Splittermond Forum

Spielwelt und Abenteuer => Lorakis - Die Welt von Splittermond => Thema gestartet von: 4 Port USB Hub am 13 Jun 2014, 20:24:25

Titel: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: 4 Port USB Hub am 13 Jun 2014, 20:24:25
Habe im Weltenband nichts dazu gefunden.

Wie sieht es damit aus in Lorakis?
Sind Frauen schlechtergestellt? Dürfen sich zwei männliche Varge das Ja-Wort geben?
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Noldorion am 13 Jun 2014, 21:11:41
Es gibt keine lorakis-weite Diskriminierung auf Basis von Geschlecht und Sexualität - wobei das in vereinzelten Reichen natürlich anders aussehen kann, da schwankt der Pegel mal in die eine, mal in die andere Richtung. Grundsätzlich sind Männer und Frauen aber gleichberechtigt.

Zum Thema Geschlechterrollen erinnerst du dich vielleicht noch an eine Diskussion vor etwa einem Jahr, hier nochmal verlinkt (http://forum.splittermond.de/index.php?topic=45.15) :)

Zum Thema Homosexualität müssten sich andere nochmal äußern, die sich mehr damit beschäftigt haben - ich hatte bisher das Gefühl, dass wir das bewusst ausgeklammert und nicht näher thematisiert haben, bin aber selbst nicht sicher.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Neruul am 13 Jun 2014, 21:37:18
Das Frauen schlechtergestellt sind, ging für mich nicht aus dem Weltenband hervor, da es einige weibliche "NSC" in durchaus Hohen Postionen gibt.

z.B gibt es in Wintholt die Gräfin Athilda, die Tochter von Leofric, die in Abhinborn herrscht.
In Tir Durgachan ist Lian an Lian die Herrin der Stadt Cae Annwyl.
In Dakardsmyr ist Jaja Wippruh eine angesehene Kanja-Priesterin.

In Selenia gibt es u.a. eine Hochmagierin des Zirkels der Zinne, eine Hochpriesterin des Yonnus, eine Seneschallin des Kaiserhofs und selbst die Leibwächterin des Kaisers ist eine Frau.

In Patalis gibt es mit Tullia Alata eine weitere Hohepriesterin (diesesmal im Dienst der Göttin Luseria)

In Elyrea ist Beleriana die Großmeisterin des Ordens der drei Rosen.

Die "Königin" Termarks ist Madira Krajnaris

Bei den Raugarr ist Urr'Kah die Anführerin eines Rudels von Ausgestoßenen

In Zhoujiang ist Prinzessin Yi die Erbin des Kaiserreichs, My-Mei ist die Vorsteherin des Händlerrates in Palitan

Kintai hat mit der göttlichen Kaiserin Myuriko zweifellos eine der mächtigsten Frauen in Lorakis.

Die Herrschaft über Siprangu auf den Stromlandinseln liegt in den Händen eines weiblichen Feenwesens.

Eine ziemliche Ausnahme dieser "Starke Frauen"-Reihe ist das farukanische Land Fedirin. Da hier die Tradition sehr hoch gehalten wird, können Frauen nicht in gehobene Positionen aufsteigen

Im ebenfalls farukanischen Aitushar hingegen gibt es mit "Nadashya der Schönen" eine geschickte Politikerin.
Eine andere wichtige Person in Aitushar ist Isba Naduk, die Vorsitzende des Handelsrats [sie möchte die Autorität Nadashyas untergraben].

In Demerai führt die Albin Nischtai Nashibeh die Garde an.

Bei den Tarr ist Karrai die oberste Naraka-Priesterin und Vorsteherin des Rates des Lichts.

In Ioria ist Anfala Tereios, eine bedeutende Priesterin und Gelehrte des Bewahrerordens.

Eine der besten Kennerinnen dragoreischer Politik ist Divna Banat, die Supervisorin der Mediatorengilde.

Insgesamt sind Frauen stark in hohen Positionen vertreten, bei einigen Ländern bestätigen Ausnahmen die Regel.

Zur Homosexualität habe ich nichts gefunden, aber ich denke, man kann es auch einfach von Spielergruppe zu Spielergruppe so handhaben kann, wie man mag. Ich hätte nichts dagegen, wenn sich zwei männliche Varge das Ja-Wort geben und sich küssen oder zwei Albinnen aneinander Gefallen finden.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Kalinos am 14 Jun 2014, 21:21:08
Prinzipiell sind das Fragen, die jede Runde sich selber beantworten kann.
Aber wie oben schon ausführlich in Beispielen erwähnt sind Frauen nicht selten in Machtpositionen, sondern haben dort eher eine ähnliche Häufigkeit wie Männer. Also gibt die Welt in Richtung Sexismus wenig her, wenn man von einigen Kulturen absieht, die in die eine oder andere Richtung ausschlagen können.
Homosexualität kann natürlich ebenfalls jede Spielrunde handhaben wie sie es möchte. Homophobie ist jedenfalls gesamtlorakisch kein Thema. (Auch hier können einzelne Kulturen in die eine oder andere Richtung aussschlagen.)

Sorry but you are not allowed to view spoiler contents.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: La Cipolla am 18 Jun 2014, 16:55:14
Der Spoiler hat mich übrigens beim Lesen gefreut, erinnere ich mich gerade. :D Nicht viel, aber ein netter Anfang!
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Darian am 20 Jun 2014, 03:19:17
Ich freu mich immer auf fiktive Welten wo ich mir keinen Gedanken um so paar reale Probleme machen zu müssen, weshalb ich grundsätzlich solche Fragen ausklammere.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Neruul am 20 Jun 2014, 05:49:33
Ich freu mich immer auf fiktive Welten wo ich mir keinen Gedanken um so paar reale Probleme machen zu müssen, weshalb ich grundsätzlich solche Fragen ausklammere.

+1

Das kommt auch meiner "Spielweise" entgegen.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: sindar am 20 Jun 2014, 11:31:59
Geht mir genauso.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Chalik am 20 Jun 2014, 13:28:14
Ich freu mich immer auf fiktive Welten wo ich mir keinen Gedanken um so paar reale Probleme machen zu müssen, weshalb ich grundsätzlich solche Fragen ausklammere.

+1

Das kommt auch meiner "Spielweise" entgegen.

