Autor Thema: Charaktererschaffung  (Gelesen 41362 mal)

Rumspielstilziel

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Re: Charaktererschaffung
« Antwort #45 am: 05 Mär 2013, 10:45:25 »
Rasse (bitte, bitte, nennt es doch Volk!)
Was ist so schlimm an "Rasse"?

Ich habe das schon an anderer Stelle ausgeführt, muss aber selbst noch mal richtig recherchieren, bevor ich da eine gute Argumentation vorlegen kann. Meine grobe Erinnerung aus dem Gender-Studies-Studium sagt, dass "Rasse" ein Begriff ist, der für vernunftbegabte Wesen wenn überhaupt dann eher im Sinne der familiären Abstammung verwendet worden ist und nicht für größere Gruppen wie ganze Völker. Wenn im Mittelalter überhaupt jemand von Rasse geredet hat, meinte er wahrscheinlich die edle Abstammung eines Tiers, mit Menschen hatte das nichts zu tun. Das englische "Race" gibt es, wenn ich mich nicht irre, dagegen schon länger in der Bedeutung Volk.
Der biologisierte Rassebegriff hat sich m.W. erst mit der Moderne durchgesetzt, also Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts. Da kamen die ganzen biologistischen und eugenischen Rasselehren auf. Der Rassebegriff in Bezug auf Menschen ist damit auf Deutsch auch von Anfang an mit rassistischer Ideologie und Politik begründet und diente dazu, soziale Unterschiede mit einer pseudowissenschaftlichen, biologistischen Erklärung zu rechtfertigen, zu zementieren oder überhaupt erst zu erfinden. Unabhängig von dieser unschönen Konnotation bin ich mir aber vor allem ziemlich sicher, dass der Begriff Rasse in Bezug auf vernunftbegabte Menschen in einem Pseudomittelalterlichen Setting einfach nicht das Geringste verloren hat - genauso wenig wie Begriffe wie Neurontransmitter, Psychoanalyse oder Gender Mainstreaming etwas in einem solchen Setting verloren haben. Das ganze Konzept hinter dem Rassebegriff gehört einfach nicht in diese Epoche.
Wenn man dann noch hinzunimmt, wie wissenschaftlich fragwürdig und willkürlich der Rassebegriff selbst bei Tieren ist, gibt es eigentlich keinen Grund, stur einen für das Setting unpassenden und extrem negativ konnotierten Begriff zu verwenden, vor allem, wenn die dem Setting und Gegenstand angemessene Alternative (der Begriff Volk) auf der Hand liegt.

Mal rein vom Marketing her gesprochen: Eigentlich würde ich jedes Rollenspielregelwerk, in dem von "Rassen" die Rede ist, erst einmal wieder weglegen. Und ich kenne genügend Leute, die ebenfalls keinen Bock haben würden, ein Rollenspiel mit einer politisch derart aufgeladenen Terminologie auszuprobieren.

Belzhorash

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Re: Charaktererschaffung
« Antwort #46 am: 05 Mär 2013, 10:58:35 »
Vielen Dank.
Die Herkunft kannte ich sogar und deine Worte haben entsprechend die Erinnerung daran erneuert.

Nun, vielleicht gehe ich zu unbedarft ans Werk, wenn ich Rasse nicht als negativen Begriff ansehe. Vielleicht ist es auch ein Bisschen was von "wir haben da bei allen Systemen schon immer Rasse hingeschrieben".

Rumspielstilziel

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Re: Charaktererschaffung
« Antwort #47 am: 05 Mär 2013, 11:06:10 »

Nun, vielleicht gehe ich zu unbedarft ans Werk, wenn ich Rasse nicht als negativen Begriff ansehe. Vielleicht ist es auch ein Bisschen was von "wir haben da bei allen Systemen schon immer Rasse hingeschrieben".

Irgendwie ist mir das mit "Rasse" zum ersten Mal bei DSA 4 untergekommen, glaube ich. Davor habe ich immer Sachen gespielt, wo es Völker, Clans, Metatypen, Herkünfte oder einfach Heldentypen gab. Und als mir das bei DSA4 zum ersten Mal unterkam, hat sich irgendwie alles in mir gesträubt ...

