahren, als ein Angehöriger der Fürstenfamilie „in den Schatten fiel“. Es blieb unklar, ob er ermordet wurde, im Wald der 10 Millionen Kami oder in der Geisterwelt verschwand, Verrat beging oder ihn ein anderes düsteres Schicksal ereilte.
Kurz nach der Aufnahme Gagambas in den Kreis der 13 Großen Tiergeister hatte zudem die Priesterschaft Gagambas für einige Jahrzehnte beim Erhalt des Tempels geholfen. Auf Befehl Kintais musste der Kult aber bald ihre Tätigkeit einstellen. Ihren Mitgliedern wurde unter Todesstrafe untersagt, den Tempel aufzusuchen. Die Gründe dafür blieben vage.
Ebenso unklar blieb, wie es dazu gekommen war, dass in den letzten Jahren nur noch ausgewählte Vertreter der Uome um den Tempel wussten, die nicht einmal der Kernfamilie angehörten.

Die Abenteurer informierten die Botschaft Kintais über ihre Erkenntnisse. Zum einen hofften sie auf Unterstützung, vor allem aber war es in ihrem Interesse, dass das Kaiserreich die Unterstützung der Tempelwacht intensivierte. Suguri Jun nahm die Informationen dankbar entgegen und versprach, sie weiterzuleiten.
Die Botschafterin hatte die Helden bisher noch nicht um die angedeutete „Gefälligkeit“ gebeten, ersuchte aber Hao und Ren, bei der Fürsorge für Arme und Kranke zu helfen, die die Botschaft außerhalb des Viertels der Schwertalben finanzierte.
Bei dieser Aufgabe konnte besonders Hao glänzen, während Ren ein Missgeschick unterlief, weshalb sie erst einmal in eine Hilfsrolle verwiesen wurde. Das kränkte den Stolz der jungen Magierin, aber sie schluckte ihren Ärger herunter. Während die Unggoy-Priesterin vor allem die Vorteile der Fürsorgearbeit sah, durchschaute die misstrauische Ren, dass es der Botschaft auch um subtile Propaganda zugunsten Kintais und des Myuriko-Glaubens ging. Zudem hielt man so die Armen (auch solche mit kintarischen Wurzeln) außerhalb des wohlgeordneten und „perfekten“ Schwertalben-Viertels. Zudem schien die Botschaft ihre Wohlfahrtseinrichtungen auch zur Informationsgewinnung nutzte. Luo hatte Gelegenheit, einige Male mit jungen Schwertalbenkriegern und den Wachen der Botschaft zu trainieren.
Alles in allem schienen die Recherchen auf dem richtigen Weg, wenngleich die letzten Ereignisse den Argwohn der Abenteurer weiter schürten, dass hinter dem dramatischen Geschehen beim „Tempel der tausend Tore“ dunklere Dinge steckten, als anfangs anzunehmen war: Geheimnisse, die bis in die Gegenwart nachwirkten. Die erhaltenen Hinweise würden die Recherchen zum „Kult des Strahlenden Schattens“ und zum Drachenkult erleichtern.

Takur

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Re: [Spielbericht] Abenteuerkampagne in Takasadu (Enthält Spoiler)
« Antwort #31 am: 23 Jun 2024, 15:58:12 »
In eigenem Auftrag
Palitan, Zhoujiang (Hao, Akira, Takur)

Nach ihrem Abenteuer mit dem gestohlenen Mondstahl wollten sich die Helden ihren Recherchen und persönlichen Anliegen widmen. Zuvor nahmen sie an der Beisetzung der Unglücklichen teil, die von den Mondstahldieben geopfert worden waren, um das kostbare Metall zu verfluchen. Die Rote Karpfen-Triade als „Eigentümer“ des Metalls finanzierte die Beisetzung der Opfer. Die grausamen Details ihres Todes wurden verschwiegen. Da die Getöteten aus der Unterschicht stammten, hätten sich ihre Angehörigen niemals eine so würdige Totenfeier leisten können. Hao tat ihr Bestes, den Trauernden Trost zuzusprechen, während die Toten feierlich dem Fluss übergeben wurden. Im sumpfigen Palitan waren Feuer- und Wasserbestattungen üblicher als Erdbestattungen.