Sehe ich auch so. Am besten ist es dann noch, wenn man bei Bedarf solche Dinge einbauen kann um eventuell SC auf den Plan zu rufen. Wobei ich das bisher noch nie eingesetzt habe. Aber es kann durchaus auch mal reizvoll sein eine Gruppe mit diversen weiblichen SCen mit Sexismus zu konfrontieren, siehe z.B. Tharun. Dazu kam es allerdings bisher bei mir nicht ...
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: 4 Port USB Hub am 20 Jun 2014, 14:01:18
Ich freu mich immer auf fiktive Welten wo ich mir keinen Gedanken um so paar reale Probleme machen zu müssen, weshalb ich grundsätzlich solche Fragen ausklammere.
Nun, die Antwort auf solche Fragen hat ja hin und wieder schon sehr gravierende Konsequenzen für bestimmte Charakterkonzepte, sowohl bei NSCs als auch SCs. Daher ist es schon wichtig, zumindest in der Gruppe abzustimmen was nun Sache ist, selbst wenn es "offiziell" nicht endgültig festgelegt ist.

Aber generell ist ja in einer Gesellschaft, inder Gnome, Menschen, Alben und Varge zusammenleben und  früher auch gemeinschaftlich von Drachenwesen geknechtet wurden, wesentlich mehr Toleranz und weniger Sexismus zu erwarten als in einer irdisch-mittelalterlichen Gesellschaft. :)
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: La Cipolla am 20 Jun 2014, 17:17:18
Mutige Aussage, wenn man die reale Geschichte betrachtet. ;D

Ich denke allerdings auch, dass es bei einem modernen Mainstream-Rollenspiel, das möglichst viele Spieler in den Spaß mit einbeziehen will, durchaus zu erwarten ist. ^^'' Umso angenehmer, dass SpliMo wenige bis keine Anzeichen in die Gegenrichtung macht (oder sie sehr bewusst ins Setting einbindet).

Reale Probleme ausklammern ist meiner Meinung nach in der individuellen Spielgruppe vollkommen in Ordnung, sofern man das Spiel nicht allzu ernst nimmt. :) Machen wir hier auch nicht immer. Wenn man aber viel Wert auf "Realismus" oder tiefgehende Charaktere etc legt, wird es imho schwieriger.
Für nen Verlag dagegen finde ich es allgemein sehr wichtig, sich zumindest Gedanken darüber zu machen.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Nevym am 25 Jun 2014, 15:16:12
Man kann das Thema aber auch erweitern und sich fragen, ob es eine Region / Reich / Länder / Kontinent gibt, in dem das Thema ist!

Erweitern kann man das Thema z.B. durch die (homosexuellen) Praktiken der alten Griechen, Anlehnungen an andere Spielwelten und deren "Liebeskulte, auf Inzest durch die Heiratspraktiken, wie sie im alten Ägypten bei den Herrschenden gab - Soweit ich noch weis heirateten Pharaonen ihre Schwester (o. sonst. nahe Verwandte)...
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: JohnLackland am 25 Jun 2014, 17:24:16
Ich würde mich freuen, wenn das alles gar kein Thema wäre in Splittermond und dies und sonst  wie geartet Art von Sexismus nicht existiert. Ich spiele RPG um nicht die Realität und die Probleme der Welt der Menschen abzubilden, denn wenn ich mir das anschaue was hier passiert und wie mit den Thema Gleichberechtigung, Sexualität, Idendität, Volk und Gruppenzugehörigkeit umgegangen wird, möchte ich nicht das es genau so sich in einen Rollenspiel wiederfindet. Weil mich die Realität, sehr, sehr wütend macht wenn ich darüber nachdenke.

Warum nicht einfach davon ausgehen, das Lorakis die beste aller Welten ist, das Gleichberechtigung und Sexismus keine Rolle gespielt hat, das jeder so leben und lieben kann wie er will und das dies auch Kredo aller Götter ist. Das wäre für mich mal eine tolle Sache. Ich muss nicht den quatsch abbilden, den wir uns seit Jahrtausenden um die Ohren hauen, vor allem dann auch noch mit irgendeinen religösen Hintegrund. Wenn jemand ein Problem mit Sexualität hat, dann hat er das Problem außerhalb des Spiels und soll es dort bitte bearbeiten aber nicht in meiner Spielrunde, wobei die Person wahrscheinlich dann eh nicht in meiner Spielrunde ist... weil sie dann auch ein Problem mit mir hat ;-).

@Nevymn_Was Kulturen wie die "Griechen" betreffen, das sind Vermutungen das es so gelaufen ist, die Texte und Aufzeichnungen sind immer nur bruchteile einer Kultur und es scheint so das Sexualität und Patriarchat eine andere Rolle gespielt haben bzw. viel mehr als die "Knabenliebe" oder irgendwelche Abbildungen auf Keramikvasen die auch nur sehr einseitig wiedergegeben werden.

Bitte tut mir einen gefallen haltet Elemente wie Rassismus, Homophobie, Sexismus und sexuelle Gewalt, Religöse Beleidigungen (sage nur DSA: Rasthulla und Islam)  und alles weitere was Menschen beleidigt so weit wie möglich aus den offiziellen Abenteuern und der Spielwelt von Splittermond, was ihr an den Spieltisch zu Hause macht ist mir egal. Mir gehts dabei auch nicht um Political Correctnes, sondern um Respekt von Betroffenen und der Alltagsdiskriminierung, die muss man nicht übertragen ins RPG.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: 4 Port USB Hub am 25 Jun 2014, 17:27:14
Bitte tut mir einen gefallen haltet Elemente wie Rassismus, Homophobie, Sexismus und sexuelle Gewalt, Religöse Beleidigungen (sage nur DSA: Rasthulla und Islam)  und alles weitere was Menschen beleidigt so weit wie möglich aus den offiziellen Abenteuern und der Spielwelt von Splittermond, was ihr an den Spieltisch zu Hause macht ist mir egal. Mir gehts dabei auch nicht um Political Correctnes, sondern um Respekt von Betroffenen und der Altagsdiskreminierung, die muss man nicht übertragen ins RPG.
Ich stimme dir da vollkommen überein!
Zumindest Rassismus scheint aber in Lorakis durchaus vorhanden zu sein, die Schwert- und Seealben sind beide wohl ziemliche Rassisten.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: JohnLackland am 25 Jun 2014, 17:55:52
Zumindest Rassismus scheint aber in Lorakis durchaus vorhanden zu sein, die Schwert- und Seealben sind beide wohl ziemliche Rassisten.

Bei den Seelaben sehe ich das anders, die lassen halt niemanden in ihre Städte und sind sehr auf inneren Frieden aus, aber als Händler auf den Weltmeeren nicht rassistisch. Das ist ehr Schutz der eigenen Kultur und Idendität.