DER DADA

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Re: Charaktererschaffung
« Antwort #48 am: 05 Mär 2013, 14:57:44 »
Rasse hin und her, aber Volk seh ich nicht als ausreichend differenziert, da es auch sich kulturell unterscheidende Bevölkerungsverbünde gleicher Art beschreibt
Und Alben und Varge unterscheiden sich ja in mehr als der Kultur.
Aber bitte nicht Volk verwenden. da ist die Begrifflichkeit ungenügend, und aus unserer Welt kann man da keine Bezüge ziehen was das angeht, da wir nur eine Vernunftbegabte Art haben, die sich in diverse Völker aufteilt, die genetisch aber im Stammpool weitestgehend identisch sein können.
Ich weiß das gerade in der Fantasy Volk gerne verwendet wird um politisch korrekt zu bleiben. aber man sollte auch auf inhaltliche richtigkeit Wertlegen.
Also lieber Rasse als Volk und am liebsten Art. (ich weiß das auch das nicht gänzlich korrekt ist, ab zumindest etwas besser)

Anmar

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Re: Charaktererschaffung
« Antwort #49 am: 05 Mär 2013, 14:59:31 »
Spezies?
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flippah

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Re: Charaktererschaffung
« Antwort #50 am: 05 Mär 2013, 15:18:13 »
Spezies taugt.
"In allen anderen Fällen gehen Sie so schnell wie möglich in See und, ohne sich auf eine Schlacht einzulassen, sofern dies möglich ist, nach Wladiwostok" (Jewgeni Iwanowitsch Alexejew)

Bob

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Re: Charaktererschaffung
« Antwort #51 am: 05 Mär 2013, 15:51:08 »
Naja wenn Halbwesen nicht möglich sind, könnte man korekterweise auch Art sagen. (Alle mitglieder eienr Gruppe die untereinander direkt oder indirekt fruchtbare Nachkommen Zeugen können.)

Wenn ich mich richtig entsinne, ist das auch die Voraussetzung für den Begriff Spezies.

TomTom das Mondpfadnavi

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Re: Charaktererschaffung
« Antwort #52 am: 05 Mär 2013, 16:06:41 »
Blut oder Wesen wäre auch möglich. Blut wäre doch mal was.
Splittermond-Werbung - Generiert ihr noch oder spielt ihr schon?

Anmar

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Re: Charaktererschaffung
« Antwort #53 am: 05 Mär 2013, 16:13:16 »
Es sollte schon ein Bergriff sein, der eingängig ist. Blut ist es nicht. Mit Blut assoziiere ich den Lebenssaft, der durch unsere Adern fließt. Blutlinie ist dann auch noch was anderes.
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Varana

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Re: Charaktererschaffung
« Antwort #54 am: 05 Mär 2013, 17:42:22 »
Wobei in einem pseudomittelalterlichen Umfeld auch "Spezies" ein arger Stilbruch ist, nicht weniger als "Rasse" (nur mit im Deutschen weniger vorbelasteten Konnotationen). Wenig exakt ist es außerdem - diverse Fantasy-"Spezies" sind ja traditionellerweise untereinander fruchtbar (Elfen und Menschen z.B.)

Im Fantasybereich ist "Rasse" mMn ein klarer Anglizismus. Und im Englischen hat man ja auch keinerlei Hemmungen, noch heute von "races" zu sprechen, wenn man die unterschiedlichen ... äh ... menschlichen Phänotypen und Nationen bezeichnen will - der US Census von 2010 fragt nach "race" und bietet als Optionen "White", "Black/African Am./Negro" [sic!], aber dann sehr klar unterschieden "Chinese, Japanese, Filipino, Vietnamese" u.a.m. an. Es sind also auch nicht einfach Nationen, sondern, naja, irgendwas anderes (und nicht mal einheitlich). Eine biologische Basis dieser Einteilung wird gar nicht angenommen.
Und in der Tradition steht "race" auch in der Fantasy - ein wilder Mix aus Spezies, Nationen, Phänotypen, Kulturen und wasweißich. Ob man das ins Deutsche so übertragen muß, ist eine andere Frage; allerdings ist ein angemessener Ersatz auch nicht grad einfach zu finden - auch aufgrund der unterschiedlichen Kriterien. Im Endeffekt heißt es einfach "Gruppe von Leuten, die wir aus verschiedenen praktischen Gründen voneinander abgrenzen wollen".

