Autor Thema: Blubberlutsch  (Gelesen 631240 mal)

Noldorion

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Re: Blubberlutsch
« Antwort #2865 am: 27 Dez 2021, 14:53:49 »
Ich würde ganz klar sagen: Es kommt darauf an.

Ich liebe sowohl die Filme als auch das Buch, aber sie sind schon sehr unterschiedlich. Die Filme lassen sich zwar für moderne Action-Abenteuer-Filme viel Zeit, sind aber eben Action-Abenteuer. Das Buch ist mehr wie ein Epos - es mäandert auch mal, es hat eine sehr poetische Sprache, eine ganz eigene Atmosphäre. Manchmal fangen die Filme das ein, manchmal nicht. Vor allem aber geben dir die Bücher sehr stark das Gefühl, in einer großen, dichten Welt zu spielen, die nicht nur Kulisse ist. Dafür sind die Charakterisierungen in den Filmen deutlicher - viele Charaktere in den Büchern werden eher angedeutet, die Filme sind da plakativer.

Es kommt also darauf an. Der Herr der Ringe ist bei weitem nicht so langatmig geschrieben, wie das gerne behauptet wird. Man muss eventuell die Einleitung "Über Hobbits" erstmal weglassen, aber dann hat das Buch einen angenehmen Fluss und ein angenehmes Tempo und liest sich auch heute noch gut. Jeden George R. R. Martin finde ich da beispielsweise wesentlich langatmiger und ermüdender geschrieben. Bezüglich der "seitenlangen Landschaftsbeschreibungen" beispielsweise - das höre ich immer wieder, glaube aber echt, da haben die Leute ein anderes Buch gelesen als ich. Ja, die Landschaft wird beschrieben, aber ich erinnere mich an nichts, was so ausschweifend ist. Wenn man sich eben auf diese "epische" Schreibweise einlassen kann und auch ein wenig Freude an der Sprache hat, lohnt sich das Buch auch heute noch.

Wenn man aber eher sehr schnelle Erzählarten mit vielen temporeichen Actionszenen bevorzugt, dann würde ich eher davon abraten.

Ein Wort aber zur Länge - das wird häufig maßlos übertrieben. Je nach Ausgabe hat der Herr der Ringe insgesamt 1000-1300 Seiten. Das sind drei Bücher zu je 400 Seiten. Bedenkt man, dass es heute kaum epische Fantasyromane gibt, die nicht als Reihe erscheinen, ist das nicht viel. Song of Ice and Fire ist glaube ich bei über 5.000 Seiten, Memory, Sorrow & Thorn kommt auf 3.200, von Rad der Zeit fangen wir mal gar nicht an :)

Edit: Eventuell könnte man die Frage besser beantworten, wenn man wüsste, welche Passagen dir an den Filmen gefallen und welche nicht so, oder zumindest, welche der Filme dir am besten gefallen. Von allen Filmen fängt der erste die Atmosphäre in meinen Augen am besten ein. Wenn dir der erste Film am besten gefällt, versuch es mal. Wenn du eher Teil 2 oder 3 magst, vielleicht eher nicht.
« Letzte Änderung: 27 Dez 2021, 14:59:22 von Noldorion »

Skavoran

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Re: Blubberlutsch
« Antwort #2866 am: 27 Dez 2021, 15:15:43 »
Edit: Eventuell könnte man die Frage besser beantworten, wenn man wüsste, welche Passagen dir an den Filmen gefallen und welche nicht so, oder zumindest, welche der Filme dir am besten gefallen. Von allen Filmen fängt der erste die Atmosphäre in meinen Augen am besten ein. Wenn dir der erste Film am besten gefällt, versuch es mal. Wenn du eher Teil 2 oder 3 magst, vielleicht eher nicht.

Darum geht es mir weniger. Ich meine ob sich die Bücher, die ja auch oft auf den Sockel gestellt werden unabhängig von der grundlegenden Geschichte, die der Filmeschauer schon kennt lohnen.

Jetzt bin ich missverständlich. Natürlich weiß ich das da ganz viel drinsteckt was sich lohnt. Aber ob es den Aufwand so richtig wert ist oder ob man sich zumindest nicht gleich so viel versprechen soll, weiß ich nicht.
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Skavoran

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Re: Blubberlutsch
« Antwort #2867 am: 27 Dez 2021, 15:20:20 »
Edit: Eventuell könnte man die Frage besser beantworten, wenn man wüsste, welche Passagen dir an den Filmen gefallen und welche nicht so, oder zumindest, welche der Filme dir am besten gefallen. Von allen Filmen fängt der erste die Atmosphäre in meinen Augen am besten ein. Wenn dir der erste Film am besten gefällt, versuch es mal. Wenn du eher Teil 2 oder 3 magst, vielleicht eher nicht.

Zur Sache selbst:

Ich mag tatsächlich alle Filme auch wenn ich wirklich kein Hardcore Herr der Ringe Fan bin. Der erste würde ich sagen gefällt mir wirklich am besten auch wenn er mehr den Charakter einer Einführung hat, was bei Filmen generell eher schlecht ist, für geduldige Leser aber kein Problem ist.