Die Schwertalben sind schon ehr  klassische Rassisten, da hat ne Gottheit gesagt, hey ihr seid mein auserwähltes Volk, ich gebe Euch die Macht zu Herrschen. Im Grundaufbau ist es eine Apartheid, eine Rassentrennung durch eine Gottheit befohlen. Was ist aber wenn die mal Weg ist.... da sehe ich aber auch potential für die Abenteuerer, ein Ronin der genau die Gefahr sieht, geschult von jemanden mit Plan, oder wenn die Gottheid beschließt Morgen sind die Gnome dran, die Elfen sind Out....
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: SeldomFound am 25 Jun 2014, 18:16:19
Bitte tut mir einen gefallen haltet Elemente wie Rassismus, Homophobie, Sexismus und sexuelle Gewalt, Religöse Beleidigungen (sage nur DSA: Rasthulla und Islam)  und alles weitere was Menschen beleidigt so weit wie möglich aus den offiziellen Abenteuern und der Spielwelt von Splittermond, was ihr an den Spieltisch zu Hause macht ist mir egal. Mir gehts dabei auch nicht um Political Correctnes, sondern um Respekt von Betroffenen und der Altagsdiskreminierung, die muss man nicht übertragen ins RPG.
Ich stimme dir da vollkommen überein!
Zumindest Rassismus scheint aber in Lorakis durchaus vorhanden zu sein, die Schwert- und Seealben sind beide wohl ziemliche Rassisten.

Eher xenophobisch, bzw. arrogant als wirklich rassistisch. Die Schwertalben halten sich für ein auserwähltes Volk, die Seealben misstrauen andere Kulturen, da sie nicht wieder versklavt werden wollen.

Insgesamt neigen alle Albenkulturen zur Isolation, meistens auch, weil sie mit dem Land, auf dem sie leben und deren übernatürlichen Herrschern eine sehr starke Verbindung haben.


@ JohnLackland:

Ich würde eher davon absehen diese Themenbereiche allgemein zu verbieten, denn Sexismus und Rassismus bieten Konfliktpotential, mit dem man interessante Abenteuer gestalten kann.

RPGnosis hat dazu einen interessanten Artikel (http://rpgnosis.wordpress.com/2014/04/25/was-im-rollenspiel-zu-meiden-ist-und-was-nicht-karneval-der-rollenspielblogs/) geschrieben, in dem er auch lang und breit mit Noldorion in den Kommentaren diskutiert hat.

In gewisser Weise unterstützt du mit deiner Meinung Noldorions Ansicht, dass Rassismus und Sexismus Inhalte sind, die jede Gruppe für sich selbst festlegen muss, während RPGnosis findet, dass in Splittermond gutes Konfliktpotential für interessante Geschichten fehlen, weil alle Rassen zu gut mit einander auskommen.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Drarsus am 25 Jun 2014, 18:26:19
Der Link geht nicht, bitte nochmal korrigieren, will´s doch lesen :D
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: 4 Port USB Hub am 25 Jun 2014, 19:44:19
Eher xenophobisch, bzw. arrogant als wirklich rassistisch. Die Schwertalben halten sich für ein auserwähltes Volk, die Seealben misstrauen andere Kulturen, da sie nicht wieder versklavt werden wollen.
Ich würde jetzt nicht zu stark differenzieren wollen zwischen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Bei den Alben hängt es vermutlich vom Individuum ab, wo genau es einzuordnen ist.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: JohnLackland am 25 Jun 2014, 19:56:32
@ JohnLackland:

Ich würde eher davon absehen diese Themenbereiche allgemein zu verbieten, denn Sexismus und Rassismus bieten Konfliktpotential, mit dem man interessante Abenteuer gestalten kann.

RPGnosis hat dazu einen interessanten Artikel (http://rpgnosis.wordpress.com/2014/04/25/was-im-rollenspiel-zu-meiden-ist-und-was-nicht-karneval-der-rollenspielblogs/) geschrieben, in dem er auch lang und breit mit Noldorion in den Kommentaren diskutiert hat.

In gewisser Weise unterstützt du mit deiner Meinung Noldorions Ansicht, dass Rassismus und Sexismus Inhalte sind, die jede Gruppe für sich selbst festlegen muss, während RPGnosis findet, dass in Splittermond gutes Konfliktpotential für interessante Geschichten fehlen, weil alle Rassen zu gut mit einander auskommen.

Als Hintergrund, das ein Land oder eine Bevölkerungsgruppe oder Gegner problematische Ansichten hat und die Helden dagegen vorgehen finde ich in Ordnung. Wenn Abenteuer so gebaut sind das die Helden sexistisch und rassistisch agieren müssen, dann sage ich ganz klar, das gehört nicht für mich in meine Vorstellung von Lorakis und Rollenspiel. Sorry aber ich engagiere mich dafür das so etwas nicht im Alltag existiert, dann will ich das auch nicht am Spieltisch. Was ich auch schwierig finde ist das gesamte Thema sexuelle Gewalt, Dominanz und so weiter. Es gibt genügend Fantasy die mit Gore und Sex spielt, vor allem auch dank HBO & Co gerade sehr in. Die Frage ist aber ob ich es in meiner Spielerrunde will. Ich gebe ganz klar Spielern die Kante die Sexisten und Rassisten spielen wollen, das sind für mich Antogonisten und auch nicht die Regel. Klar ist es spannend mit den Thema zu spielen, es provoziert. Aber wenn du Schwul oder Bisexuell  wärst und es weiß nicht jeder in der Spielrunde und dann kommen homophobe Sprüche da fühlst du dich nicht wohl.  Oder du hast Mißbrauchsgeschichte hinter dir und so was wird dann bespielt, oder hast nen Immigrationshintergrund und musst dir jeden Tag dumme Sprüche von Menschen die nicht aus deinen Kulturkreis kommen anhören, weil du anderst aussiehst und dich auch zum Teil anders verhälst und dann kommt das noch auf den Spielertisch... oder du bist weiblich und gut in deinen Job und jeder steigt auf nur du nicht, weil du ne Frau bist und die männlichen Mitspieler am Tisch sind da auch sexistisch und halten dich klein dann würde ich mich nicht wohlfühlen in der Spielrunde. Nur weil etwas spannend oder interessant ist, muss es nicht gemacht werden. Ich finde, es geht auch um eine gewisse Moral und auch um Empathie und Respekt den anderen Menschen gegenüber.  Wenn man solch ein Thema behandelt in einem Abenteuer ist mindestes ist so etwas im Vorfeld anzusprechen als Spielleiter darum zu bitten, wenn sich Spieler dabei nicht wohlfühlen es mir zu sagen und wen es im vertrauen ist und das ich in mein Abenteuer die bedenken und auch Wünsche des anderen Einfließen lasse oder wenn es gar nicht geht, das Abenteuer sein zu lassen und sich zu entschuldigen.