In den nächsten Tagen gingen die Helden getrennte Wege. Die Magierin Ren unterstützte die von den Helden beauftragten Recherchen im Kaiserlichen Archiv und pflegte ihre Kontakte zur Familie Ka. Ihr Cousin Luo half den Roten Karpfen bei der – vorerst vergeblichen – Fahndung nach den geflohenen Mondstahldieben.
Der Jaguarkrieger Takur setzte die wenig aussichtsreiche Suche nach seinen verschollenen Gefährten fort, mit denen er einst die Heimat verlassen hatte. Doch hörte er zwar Gerüchte von der Sichtung eines tigergestaltigens Wesens, konnte aber nichts Genaues erfahren. Vielleicht hatte jemand die Begegnung mit einem Ma’Ua falsch interpretiert – wahrscheinlicher handelte es sich um ein Feen- oder Geisterwesen oder um einen jenseitigen Diener des zhoujiangischen Tigergeistes Lao.

***

Im Gegensatz dazu folgte Akira bei der Suche nach dem Schwert seines vor einigen Jahren ermordeten Vaters einer konkreten Spur. In Timog hatte er dank Luos Kontakten die Fährte einer albischen Kämpferin aufgenommen, die im Besitz des Schwertes gewesen war und es in Palitan verkaufen wollte. Akiras Nachforschungen führten ihn zu der gnomischen Händlerin Sang Nan. Sie bestätigte, dass eine albische Kriegerin namens Zhan Ke die Waffe angeboten hatte. Aufgrund des exorbitanten Preises hatte Sang Nan die Fremde an den zwergischen Waffenhändler Zai Mou verwiesen, der seltene Waffen sammelte. Zai Mou gehörte zu denen, die von der Machtergreifung der Triaden profitiert hatten: er betrieb eine florierende Waffenmanufaktur im Drachenbauch-Viertel und hatte kürzlich eine eigene Villa bezogen. Angeblich stand er kurz davor, in den mächtigen Handelsrat Palitans aufzusteigen. Seinen wachsenden Reichtum präsentierte Zai Mou mit Abendgesellschaften, bei denen er Kämpfer auftreten ließ, sowie durch das Sponsoring von Wettkampfteilnehmenden an den berüchtigten Winterspielen Palitans, bei denen jedes Jahr zahlreiche Verletzte und Tote gab.
Recherchen in der „besseren Gesellschaft“ Palitans brachten zutage, dass der Waffenhändler gut vernetzt war, auch wenn er persönlich als nicht immer angenehm galt. Zai Mou hatte sich durch seinen Aufstieg Feinde gemacht. Man munkelte, dass er seine Ehefrau, die von den für ihre Schmiedearbeiten berühmten zwergischen Nungmae-Nomaden Kungaitans abstammte, für eine politisch vorteilhafte Ehe mit einer Triadenfamilie loswerden wolle. Dank Akiras gesellschaftlichen Kontakten und den kämpferischen Qualitäten der Helden war es einfach, für ihn und Takur eine Einladung zu einer von Zai Mous Abendgesellschaften zu erlangen.