Was wären die Endkämpfe in Harry Potter und im Prinzip auch bei Star Wars ohne den ausführlichen Hintergrund, der dem ganzen erst Dramatik verleiht (bei Star Wars kam der halt erst rückwirkend, weil die Prequels später kamen).
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Noldorion

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Re: Blubberlutsch
« Antwort #2868 am: 27 Dez 2021, 15:26:41 »
Dann sage ich es mal so: Es kommt auf die Erwartungen an. Sicherlich wird dir das Buch heute nicht mehr wie ein revolutionärer Fantasy-Roman vorkommen. Du solltest dir keine neuen Erkenntnisse versprechen, keinen Augenöffner oder ähnliches. So ist das immer mit Klassikern. Wenn man aus heutiger Sicht Filme wie "Alien" oder "Blade Runner" schaut, kann einen das schonmal kalt lassen - einfach, weil die Bildsprache und die Erzählweise so sehr ins allgemeine popkulturelle Bewusstsein übergegangen sind, dass man das alles schon irgendwo kennt und sich fragt: Okay, war das jetzt alles?

Beim Herrn der Ringe ist es ähnlich. Die ganzen Themen, Archetypen, Charaktere darin, das wirst du natürlich alles kennen. Aus den Filmen, aber auch aus den unzähligen Büchern, die sich (bewusst oder unbewusst) daran oder an den gleichen Vorlagen orientiert haben. Da solltest du dir also definitiv nicht zu viel versprechen.

Dennoch halte ich den Herrn der Ringe auch aus moderner Sicht noch für ein gutes Buch. Das gilt bei weitem nicht für alle Klassiker, übrigens. Aber ein paar kann man heute noch sehr gut lesen, und der Herr der Ringe gehört für mich dazu. Es ist nur kein aus heutiger Sicht revolutionäres Buch mehr, weil die Revolution einfach zu weit in der Vergangenheit stattfand. Aber ich finde ihn gut geschrieben, in einer auch heute noch faszinierenden Welt spielend, mit sehr vielen schönen Details, die die Filme (verständlicherweise) weggelassen haben. Aber man muss schon ein wenig mit dem richtigen Mindset herangehen. Man muss sich den Herrn der Ringe mehr erarbeiten als beispielsweise die Harry-Potter-Bücher, weil letztere einfach viel stärker für ein modernes Publikum geschrieben sind.

Belfionn

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Re: Blubberlutsch
« Antwort #2869 am: 27 Dez 2021, 16:07:50 »
Was Noldorion und ghost_of_darkness geschrieben haben, trifft es meiner Meinung nach ziemlich gut.
Ob Der Herr der Ringe einem beim heutigen Lesen etwas gibt, hängt viel von der Einstellung ab. Erwartet man, völlig geflasht zu werden, oder atemlos von einer spannenden Szene zur nächsten getrieben zu werden, wird man enttäuscht. Liest man auch sonst hin und wieder Bücher, die sich etwas gemächlicher entwickeln, hat man ein grundsätzliches Interesse an Sprache oder zumindest die geistige Offenheit, sich davon beeindrucken und faszinieren zu lassen, dann ist Der Herr der Ringe auch heute noch ein gutes Buch.
Und nicht zuletzt bietet er einen Ankerpunkt für unzählige „wissenschaftliche“ oder zumindest angeregte Auseinandersetzungen mit verschiedensten Themen, wie die Betrachtung historischer militärischer Themen, die SeldomFound verlinkt hat, linguistische Analysen der fiktiven Sprachen, pseudophilosophische Fragen zur Abreise der Elben aus Mittelerde usw. Wenn du Spaß an so etwas hast, ist das Lesen der Primärlektüre nicht nur Pflicht, sondern auch Genuss.

Skavoran

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Re: Blubberlutsch
« Antwort #2870 am: 27 Dez 2021, 16:08:12 »
Man muss sich den Herrn der Ringe mehr erarbeiten als beispielsweise die Harry-Potter-Bücher, weil letztere einfach viel stärker für ein modernes Publikum geschrieben sind.

Sind ja auch ein knappes Jahrhundert Jünger. Da merkt man mal wie vielschichtig die Geschichte der Fantasy allein durch den zeitlichen Abstand ist.
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Skavoran

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Re: Blubberlutsch
« Antwort #2871 am: 27 Dez 2021, 16:16:52 »
Was Noldorion und ghost_of_darkness geschrieben haben, trifft es meiner Meinung nach ziemlich gut.
Ob Der Herr der Ringe einem beim heutigen Lesen etwas gibt, hängt viel von der Einstellung ab. Erwartet man, völlig geflasht zu werden.

Ein wenig geht es schon ums geflasht werden, natürlich nicht durchgängig aber eben auch. Weil den Grundaufbau der Fantasy soweit es sich nicht um besonders kunstvolle Ausnahmen handelt kennt natürlich jeder von uns und deshalb les ich auch (fast) keine Fantasyromane mehr, weil sich alles ein wenig zu stark wiederholt. Ausnahmen sind möglich, aber selten.