Edit: Rechtschreibfehler korregiert
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: arnadil am 25 Jun 2014, 23:40:11
@ JohnLackland:

Ich würde eher davon absehen diese Themenbereiche allgemein zu verbieten, denn Sexismus und Rassismus bieten Konfliktpotential, mit dem man interessante Abenteuer gestalten kann.

RPGnosis hat dazu einen interessanten Artikel (http://rpgnosis.wordpress.com/2014/04/25/was-im-rollenspiel-zu-meiden-ist-und-was-nicht-karneval-der-rollenspielblogs/) geschrieben, in dem er auch lang und breit mit Noldorion in den Kommentaren diskutiert hat.

In gewisser Weise unterstützt du mit deiner Meinung Noldorions Ansicht, dass Rassismus und Sexismus Inhalte sind, die jede Gruppe für sich selbst festlegen muss, während RPGnosis findet, dass in Splittermond gutes Konfliktpotential für interessante Geschichten fehlen, weil alle Rassen zu gut mit einander auskommen.

Als Hintergrund, das ein Land oder eine Bevölkerungsgruppe oder Gegner problematische Ansichten hat und die Helden dagegen vorgehen finde ich in Ordnung. Wenn Abenteuer so gebaut sind das die Helden sexistisch und rassistisch agieren müssen, dann sage ich ganz klar, das gehört nicht für mich in meine Vorstellung von Lorakis und Rollenspiel. Sorry aber ich engagiere mich dafür das so etwas nicht im Alltag existiert, dann will ich das auch nicht am Spieltisch. Was ich auch schwierig finde ist das gesamte Thema sexuelle Gewalt, Dominanz und so weiter. Es gibt genügend Fantasy die mit Gore und Sex spielt, vor allem auch dank HBO & Co gerade sehr in. Die Frage ist aber ob ich es in meiner Spielerrunde will. Ich gebe ganz klar Spielern die Kante die Sexisten und Rassisten spielen wollen, das sind für mich Antogonisten und auch nicht die Regel. Klar ist es spannend mit den Thema zu spielen, es provoziert. Aber wenn du Schwul oder Bisexuell  wärst und es weiß nicht jeder in der Spielrunde und dann kommen homophobe Sprüche da fühlst du dich nicht wohl.  Oder du hast Mißbrauchsgeschichte hinter dir und so was wird dann bespielt, oder hast nen Immigrationshintergrund und musst dir jeden Tag dumme Sprüche von Menschen die nicht aus deinen Kulturkreis kommen anhören, weil du anderst aussiehst und dich auch zum Teil anders verhälst und dann kommt das noch auf den Spielertisch... oder du bist weiblich und gut in deinen Job und jeder steigt auf nur du nicht, weil du ne Frau bist und die männlichen Mitspieler am Tisch sind da auch sexistisch und halten dich klein dann würde ich mich nicht wohlfühlen in der Spielrunde. Nur weil etwas spannend oder interessant ist, muss es nicht gemacht werden. Ich finde, es geht auch um eine gewisse Moral und auch um Empathie und Respekt den anderen Menschen gegenüber.  Wenn man solch ein Thema behandelt in einem Abenteuer ist mindestes ist so etwas im Vorfeld anzusprechen als Spielleiter darum zu bitten, wenn sich Spieler dabei nicht wohlfühlen es mir zu sagen und wen es im vertrauen ist und das ich in mein Abenteuer die bedenken und auch Wünsche des anderen Einfließen lasse oder wenn es gar nicht geht, das Abenteuer sein zu lassen und sich zu entschuldigen.

Edit: Rechtschreibfehler korregiert

Bester Beitrag im Forum! Danke und volle Zustimmung!
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: maratdir am 26 Jun 2014, 01:19:27
Was John sagt.
Habe da aber auch persönlich viel Glück mit meinen Mitspieler*innen. Solche Diskussionen gab es bei uns noch nie, liegt vielleicht an unserer "Gutmenschen" SpliMo Truppe. 2 Schwule (Davon einer mit "Migrationshintergrund"), 1 Hetero und eine Frau...

Bei der ersten SpliMo Runde gab es auch promt eine viertelstündige Lach-Unterbrechung weil der Gnom jemanden so sehr bedrohte dass er "gnomophob" wurde ;)

Numenera soll das Thema ja mit "Love & Sex in the Ninth World" sehr gut bearbeitet haben (Laut Internet Rezis). Finde diesen Part persönlich auch nicht wichtig fürs Spiel. Wenn ich nen Porno haben will gehe ich ins Internet, suche mir auf irgendwelchen Dating Seiten die passenden Partner oder gleich nen Club...

[Edit]In meiner Shadowrun Runde weht trotz Spielerüberschneidungen schon wieder ein ganz anderer Wind, muss am Setting liegen mit den ganzen Nazi-Elfen undso  ::)
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: La Cipolla am 26 Jun 2014, 01:37:57
Shadowrun rückt es ganz bewusst ins Zentrum, ja. Definitiv ein anderes Kaliber, was das angeht.

@Topic: Na ja. Wenn ein ernstes Thema, das mich persönlich betrifft, am Tisch kategorisch ausgeschlossen wird, würde ich mich jetzt auch nicht unbedingt wohlfühlen. :) Vielleicht will ich mich auch gerade damit auseinandersetzen, weil es mich auch im Alltag betrifft. Tabus beschützen ja üblicherweise eher die Leute, die nicht davon betroffen sind, und natürlich alle Betroffenen, die sich ohne böse Blicke und Skepsis zwischen diesen "Nicht-Betroffenen" bewegen wollen.

Rollenspiele sind übrigens auch einwandfreie Übungen im Perspektivwechsel. Wenn jemand ernsthaft einen homosexuellen, homophoben oder was-auch-immer Charakter spielen will, würde ich da als SL entschieden dahinter stehen, genau wie wenn jemand eine Figur mit Charakterzügen spielen will, die so gar nicht den eigenen entspricht. Aber a) es muss irgendwo ernst gemeint sein und darf nicht auf ein Klischee hinauslaufen, und b) die Runde muss irgendwo dazu passen. Klar, wenn man nur lustig Spaß haben will, würde man sich damit eher aufdrängen ... Auch wenn ich persönlich der Meinung bin, dass gerade lockere Spielrunden das größte Potential haben, Tabus entgegenzuwirken und ernste Themen aufzugreifen. Subversion ftw. ;D

Für DAS SPIEL (in diesem Fall also Splittermond) ist das Ganze aber wesentlich schwieriger als für eine einzelne Gruppe. Wenn ein neues, modernes Spiel solche Themen kategorisch ausschließen würde -- und das gab es durchaus in der Geschichte der Rollenspiele -- wäre das für mich ziemlich enttäuschend. Alles andere geht aber klar. Splittermond hat denk ich einen sehr konstruktiven Mittelweg: So wie ich das gesehen habe, hat sich noch niemand über zu viele Tabuthemen beschwert, aber völlig ausgeklammert wird es auch nicht. Vor allem wird nirgendwo etwas Gegenteiliges behauptet, und das ist zentral; dann kann nämlich jede Gruppe ihr eigenes Ding machen.