***

Hao verfolgte währenddessen ein eigenes Anliegen. Vor einigen Jahren war ihr in der Tigerprovinz das Eichhörnchen Hozhou zugelaufen, mit dem die Affenpriesterin ein magisches Band geknüpft hatte. Angesichts von Hozhous Zauberkräften war sich Hao sicher, dass die Begegnung Schicksal und Hozhou ein Geschenk Unggoys gewesen war. Um mehr darüber zu erfahren, suchte sie Palitans größten Unggoy-Tempel auf. Dieser bildete mit seinen Nebengebäuden und angegliederten Straßen ein eigenes Viertel, das von der Priesterschaft und deren oft zahlreichen Familien dominiert wurde. Der Tempel bot einen beeindruckenden Anblick – wie auch der neben dem Tor wachende, fast fünf Schritt große Goldaffe in prunkvoller Rüstung, der mit einer schwere Hellebarde bewaffnet war.
Die Tempelhalle erstreckte sich über mehrere Stockwerke, wobei der obere Teil teilweise nur über schmale Emporen und Seilbrücken zu erreichen war – eine Herausforderung für die wenig klettergeübte Hao. Mit einigen Anstrengungen erreichte sie den sie offenbar erwartenden Tempelvorsteher Ping Wa. Dieser verhielt sich freundlich und zuvorkommend, befragte Hao aber eingehend über ihre bisherigen Reisen, Erfahrungen und ihre Ziele. Offenbar war er der Meinung, dass Hao sich und ihre Rolle in der Welt besser kennenlernen müsse, bevor sie darüber nachdenken sollte, wie sie das spirituelle Band mit ihrem Tiergefährten stärken und dessen Unggoy-gegebenen Kräfte aktivieren könne. Unter anderem thematisierte er die schwierige Situation im vom Bürgerkrieg geplagten Zhoujiang, und wie dies die Unggoy-Kirche beeinflusste. Haos Bestreben, sich aus den politischen Wirren herauszuhalten, sei nicht immer umsetzbar. Ping Wa schien keiner der drei Bürgerkriegsparteien zugeneigt zu sein, problematisierte allerdings die Schwierigkeit, den richtigen Weg zu finden und den Geboten der Unggoy-Kirche gerecht zu werden. Hao sollte am nächsten Tag wiederkommen.

***

Akira und Takur besuchten währenddessen Zai Mous Abendgesellschaft. Die prachtvolle Villa lag mitten in dem ansonsten recht schäbigen, überfüllten und zum Gutteil von Nezumi (Rattlingen) bewohnten Drachenbauch-Viertel. Das Anwesen stach zwischen den Manufakturen, Baracken, Hütten, fragwürdigen Garküchen und Vergnügungsstätten der unteren Preisklasse deutlich heraus und war durch eine hohe Mauer gesichert.
Dass Akira am richtigen Ort war, zeigte sich schon am Eingang: die Kommandantin der Wachleute war keine andere als die von ihm gesuchte Zhan Ke. Die junge Albin musterte den aus Kintai stammenden Akira misstrauisch. Wie er vermutet hatte, sprach sie mit sadischem Akzent, was angesichts der blutigen Vergangenheit Sadus und Kintais ihr Misstrauen erklären mochte. Zhan Ke schien angespannt – und nicht nur wegen dem schwertalbischen Gast.
Bei dem folgenden Empfang Zai Mous konnte Akira mit seinen gesellschaftlichen Fähigkeiten punkten. Allerdings erregte sein Gefährte Takur größeres Aufsehen. Selbst im multikulturellen Palitan war ein Jaguarkrieger ein ungewöhnlicher Anblick. Unter den Gästen fielen mehrere höherrangige Mitglieder teilweise konkurrierender Triaden auf, aber auch einige erfahren wirkende Kämpfer, die als Gäste oder als „Unterhaltungsprogramm“ zugegen waren.
Es war kein Problem, Einblick in die in einem separaten Gebäude befindliche Ausstellung des Waffenhändlers zu erhalten, die dutzende hochwertige Waffen beinhaltete. Neben einheimischen Stücken wurden auch eine prachtvolle farukanische Pfauenfeder und ein exzellent gefertigtes selenisches Flamberge präsentiert – sowie ein Akira nur zu vertrautes Katana aus Jadeeisen. Er hatte tatsächlich die Waffe seines gefallenen Vaters gefunden. Der junge Schwertalb riss sich zusammen, um nichts Überhastetes zu tun. Zai Mou hatte die Waffe von Zhan Ke für eine stattliche Summe und die Anstellung als Wachkommandantin erworben.
Im Verlauf des Abends konnten sowohl Akira als auch Takur in ein paar kurzen Schaukämpfen ihr Können zeigen, was ihnen die Möglichkeit verschaffte, bei Gelegenheit wiederkommen zu dürfen.