"Blut" finde ich noch viel problematischer als "Rasse".
« Letzte Änderung: 05 Mär 2013, 17:44:17 von Varana »
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Re: Charaktererschaffung
« Antwort #55 am: 05 Mär 2013, 18:01:39 »
Gimli würde eher sagen: "Ich bin Gimli, vom Volk der Zwerge." und nicht "Ich bin Gimli, von der Rasse der Zwerge." oder "Ich bin Gimli, von der Spezies der Zwerge." oder "Ich bin Gimli, von der Art der Zwerge."
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Re: Charaktererschaffung
« Antwort #56 am: 05 Mär 2013, 18:14:35 »
Was die Spezies IT sagen muss ja wohl nicht mit dem übereinstimmen, wie es im Regelteil genannt wird.
"Allerdings ist absolute Vereinfachung in allen Bereichen auch gar nicht ein Ziel von Splittermond, es soll kein Light-Regelsystem werden. " Quendan

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Re: Charaktererschaffung
« Antwort #57 am: 05 Mär 2013, 18:15:33 »
USB +1

Ich weiß das gerade in der Fantasy Volk gerne verwendet wird um politisch korrekt zu bleiben. aber man sollte auch auf inhaltliche richtigkeit Wertlegen.

Das ist es: Rasse ist in fast jeder Beziehung inhaltlich völlig falsch!

Volk ist inhaltlich (auch wegen der extremen Schwammigkeit des Begriffs) sehr viel richtiger. Und da die verschiedenen Völker im engeren Sinne bei der Charaktererschaffung offenbar Kulturen heißen sollen, gibt es da auch kein Überschneidungsproblem. Volk kann in der Realität alles mögliche bedeuten - von "wir hier unten" über die Angehörigen eines Nationalstaats über eine Sprachgemeinschaft bis hin zu einer mehr oder weniger imaginierten Abstammungsgemeinschaft; im Fantasy-Kontext würde eben letztgenannte Bedeutung zutreffen. Und solange im Regelteil Begriffseindeutigkeit herrrscht, dürfte ja wohl jeder Leser mit der semantischen Uneindeutigkeit des Begriffs "Volk" klarkommen, weil die aus dem Alltag eben vertraut ist.

Übrigens: Ich arbeite im Buchhandel, da werden die einschlägigen Fantasy-Werke der Marke "Die Zwerge", "Die Orks", "Die Trolle", "Die Elfen", "Die Wurzelgnome" gemeinhin mit dem Sammelbegriff "Fantasy-Völkerbücher" bezeichnet. Die Kunden verstehen das alle wunderbar. Ich wette, bei "Fantasy-Rassenbücher" hätten viele ein großes Fragezeichen über dem Kopf.

Anmar

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Re: Charaktererschaffung
« Antwort #58 am: 05 Mär 2013, 18:45:40 »
Ich weiß jetzt nicht, ob das schon gefragt worden ist aber, wie lange dauert eine Char-Generierung?

@Volk
Ich bin auch eher auf Rumspielstilziel Seite, wenn Begriffseindeutigkeit gegeben ist und das nicht nur beim Begriff "Volk"
« Letzte Änderung: 05 Mär 2013, 18:50:28 von Mustafa ben Ali »
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Re: Charaktererschaffung
« Antwort #59 am: 05 Mär 2013, 19:06:29 »
Was die Spezies IT sagen muss ja wohl nicht mit dem übereinstimmen, wie es im Regelteil genannt wird.
Aber es offenbart, wie doof Rasse oder Spezies eigentlich klingt.
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