Ich persönlich sehe halt einen Reiz des Rollenspiels darin, fremde Perspektiven zu erkunden, den Horizont zu erweitern etc. Und das geht besser, wenn es auch mal mit Gewalt an den eigenen Wohlfühlbereich brandet. Aber jedem das Seine! ;)

Ich bin auch gespannt, wie das mit der "Kinderfreundlichkeit" und ähnlichem in späteren Bänden aussieht. Rollenspiele haben da ja eine chronisch gestörte Geschichte, und ich meine hey, das Ding war in der Geolino. :D Glücklicherweise sind wir nicht mehr in den 80ern, ey.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: JohnLackland am 26 Jun 2014, 10:57:28
@Topic: Na ja. Wenn ein ernstes Thema, das mich persönlich betrifft, am Tisch kategorisch ausgeschlossen wird, würde ich mich jetzt auch nicht unbedingt wohlfühlen. :) Vielleicht will ich mich auch gerade damit auseinandersetzen, weil es mich auch im Alltag betrifft. Tabus beschützen ja üblicherweise eher die Leute, die nicht davon betroffen sind, und natürlich alle Betroffenen, die sich ohne böse Blicke und Skepsis zwischen diesen "Nicht-Betroffenen" bewegen wollen.

Kannst du gerne machen, aber Rollenspiel ist in der Regel keine Therapie oder Selbsthilfegruppe, da wird selten was reflektiert und nach den Spiel darüber gesprochen wie es dir in der Situation geht und warum sich jemand unwohlfühlt oder nach Lösungsstrategien gesucht.

Rollenspiele sind übrigens auch einwandfreie Übungen im Perspektivwechsel. Wenn jemand ernsthaft einen homosexuellen, homophoben oder was-auch-immer Charakter spielen will, würde ich da als SL entschieden dahinter stehen, genau wie wenn jemand eine Figur mit Charakterzügen spielen will, die so gar nicht den eigenen entspricht. Aber a) es muss irgendwo ernst gemeint sein und darf nicht auf ein Klischee hinauslaufen, und b) die Runde muss irgendwo dazu passen. Klar, wenn man nur lustig Spaß haben will, würde man sich damit eher aufdrängen ... Auch wenn ich persönlich der Meinung bin, dass gerade lockere Spielrunden das größte Potential haben, Tabus entgegenzuwirken und ernste Themen aufzugreifen. Subversion ftw.

Das geht nur solange gut, wie sich alle am Spieltisch wohlfühlen, ich selbst fühle mich bei homophoben Sprüchen gar nicht wohl, weil es mich betrifft und dann werde ich auch aktiv und zwar OUTTIME. Das hat auch nichts mit Komfortzone, "das darf doch mal gesagt werden" oder ähnlichen Bullshit zu tun, da geht es um mein eigenes erleben und fühlen und wohlfühlen. Ich muss nicht an die Grenzen anderer Menschen gehen, wenn ich an meine eigenen Grenzen gehe, dann ist das was anderes im Rollenspiel aber es sollte trotzdem besprochen werden und sobald sich ein Spieler nicht wohlfühlt sein gelassen.

Für DAS SPIEL (in diesem Fall also Splittermond) ist das Ganze aber wesentlich schwieriger als für eine einzelne Gruppe. Wenn ein neues, modernes Spiel solche Themen kategorisch ausschließen würde -- und das gab es durchaus in der Geschichte der Rollenspiele -- wäre das für mich ziemlich enttäuschend. Alles andere geht aber klar. Splittermond hat denk ich einen sehr konstruktiven Mittelweg: So wie ich das gesehen habe, hat sich noch niemand über zu viele Tabuthemen beschwert, aber völlig ausgeklammert wird es auch nicht. Vor allem wird nirgendwo etwas Gegenteiliges behauptet, und das ist zentral; dann kann nämlich jede Gruppe ihr eigenes Ding machen.

Richtig, ehr das Gegenteil ist der Fall, zwischen den Zeilen liest man eindeutig die Meinung der Autoren und diese ist durchgehend positiv.

Aber es gibt zu wenig normalen Umgang mit Sexualität in einer Gruppe oder Abenteuer. Die meisten Abenteurer sind die tollen Hechte in der Regel, vor allem bei rein männerlastigen Runden. Wenn dann mal ein weiblicher Charakter was mit nen weiblichen Charakter hat, ist das in Ordnung, aber als männlicher... schon schwierig... eventuell der Elf... spielt lieber mal nen schwulen oder bisexuellen Charakter als Heterospieler und versuch dich so mal aus deiner Comfortzone zu bewegen, das ist Rollenspiel. Viele Spielleiter haben viel ehr Probleme homosexuelle und feministitsche Charaktere zuzulassen und das auch anzuspielen und ihnen auch die Möglichkeit zu geben, genau das auszuleben. Kann nen Start sein für nen Comming Out ;-).

Wegen anderen Rollenspielsystemen:
Shadowrun und Rassismus: Rassismus ist in Shadowrun eine Nachteil und hat offiziell negative Auswirkungen. Der Humanice Policeclub ist ein beliebter Gegner, auch die krassen Tir Elfen. Unterdrückte Minderheiten werden positiv bewertet und ihre Organisationen wie der Ork Untergrund, finde das Super. Die Söhne Sourons sind wiederum als Orkrassisten negativ besetzt. Auch werden bestimmte Spielarten von Sexualität eindeutig negativ dargestellt, sage nur Puppets BTLs.

Exalted und Sexismus: Es gibt kein RPG was so sexistisch ist wie Exalted und wenn man eine Drachenblütige Frau spielt mit genau diesen Elementen spielt. Aber Exalted fordert ja ehr auf dieses Schicksal entegen zu tretten und sich zu behaupten, als im Grundtenor sich den Patriachat / Matriachat entgegenzustellen.

Ich bin auch gespannt, wie das mit der "Kinderfreundlichkeit" und ähnlichem in späteren Bänden aussieht. Rollenspiele haben da ja eine chronisch gestörte Geschichte, und ich meine hey, das Ding war in der Geolino. :D Glücklicherweise sind wir nicht mehr in den 80ern, ey.