***

Haos zweiter Besuch im Unggoy-Tempel verlief überraschend: mit Tempelvorsteher Ping Wa ging es in das noble Porzellanviertel Palitans, das von den Anwesen der Oberschicht und dem (momentan verlassenen) kaiserlichen Palast Palitans dominiert wurde. Allerdings war ihr Ziel weniger prachtvoll – das örtliche Gefängnis. Ping Wa war offenbar nicht zum ersten Mal hier, denn die wenig enthusiastisch wirkende Gefängnisvorsteherin Tsa Lin begleitete die Besuchenden persönlich zu einer Zelle. In dieser erwartete sie ein hünenhafter Varg. Bua Kunji, ein Priester des Affengottes, war zum Tode verurteilt worden, weil er zwei Leibwächter eines Steuereintreibers erschlagen hatte.
Der Gefangene war in keinem guten Zustand und vermutlich mehr als einmal mit den Wachen aneinandergeraten. Er wirkte wenig erfreut von dem Besuch und geriet schnell mit Ping Wa aneinander. Kunji warf dem Tempelvorsteher Feigheit und Untätigkeit im Angesicht von Ungerechtigkeit und Korruption vor, während Ping Wa vergeblich versuchte, dem Varg ins Gewissen zu reden. Kunjis fehlende Reue war auch der Grund dafür, dass ihm von der Gefängnisverwaltung jeder Kontakt mit seiner Familie verweigert wurde.
Im Anschluss an den fruchtlosen Besuch bat Ping Wa Hao, dass sie dem Verurteilten und seiner Familie beistehen möge – ließ aber offen, wie dieser Beistand aussehen sollte. Hao willigte sofort ein.

Zuerst besuchte sie Bua Kunjis Familie, die in der Nähe des Unggoy-Tempels wohnte. Bua La, die Ehefrau des Verurteilten, empfing Hao reserviert. Sie machte dem Tempel Vorwürfe, ihren Ehemann nicht von seinem verderblichen Pfad abgehalten zu haben und ihm jetzt nicht helfen zu können (oder wollen?). Dass weder sie noch ihr kleiner Sohn und ihre Tochter den Todgeweihten besuchen oder schreiben durften, belastete sie sehr. Hao versprach, einen Besuch oder wenigstens Briefkontakt zu erwirken, sowie Bua Kunji seine Priesterkette und eine Spielzeugfigur seines Sohnes zukommen zu lassen, die ihm ein wenig Trost spenden sollten.
Von La erfuhr Hao Einzelheiten zu Kunjis Verbrechen. Verbittert durch die wuchernde Korruption, hatte Kunji einen Ein-Varg-Feldzug gegen bestechliche Beamte und rücksichtslose Steuereintreiber begonnen. Dabei war er – auch wegen der ausbleibenden Unterstützung seiner Glaubensgeschwister – immer radikaler geworden. Letztendlich hatte das in Blutvergießen und dann in zwei Toten resultiert. La behauptete, sein Verhalten missbilligt zu haben, aber Hao fragte sich, ob das nicht eine Schutzbehauptung war. Sie beschloss, auch bei den Justizbehörden zu dem Fall nachzufragen.

Dank ihrer sozialen Fertigkeiten konnte sie rasch weitere Details zusammentragen. Der Steuereintreiber, den Kunji angegriffen hatte, war für sein korruptes und rücksichtsloses Vorgehen bekannt gewesen. Hao erfuhr zudem Einzelheiten zu den getöteten Wachleuten: einem jungen Rekruten und einem altgedienten Veteranen, der eine Familie mit mehreren Kindern hinterließ.
Dieses Wissen nutzte sie, um Bua Kunji ins Gewissen zu reden. Auch wenn sie seine Beweggründe verstand, wollte sie ihm klar machen, dass er den falschen Weg gewählt hatte – und dass seine Starrsinnigkeit ihm die Möglichkeit nahm, sich von seiner Familie zu verabschieden. Doch drang sie nicht durch den Panzer der selbstgerechten Entschlossenheit, mit dem Kunji sich gerüstet hatte. Der Verurteilte klammerte sich an die Vorstellung, das Richtige getan zu haben und bekam einen regelrechten Tobsuchtanfall. Frustriert brach Hao den Besuch ab, war aber entschlossen, ihre Bemühungen fortzusetzen. Zumindest wollte sie dem verstockten Gefangenen die Geschenke seiner Familie zukommen lassen. Da sich keine Gelegenheit ergeben hatte, die Priesterkette und die Figur bei dem Besuch zu Kunji zu schmuggeln, würde sie auf die Hilfe ihres Tiergefährten Hozhou zurückgreifen. Das magische Eichhörnchen sollte die Gaben nachts in die Zelle schmuggeln.