Aber Herr der Ringe schöpft wohl doch noch etwas tiefer als die davon hergeleitete Mainstream-Fantasy und ist handwerklich wohl doch schon sehr gut gemacht (sonst wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen). Und das mit der Sprache interessiert mich wirklich auch, das war mit bei den winzigen Auszügen, die ich kenne schon sehr eindrücklich aufgefallen.
« Letzte Änderung: 27 Dez 2021, 16:19:01 von Skavoran »
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Wandler

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Re: Blubberlutsch
« Antwort #2872 am: 27 Dez 2021, 16:59:57 »
Eventuell wäre es auch sinnvoll die Bücher auf Englisch zu lesen. Sie sind einigermaßen gut zugänglich, aber man nähert sich natürlich auch der Sprache des Autors mehr an.
Der Herr der Ringe ist nicht zu vergleichen mit dem Silmarillion (das um Welten "schwerere" Kost ist) - aber auch nichts was man einfach so runterschlingt wenn man mit der Sprache kämpft.

Xandila

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Re: Blubberlutsch
« Antwort #2873 am: 01 Jan 2022, 10:06:56 »
Wenn du es auf Deutsch liest, solltest du auch schauen, in welcher Übersetzungsversion.
Die "klassische"  ist von Margaret Carroux, an der Version hat Tolkien auch unterstützt, damit zB Namen so übersetzt (oder beibehalten) wurden, wie es ihm wichtig war.

Die Übersetzung von Wolfgang Krege versucht zwar im Gegensatz zu der ersten abzubilden, daß nicht alle Charaktere bei Tolkien denselben Sprachstil nutzen, aber ist damit aus Sicht vieler im ersten Versuch ziemlich gescheitert (Sams Anrede für Frodo, "Master" im Original, "Herr" bei Carroux und "Chef" bei Krege ist das meistgenannte Beispiel)
Von seiner Übersetzung gibt es aber auch eine zweite Version, in der einige dieser Kritikpunkte wieder geändert wurden.

TrollsTime

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Re: Blubberlutsch
« Antwort #2874 am: 01 Jan 2022, 13:29:08 »
Die ersten Kapitel sind einfangs sehr interessant, weil sie eben nicht nur Blingbling-Fantasy abbilden, sondern auch viel bäuerlichen und ländlichen Fluff inkl Postboten und kleinen Feiern etc.....
Das fand ich damals als Teenie sehr interessant und "mal anders".
ABEEEER: Exakt das zieht sich dann für meinen Geschmack doch sehr und so wird aus Weizen, Spreu.
Später waren viele Fantasyleser (aber nicht - spieler) erschüttert, dass ich den Herr der Ringe als Fantasynerd nie durchgelesen hatte. Als ich dann aber erzählte wieso, sagten mir viele "Ja, am Anfang zieht es sich etwas, aber dann blahblah, sehr gut, spannend, blah"

Passiert übrigens vielen großen Autoren: Beim "Der dunkle Turm" von Stephen King brauchte ich auch zwei Anläufe, um durch den ersten Roman zu kommen...

Ich hab den Herr der Ringe bis heute nicht gelesen und habe nach dem Film auch keine Motivation mehr.
Allerdings bin ich auch so ein Typ, der fast nie das Buch liest, wenn er den Film schon gesehen hat. Ist bei "Tribute von Panem" und "Harry Potter" bei mir das Gleiche gewesen.
Außer es wäre ne Kurzgeschichte, wie das Original zu "Total Recall".
Quendan zu TrollsTime: "Du musst nicht alle überzeugen!"

SeldomFound

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Re: Blubberlutsch
« Antwort #2875 am: 01 Jan 2022, 14:45:11 »
Frohes Neues!

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Rostam

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Re: Blubberlutsch
« Antwort #2876 am: 01 Jan 2022, 14:49:29 »
Ein frohes gesundes Neues Jahr euch allen!
"Du bist witztig - aber, wenn du in den verheerten Landen verschwindest, werd ich dich nicht vermissen"

gerdio

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Re: Blubberlutsch
« Antwort #2877 am: 01 Jan 2022, 14:52:49 »
Eventuell wäre es auch sinnvoll die Bücher auf Englisch zu lesen. Sie sind einigermaßen gut zugänglich, aber man nähert sich natürlich auch der Sprache des Autors mehr an.
Der Herr der Ringe ist nicht zu vergleichen mit dem Silmarillion (das um Welten "schwerere" Kost ist) - aber auch nichts was man einfach so runterschlingt wenn man mit der Sprache kämpft.

Aber gerade bei Herr der Ringe finde ich die Übersetzung wirklich gut gelungen und imho sprachlich eleganter als das Original. Zumindest die alte Übersetzung, die neue kenne ich nicht. Als Jugendlicher fand ich das Buch toll und hab es ein paarmal gelesen. Wie ich es heute beurteilen würde, hm, schwierig. Ich denke der Plot selbst könnte mich heute nicht mehr vom Hocker reißen, da gibt es in dem Genre einfach Sachen, die mir besser gefallen haben. Den Schreibstil find ich aber nach wie vor klasse. Eben auch in der Übersetzung, die ist stilistisch wirklich schön gemacht.