Ich auch, ich fände es spannend wenn es ein RPG ist, was ich ohne Probleme mit Jugendlichen in nen Jugendclub spielen kann. Gerne Abenteuer mit eindeutiger Altersempfehlung.

Früher gabs mal Aktionen wie Rollenspieler gegen Rassismus und Rollenspieler gegen Gewalt. Das fand ich Super, vielleicht muss man mal nen Preis wieder ausloben. Vielleicht wäre das ne Kategorie für den deutschen Rollenspielpreis.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Noldorion am 26 Jun 2014, 11:05:04
Vielleicht wäre das ne Kategorie für den deutschen Rollenspielpreis.

Das fände ich tatsächlich gar nicht mal uninteressant.

Übrigens danke, John, dass du das ganze mal auch aus der Sicht eines Betroffenen schilderst. Schon bei der RPGnosis-Diskussion habe ich ja darauf hingewiesen, dass ich immer nur spekulieren kann, wie das Leute empfinden, die ernsthaft mit diesen Themen konfrontiert werden.

Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: La Cipolla am 26 Jun 2014, 12:13:02
Klar, sieht letztendlich jeder anders, gerade auch unter den Betroffenen, von welcher "Richtung" her auch immer, das war ja der Punkt. Die Unterhaltung hier hatte gefühlt nur so eine "verweigernde" Atmosphäre (ohne damit jemandem was vorwerfen zu wollen!), da musste ich einfach ein bisschen was dagegen setzen, für das Gesamtbild. ;D

Hab auch meine Portion "Gender Trouble" hinter mir, keine Sorge. ^^

Zitat
Kannst du gerne machen, aber Rollenspiel ist in der Regel keine Therapie oder Selbsthilfegruppe, da wird selten was reflektiert und nach den Spiel darüber gesprochen wie es dir in der Situation geht und warum sich jemand unwohlfühlt oder nach Lösungsstrategien gesucht.

Eben, "kann" ist der Punkt, wie gesagt. Wobei Selbstreflexion meiner Erfahrung nach dann doch öfter stattfindet als es geplant (oder gewollt) ist. Muss ja nicht mal bewusst sein, geschweige denn dass man darüber redet. Es passiert sozusagen viel zwischen den Zeilen.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Nevym am 26 Jun 2014, 17:23:47
Mir geht es hier ganz klar um MEINE persönlichen Erfahrungen und um MEINE persönliche Meinung - damit bin ich als langjähriger Organisator, langjähriger Spielleiter und noch mehr als Spieler immer gut gefahren und hatte immer wieder und in der überwiegenden Mehrzahl tolle, gute, positive Spielrunden erlebt / erleben dürfen - Das vorweg!
@ JohnLackland:

Ich würde eher davon absehen diese Themenbereiche allgemein zu verbieten, denn Sexismus und Rassismus bieten Konfliktpotential, mit dem man interessante Abenteuer gestalten kann.

RPGnosis hat dazu einen interessanten Artikel (http://rpgnosis.wordpress.com/2014/04/25/was-im-rollenspiel-zu-meiden-ist-und-was-nicht-karneval-der-rollenspielblogs/) geschrieben, in dem er auch lang und breit mit Noldorion in den Kommentaren diskutiert hat.

In gewisser Weise unterstützt du mit deiner Meinung Noldorions Ansicht, dass Rassismus und Sexismus Inhalte sind, die jede Gruppe für sich selbst festlegen muss, während RPGnosis findet, dass in Splittermond gutes Konfliktpotential für interessante Geschichten fehlen, weil alle Rassen zu gut mit einander auskommen.
Genialer Artikel. "Thesen und Zusammenfassung" unterschreibe ich fast komplett.

Als Hintergrund, das ein Land oder eine Bevölkerungsgruppe oder Gegner problematische Ansichten hat und die Helden dagegen vorgehen finde ich in Ordnung. Wenn Abenteuer so gebaut sind das die Helden sexistisch und rassistisch agieren müssen, dann sage ich ganz klar, das gehört nicht für mich in meine Vorstellung von Lorakis und Rollenspiel.
Sorry, aber dann läuft was ganz anders schief!
Als SL habe ich nicht für meine SpielerINNEN agiert sondern gegen sie oder ignorant nur für mich!
Als Spieler(in) bin ich ein Opfer eines solchen SL und wenn ich das merke, dann muß - ja ICH MUSS, auch als Vorgeschädigter - in dem Moment aktiv werden und das "Tabu-Thema" benennen, wenn es aufkommt!
Weder der SL noch der/die SpielerINNEN können ahnen was ein "unzumutbares Thema" ist - das Risiko ein solches anzuschneidenkann ich im Vorfeld und durch die gemeinsamen Erfahrungen vieler Spielsitzungen minimieren, aber nicht ausschließen!
Wer also sich "belästigt" fühlt muß genau das ansprechen. Schweigen bedeutet hier Tolerierung bis Zustimmung. Es gibthier keine "unschuldigen Mitläufer" oder so.
Sorry aber ich engagiere mich dafür das so etwas nicht im Alltag existiert, dann will ich das auch nicht am Spieltisch. Was ich auch schwierig finde ist das gesamte Thema sexuelle Gewalt, Dominanz und so weiter. Es gibt genügend Fantasy die mit Gore und Sex spielt, vor allem auch dank HBO & Co gerade sehr in. Die Frage ist aber ob ich es in meiner Spielerrunde will. Ich gebe ganz klar Spielern die Kante die Sexisten und Rassisten spielen wollen, das sind für mich Antogonisten und auch nicht die Regel. Klar ist es spannend mit den Thema zu spielen, es provoziert.
Abgesehen von den mir unbekannten "diskriminierenden" Abkürzungen, die ich (wieder) mühsam entschlüsseln muß ( ;D >:( 8) malselbstdennonpcanprangern) ist das etwas, daß die meiner Meinung nach durch die Phantasy-/Spiel-Welt und die Wünsche der Spielgruppe bestimmt wird. In ShadowRun habe ich nunmal Rassimus - hat sogar ein eigenes Kapitel "Rassimus reloaded".
Aventurien was einmal für mich die absolute "Gut-Charakter-Welt", bei Engel spiele ich eben einen "Engel" und in D&D gibt es nunmal Charaktere die "chaotisch-böse" sind....