***

Akiras Bestrebungen verliefen währenddessen auch nicht reibungslos. Es gelang ihm, sich und Takur als Sparringpartner und Trainer der von Zai Mou gesponserten Kämpfer regelmäßigen Zutritt zu dem Anwesen des Waffenhändlers zu verschaffen. Beide nutzten die Gelegenheit, um die Lage zu sondieren. Das Anwesen wurde gut bewacht. Zu jedem Zeitpunkt schienen wenigstens vier Bewaffnete auf Posten zu sein. Zhan Ke hielt ihre Untergebenen auf Trab und duldete keine Nachlässigkeit. Vergeblich versuchte Akira, die sadische Kämpferin auszuhorchen. Sie traute dem Schwertalben nicht. 
Immerhin konnte er einige allgemeine Informationen sammeln. Zhan Ke nahm sich neben ihren Kommandopflichten offenbar die Zeit, einige der in der Manufaktur Zai Mous Angestellten in einer Bürgerwehr zu trainieren. Möglicherweise hing das damit zusammen, dass sich ihr Auftraggeber bei seinem Aufstieg einige lokale Banden zum Feind gemacht hatte. Solange er noch nicht Mitglied im Handelsrat war, blieb er angreifbar.

***

Als sich die Helden über ihre jeweiligen Erlebnisse austauschten, hatten weder Hao noch Akira Grund, völlig zufrieden zu sein. Hao war über die Uneinsichtigkeit Bua Kunjis frustriert und stand unter zeitlichem Druck. Der Tag der Hinrichtung rückte näher und ihre Möglichkeiten, zu Kunji durchzudringen, schienen begrenzt. Akira bot an, sie zu unterstützen. Allerdings zweifelte Hao, dass Kunji den Worten eines adligen Fremden viel Gewicht beimessen würde.

Akira seinerseits war über sein weiteres Vorgehen unsicher. Er wollte das Schwert seines Vaters zurückgewinnen. Doch ein Einbruch wäre riskant und hätte seinem Ehrgefühl widersprochen. Andererseits widerstrebte es ihm, für eine Waffe Geld zu bieten, die rechtmäßig seiner Familie gehörte – abgesehen von der Frage, ob er die nötigen Mittel besaß. Ließ sich ein anderer Weg finden, vielleicht mithilfe seiner Kontakte oder in Form eines Wettkampfes oder einer Herausforderung? Und wie sollte er sich gegenüber Zhan Ke verhalten, die eventuell mehr über den Tod von Akiras Vater wusste? Eine direkte Konfrontation würde möglicherweise in einem Blutvergießen enden, oder Zhan Ke zu Flucht veranlassen. Akira beschloss, dass er noch mehr herausfinden musste, bevor er zur Tat schritt.

***

Hao sah die Gelegenheit gekommen, dem zum Tode verurteilten Priester die Gaben seiner Familie in die Zelle zu schmuggeln, damit er etwas Trost schöpfen konnte. Außerdem würde er dann vielleicht offener gegenüber Haos Worten sein. Sie wartete bis zur Nacht und schickte dann ihren Tiergefährten Hozhou los, beladen mit der Kette des Priesters und dem Spielzeugkrieger seines Sohnes. Leider verlief die Aktion nicht ganz nach Plan: die im Innenhof patrouillierenden Hunde wurden aufmerksam. Aber dank eines magischen Ablenkungsmanövers Haos konnte ihr Tiergefährte zu dem Verurteilten vordringen, seine Gaben abliefern und zu der Priesterin zurückkehren. Dann musste sie freilich schleunigst das Weite suchen, weil die Wachen unruhig wurden.