Aber wenn du Schwul oder Bisexuell  wärst und es weiß nicht jeder in der Spielrunde und dann kommen homophobe Sprüche da fühlst du dich nicht wohl.  Oder du hast Mißbrauchsgeschichte hinter dir und so was wird dann bespielt, oder hast nen Immigrationshintergrund und musst dir jeden Tag dumme Sprüche von Menschen die nicht aus deinen Kulturkreis kommen anhören, weil du anderst aussiehst und dich auch zum Teil anders verhälst und dann kommt das noch auf den Spielertisch... oder du bist weiblich und gut in deinen Job und jeder steigt auf nur du nicht, weil du ne Frau bist und die männlichen Mitspieler am Tisch sind da auch sexistisch und halten dich klein dann würde ich mich nicht wohlfühlen in der Spielrunde. Nur weil etwas spannend oder interessant ist, muss es nicht gemacht werden.
Oder gerande deswegen!
Ich kenne beide Ausrichtungen - diejenigen, die ihre Reladiskriminirungen auf keinen Fall haben wollen und das genaue Gegenteil, Menschen, die ihr eigenes Potential diskriminiert zu werden im Rollenspiel akzeptieren und ausleben (ich verzichte auf Wertungen, Erklärungen und Interpretationen!)
interessanterweise hatte ich das beste Gruppen- und Spielgefühl bei denen, die ihre Diskriminierungpotetial im Spiel akzeptieren konnten (egal ob real vorhanden oder "nur" an den Charakter gebunden).


Ich finde, es geht auch um eine gewisse Moral und auch um Empathie und Respekt den anderen Menschen gegenüber.  Wenn man solch ein Thema behandelt in einem Abenteuer ist mindestes ist so etwas im Vorfeld anzusprechen als Spielleiter darum zu bitten, wenn sich Spieler dabei nicht wohlfühlen es mir zu sagen und wen es im vertrauen ist und das ich in mein Abenteuer die bedenken und auch Wünsche des anderen Einfließen lasse oder wenn es gar nicht geht, das Abenteuer sein zu lassen und sich zu entschuldigen.
...
Nein, muß man nicht - Meine Meinung!
Aber ich muß mich mit den Mitgliedern meiner Gruppe auseinandersetzen und ich sollte erkennen was in meiner Gruppe möglich ist und was nicht geht, sowal als Spieler wie auch udn umso mehr als Spielleiter!

Ein abgewandelter Satz einer guten Freundin:
Zitat
Der Spielleiter ist der Diener der Spieler!
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: JohnLackland am 26 Jun 2014, 17:56:24
@Nevymn: Nimms mir nicht übel, aber das ist der größte Blödsinn den ich bisher lesen durfte zu den Thema. Bist du betroffen? Wieviel betroffene hast du gesprochen?

Sorry, aber dann läuft was ganz anders schief!
Als SL habe ich nicht für meine SpielerINNEN agiert sondern gegen sie oder ignorant nur für mich!
Als Spieler(in) bin ich ein Opfer eines solchen SL und wenn ich das merke, dann muß - ja ICH MUSS, auch als Vorgeschädigter - in dem Moment aktiv werden und das "Tabu-Thema" benennen, wenn es aufkommt!
Weder der SL noch der/die SpielerINNEN können ahnen was ein "unzumutbares Thema" ist - das Risiko ein solches anzuschneidenkann ich im Vorfeld und durch die gemeinsamen Erfahrungen vieler Spielsitzungen minimieren, aber nicht ausschließen!

Was ist wenn der Spieler es nicht kann, wenn sie / er nicht zu sich stehen kann oder das Trauma so schwer sitzt, das es nicht geht. Nach deiner Theorie ist das Opfer der Täter und die SL fein raus, weil sie keine Verantwortung hat und weil die einzige Aufgabe es ist ach so tolle Geschichten zu schreiben? Das ist genauso wie, "die Frauen die sich sexy anziehen sind selbst dran schuld wenn sie vergewaltig werden, warum machen sie das auch". Das ist die selbe Logik dahinter.

HBO ist ein Fernsehsender, er hat unter anderem True Blood, Game of Thrones und andere Serien rausgebracht, Serien deren Konzept  Gore ( engl. für Blut und Gewalt) und Sex (so explizit wie möglich) ist. Ich stehe übrigens selbst drauf, bin aber 35 Jahre alt und kann das reflektieren was ich da sehe ;-).

Was ist wenn du 15 Jahre alt bist und Anfängst Pen & Paper zu spielen mit deinen Kumpels, auf Jungs stehst und es keinen gesagt hast? Deine Kumpels anfangen schwulenfeindliche Sprüche zu reizen, dann verhält sich meist der jenige der nicht auffallen will am lautesten und machst mit, weil er ja zu der Gruppe dazugehören willst oder du sagst gar nichts aber oft nicht : Hey sorry aber ich finde den Nevym aus der 11a toll und was irh sagt Scheiße. Dazu gehört was und Rollenspieler sind oft ehr die stilleren Typen ;-).

Um was es mir bei der Diskussion geht, ist das ihr mal Eure Machtposition als Spielleiter hinterfragt und auch mal dich dort hineinversetzt was du da präsentierst für eine Handlung und wie es deinen Spielern geht.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Czerewak am 26 Jun 2014, 18:27:23
In gewisser Weise unterstützt du mit deiner Meinung Noldorions Ansicht, dass Rassismus und Sexismus Inhalte sind, die jede Gruppe für sich selbst festlegen muss, während RPGnosis findet, dass in Splittermond gutes Konfliktpotential für interessante Geschichten fehlen, weil alle Rassen zu gut mit einander auskommen.

Entschuldigung, aber wer gutes Konfliktpotential alleine daran misst ob es Rassismus und/oder Sexismus gibt hat einen gewaltigen Knall.  ???
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: SeldomFound am 26 Jun 2014, 19:18:23
In gewisser Weise unterstützt du mit deiner Meinung Noldorions Ansicht, dass Rassismus und Sexismus Inhalte sind, die jede Gruppe für sich selbst festlegen muss, während RPGnosis findet, dass in Splittermond gutes Konfliktpotential für interessante Geschichten fehlen, weil alle Rassen zu gut mit einander auskommen.

Entschuldigung, aber wer gutes Konfliktpotential alleine daran misst ob es Rassmismus und/oder Sexismus gibt hat einen gewaltigen Knall.  ???

Der Gedanke dahinter ist, dass du keine Jean D'arc oder Mulan haben kannst, ohne eine Kultur in der kämpfende Frauen unüblich oder unerwünscht sind und kein Martin Luther King ohne eine Kultur, wo eine Minderheit aufgrund ihres Aussehens/Religion/etc. unterdrückt wird.