Am nächsten Tag unternahm Hao einen erneuten Besuch im Gefängnis. Ihr Tiergefährte Hozhou begleitete sie und auch Akira war mit von der Partie. Kurz wurde es kritisch, als einer der patrouillierenden Hunde unruhig wurde – vermutlich erkannte er den Geruch von Haos Tiergefährten wieder. Gefängniskommandantin Tsa Lin war ein wenig genervt von der Aufmerksamkeit, die ihr Gefangener erfuhr.
Vermutlich dank der nächtlichen Schmuggelaktion war Bua Kunji diesmal weniger konfrontativ als bei den letzten Besuchen. Eingedenk seines verbalen Ausbruchs bei ihrem letzten Besuch überließ Hao diesmal zum Gutteil Akira das Wort. Dieser versuchte ebenfalls, dem zum Tode Verurteilten ins Gewissen zu reden. Allerdings waren seine Argumente und Ansichten durch die für Außenstehende manchmal recht…eigenwillig wirkende Pflicht- und Ehrvorstellung der Schwertalben geprägt. Ob seine Geschichte von der Rache der 55 Ronin wirklich geeignet war, zu Bua Kunji durchzudringen…
Doch dank Haos Unterstützung schienen die Worte des jungen Samurai bei dem Verurteilten etwas zu bewegen. Zumindest versprach er, seine Einstellung zu überdenken – und sei es nur, um sich von seiner Familie verabschieden zu können.

Nach diesem Besuch tauschten sich Hao und Akira über ihre unterschiedlichen Moral- und Ehrvorstellungen aus, über Fragen wie Verantwortung und die Rechtmäßigkeit der Todesstrafe. Auch wenn sie nicht in jedem Punkt einer Meinung waren, waren sie sich einig, dass Bua Kunjis Verurteilung wohl rechtens und sein Tod leider unvermeidbar war. Eine Begnadigung stand außer Frage: dazu hatten die Helden weder den Einfluss, noch wäre es vermutlich angemessen gewesen. Immerhin HATTE er getötet. Beide waren entschlossen, bei Bua Kunjis Hinrichtung anwesend zu sein, um ihm den letzten Gang vielleicht ein wenig zu erleichtern. Wenigstens würde er einen schnellen Tod sterben, denn die Hinrichtung würde durch Enthauptung erfolgen. Es gab sehr viel würdelosere und langsamere Hinrichtungsarten…

*** 

Akira hörte sich inzwischen nach weiteren Informationen zu Zai Mou um und versuchte seine Möglichkeiten auszuloten, diesen zu beeinflussen. Dazu fragte er sowohl bei der Adelsfamilie Ka nach, der die Helden in Timog und jetzt in Palitan einige Gefallen getan hatten, als auch bei der Kintari-Botschaft. Beide schätzten Akiras Chancen, juristisch die Herausgabe des Schwertes seines Vaters zu erzwingen, für gering ein. Prinzipiell waren sowohl die Kas als auch die Botschaft bereit, Akira zu unterstützen, doch reichte Ihr Einfluss in den Kreisen des Waffenhändlers nicht allzu weit.
Luo, der eine kurze Pause bei seiner frustrierend erfolglosen Suche nach den Mondstahldieben einlegte, konnte ein paar weitere Informationen über den Waffenhändler ausgraben: Es hieß, dass das Schwert von Akiras Vater nicht die einzige Waffe war, die Zai Mou aus undurchsichtigen Quellen erhalten hatte. Und die Rivalitäten, in die sich der Waffenhändler bei seinem Aufstieg verwickelt hatte, betrafen vor allem auch die „Glutratten“ – eine Nezumi-Bande, die im Drachenbauch-Viertel unter anderem einen Schutzgeldring betrieb. Die Gruppe wurde von einem Anführer namens Taka Sun kommandiert und bestand nicht nur aus Nezumi (takasadischen Rattlingen), sondern auch aus rattlingischen Einwanderern aus Dragorea. Angeblich gehörten mehrere Magiebegabte zu ihnen.
Auf Nachfrage bestätigte Zhan Ke – trotzdem sie Akira weiterhin misstraute – dass die „Glutratten“ die Manufakturarbeiter von Zai Mou schikanierten. Deshalb hatte sie mit überschaubarem Erfolg versucht, einen „Selbstschutz“ unter den Arbeitenden auf die Beine zu stellen.

Nach einigem Zögern entschloss sich Akira, mit offenen Karten zu spielen. Er sprach bei Zai Mou vor und erklärte seinen Anspruch auf das Schwert seines Vaters. Dabei blieb der junge Samurai höflich und drückte die Hoffnung aus, eine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung zu finden. Es war keine Überraschung, dass der Waffenhändler nicht gewillt war, die Klinge einfach herauszugeben. Hingegen zeigte er sich bereit, sie gegen eine gleichwertige Waffe oder für 200 Lunaren herzugeben. Beides lag momentan außerhalb von Akiras Möglichkeiten. Allerdings stellte Zai Mou in Aussicht, den Kaufpreis zu reduzieren, falls Akira ihm bei seinen Problemen mit den „Glutratten“ half. Akira erklärte sich einverstanden und versprach, auch seine Kontakte und Verbindungen einzubringen.
Anschließend schenkte er auch Zhan Ke reinen Wein ein. Immerhin hatte sie das Schwert von Akiras Vater an Zai Mou verkauft und Akira hoffte von der jungen Kriegerin etwas über die Mörder seines Vaters zu erfahren. Auch wenn er keine Beschuldigungen gegen Zhan Ke erhob – er war sich sicher, sie nicht bei den Angreifern gesehen zu haben, die seinen Vater töteten – war diese Eröffnung nicht dazu angetan, Zhan Kes Misstrauen zu zerstreuen.

Akira gelang es, die Triade der „Roten Karpfen“ mit Verweis auf die geleistete Hilfe bei der Suche nach dem gestohlenen Mondstahl zu überzeugen, einige Männer abzustellen, um Zai Mous Anwesen und Manufaktur zu beschützen. Er argumentierte zudem mit dem Selbstinteresse der Triaden, dadurch ihren Einfluss im Drachenbauch-Viertel und (mit dem anstehenden sozialen Aufstieg des Waffenhändlers) im Handelsrat von Palitan stärken zu können. Allerdings waren die Triaden zurückhaltend, was ihr Agieren im Drachenbauch anging. Zwar waren die dortigen Rattlingsbanden untereinander verfeindet, schlossen sich aber gegen jede externe Gefahr zusammen.
Hao versuchte ihrem Kameraden zu helfen, indem sie sich nach besonderen Waffen umhörte, die Akira vielleicht Zai Mou als Auslöse für das Schwert würde anbieten können. Zwar konnte sie einige interessante Geschichten von berühmten Klingen aufschnappen – aber diese waren entweder verschollen oder ruhten in den Grabmälern ihrer Träger. Weder Hao noch Akira wollten die Ruhe der Toten stören.
Allerdings gab es noch eine weitere potentielle Möglichkeit, an hochwertige Waffen zu kommen. In wenigen Monaten würden in Palitan die jährlichen Winterspiele beginnen, bei denen hunderte Teilnehmende in blutigen Wettkämpfen gegeneinander antraten. Im Vergleich zu den in Inani stattfindenden Sommerspielen waren die Wettkämpfe in Palitan berüchtigt für ihre Brutalität und ihre hohe Todesrate. Bei diesen Spielen anzutreten, würde Akira jedoch die Möglichkeit bieten, Geld zu gewinnen und hochwertige Waffen zu erbeuten. Allerdings wäre dies ein gefährliches Wagnis mit hohem persönlichem Risiko…

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Inzwischen erhielt Hao die gute Nachricht, dass der auf Abwege geratene Affenpriester Bua Kunji Reue gezeigt hatte. Auch dank Haos Fürsprache gestattete die Gefängnisverwaltung ihm deshalb den Kontakt mit seiner Familie. Vermutlich war den Behörden ein geständiger Sünder lieber, als wenn der Priester unbeirrt in den Tod gegangen wäre und dadurch andere Unzufriedene inspiriert hätte.
Auf Akiras Vorschlag veranstalteten er und Hao für Bua Kunji nach Kintari-Brauch ein „Höllenmahl“: ein letztes Festessen im Angesicht des sicheren Untergangs.

Die Hinrichtung von Bua Kunji fand im Gefängnishof unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Zu Haos Befremden hatte Akira für dieses Ereignis seine Festkleidung angelegt – manche Kintari-Gebräuche erschienen der Affenpriesterin eigenartig.
Auch wenn die Familie von Bua Kunji nicht anwesend war, hatte er sich wenigstens von ihr verabschieden können. Außer den Helden, Tempelvorsteher Ping Wa und der Gefängniskommandantin war auch die oberste Richterin Maifeng anwesend.
Die Priesterkette, die Hao ihm in die Zelle geschmuggelt hatte, wickelte der Priester auf seinem letzten Gang um seinen Arm und in der Hand hielt er den Spielzeugsoldaten seines Sohnes. Er ging aufrecht und entschlossen die letzten Schritte zum Schafott, bekannte seine Schuld und kniete ohne zu zögern nieder. Zum Glück verstand der Henker sein Handwerk und trennte Bua Kunjis Kopf mit einem Hieb sauber von seinem Hals. Der Leichnam wurde dem Tempel übergeben, um beigesetzt zu werden. Sowohl Hao als auch Akira waren der Meinung, dass dies das beste Ergebnis war, welches sie in dieser verfahrenen Situation hatten erreichen können.

Einige Tage später ließ Tempelvorsteher Ping Wa die junge Priesterin zu sich rufen und befragte sie, was sie aus der Geschichte gelernt hatte. Hao war sich sicher, nicht dazu berufen zu sein, über Leben und Tod zu entscheiden. Die Angelegenheit hatte sie sehr belastet und ihre Zweifel an der Todesstrafe verstärkt. Sie bekräftigte ihre Absicht, sich für das Wohl der einfachen Leute einzusetzen, dabei aber auf Bua Kunjis Methoden zu verzichten. Ob diese Antwort den Tempelvorsteher zufriedenstellte, blieb unklar – aber er wünschte Hao viel Glück auf ihrem weiteren Weg. Und da sich das Fell ihres Tiergefährten dabei teilweise golden färbte, schien Unggoy nicht unzufrieden mit ihr zu sein…

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Akira verbrachte seine Zeit hingegen nun vor allem damit, die Wachen Zai Mous zu unterstützen. Auch wenn er seine Sache nicht schlecht machte, war er nicht glücklich darüber, für jemanden arbeiten zu müssen, den er wenig achtete. Auch das Verhältnis zu Zhan Ke blieb angespannt.

Trotz zusätzlicher Wachen erfolgte der befürchtete Angriff der „Glutratten“ dann überraschend und ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem keiner der Helden in der Nähe war. Von einem Boten der „Roten Karpfen“ alarmiert, holte Akira Hao und Takur zu Hilfe und eilte in das Drachenbauch-Viertel. Ihr erstes Ziel war Zai Mous Manufaktur, deren Mannschaft jedoch den – offenbar nicht sehr heftigen – Angriff hatten zurückschlagen können. Es hatte einige Verletzte und nur leichte Schäden gegeben. Anders sah es mit dem Anwesen von Zai Mou aus, aus dessen Richtung dunkle Rauchschwaden zur Manufaktur herüberwehten…

Als die Helden das Anwesen erreichten, war es beinahe zu spät: mehrere Wachen und Bediensteten lagen reglos am Boden, das Gebäude brannte und vor den Augen der Helden wurde Zhan Ke niedergestreckt. Akira und Takur warfen sich in den Kampf mit den Rattlingen. Beide mussten schwere Treffer einstecken, teilten aber gleichzeitig umso heftiger aus: Takur metzelte mit wenigen Hieben seiner schweren Glefe zwei Angreifer nieder, während Akira die feindliche Anführerin schwer verletzte und zum Rückzug zwang. Auch die verbliebenen Wachen schöpften neuen Mut und so mussten die Angreifer weichen. Haos magische Fähigkeiten retteten mehreren der verwundeten Wächter und Bediensteten das Leben. Auch Zhan Ke würde überleben.
Dennoch waren die Schäden beträchtlich. Dazu kamen zwei tote und mehrere schwerverletzte Wachleute und Bedienstete. Die Ambitionen des Waffenhändlers auf einen Sitz im Handelsrat hatten einen bösen Dämpfer erhalten.
Deshalb drückte der Zai Mou zwar seine Dankbarkeit aus, doch zu mehr als einen Preisnachlass für die Klinge von Akiras Vater war er nicht bereit. Er würde das Geld brauchen…