Für RPGnosis war es auch vor allem eine Frage der Glaubwürdigkeit: Für ihn erscheint es unrealistisch, dass die Andersartigkeit der Rassen nicht zu Konflikten führt:

Zitat
Fantasy-Welten, in denen es keinen Rassismus gibt, sind – meiner Ansicht nach – wenig plausibel, denn sie verleugnen die offensichtlichste Möglichkeit von in-group/out-group-Kategorisierung in Form extrem prägender körperlicher Merkmale.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Noldorion am 26 Jun 2014, 19:37:16
Das Problem ist, dass man dann zwar dieses eine Konzept ermöglicht - die Auflehnung für eine Minderheit -, aber dafür sehr viele andere Konzepte verbietet.

Das Thema Glaubwürdigkeit ist eine andere Sache. Hier bin ich der Ansicht, dass es sehr schwer ist, bei der völlig anderen Geschichte von Lorakis Rückschlüsse aus der irdischen Geschichte zu ziehen. Bei Game of Thrones ist gar etwas anderes, da das viel näher am irdischen Mittelalter ist.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: maratdir am 26 Jun 2014, 20:23:29
Das Problem ist, dass man dann zwar dieses eine Konzept ermöglicht - die Auflehnung für eine Minderheit -, aber dafür sehr viele andere Konzepte verbietet.
Naja, in dem Kontext sind mir die Keshabid und ihre vermutliche Vorlage aber auch aufgefallen... ;)
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Noldorion am 26 Jun 2014, 20:33:23
Punktuell - und vor allem als Feindbild - gibt es das ja durchaus auf Lorakis, dass ist ja auch gewollt. Es ist nur kein übergreifendes Thema.

(Das mit der Vorlage wurde vor Ewigkeiten schonmal angesprochen - ich glaube, die Ähnlichkeiten sind tatsächlich unabsichtlich. Da müsste sich aber einer der Beteiligten mal äußern.)
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: La Cipolla am 26 Jun 2014, 21:53:39
Leuts, kein Grund für Aggressionen. Es wird nicht mehr viel persönlicher und individueller als sexuelle Orientierung und sowas, und derartige Themen sind immer wahnsinnig aufgeladen. Also lieber nicht von der üblichen "verurteilenden" Stimmung des Alltags mitreißen lassen und stattdessen die ganzen Aussagen als Meinungen lesen, nicht als wertende Statements (solang sie einigermaßen respektvoll formuliert sind). Jeder hat andere Erfahrungen.

Zitat
Bist du betroffen? Wieviel betroffene hast du gesprochen?

Ich finde, damit sollte man auch ein bisschen vorsichtig sein. Die Feminismusbewegung etwa leidet nach vierzig Jahren immer noch stark darunter, dass man in den 60ern streckenweise mal der Meinung war, Männer hätten nichts darin verloren. Dazu kommt, dass gerade in der Nerdszene wohl so ziemlich jeder die verschiedensten Ausgrenzungserfahrungen gemacht hat. Natürlich ist das "alles nicht dasselbe" ... aber dann wiederum hat sowieso JEDER andere Erfahrungen, auch unter den Betroffenen. Was für dich selbstverständlich ist, hat jemand anders komplett gegensätzlich erlebt, auch wenn er "ähnlich" betroffen ist. Empathie kann an der Stelle Wunder wirken, ebenso wie bei der Aufgabe, als "Unbetroffener" Betroffene zu verstehen (und ihre Erfahrungen, so vielfältig sie auch sind, zu akzeptieren).

That being said, ich finde es gut, solche Erfahrungen zu teilen, gerade damit fremde Perspektiven leichter nachzuvollziehen sind, egal ob beteiligt oder nicht. :)

Edit: Okay, vielleicht sollte ich mich selbst dran halten?! ;D Ich hatte bspw. sehr häufig Probleme mit der gern mal überschäumenden "Männlichkeit" in vielen Rollenspielgruppen. Spiel bspw. mal eine Frau, die nicht sofort vom SL in irgendwelche sexuellen Situationen gedrängt oder generell wie Fantasy-Eye-Candy Nr. 3918 behandelt wird. Oder spiel einen Mann, der sich im nächsten Puff nicht auf die Nutten werfen will (Entschuldigung). Das kann je nach Gruppe echt schwierig sein und heftige soziale Sanktionen nach sich ziehen. Ich habe das Gefühl, dass diese nachdrückliche "Männlichkeit" gerade in der Rollenspielszene weeeit verbreitet ist und spare mir dementsprechend mal lieber herabschauende Interpretationsversuche. Das wäre wohl eher destruktiv.
Wie gesagt, nur um mal fremde Perspektiven und Erfahrungen zum Thema Sexualität am Spieltisch zu teilen. :)
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: JohnLackland am 27 Jun 2014, 08:30:59
Leuts, kein Grund für Aggressionen. Es wird nicht mehr viel persönlicher und individueller als sexuelle Orientierung und sowas, und derartige Themen sind immer wahnsinnig aufgeladen. Also lieber nicht von der üblichen "verurteilenden" Stimmung des Alltags mitreißen lassen und stattdessen die ganzen Aussagen als Meinungen lesen, nicht als wertende Statements (solang sie einigermaßen respektvoll formuliert sind). Jeder hat andere Erfahrungen.
Richtig und deshalb kann ich auch mal erwarten, das man versucht die andere Person zu verstehen und sich alle Threads durchzulesen, danach eine Meinung zu bilden. Betrifft nicht dich, sondern andere an der Stelle.

Zitat
Bist du betroffen? Wieviel betroffene hast du gesprochen?
Ich finde, damit sollte man auch ein bisschen vorsichtig sein. Die Feminismusbewegung etwa leidet nach vierzig Jahren immer noch stark darunter, dass man in den 60ern streckenweise mal der Meinung war, Männer hätten nichts darin verloren. Dazu kommt, dass gerade in der Nerdszene wohl so ziemlich jeder die verschiedensten Ausgrenzungserfahrungen gemacht hat. Natürlich ist das "alles nicht dasselbe" ... aber dann wiederum hat sowieso JEDER andere Erfahrungen, auch unter den Betroffenen. Was für dich selbstverständlich ist, hat jemand anders komplett gegensätzlich erlebt, auch wenn er "ähnlich" betroffen ist. Empathie kann an der Stelle Wunder wirken, ebenso wie bei der Aufgabe, als "Unbetroffener" Betroffene zu verstehen (und ihre Erfahrungen, so vielfältig sie auch sind, zu akzeptieren).
Wir leben in einer Mehrheitsgesellschaft, in der Regel hat die Mehrheit Recht nicht die Person die leidet und das Problem hat. Das wird selten gesehn. Wenn ich von Rassismus, Sexismus, Homophobie betroffen bin sind es Dinge die jeden Tag passieren, im Alltag. Die passieren nicht weil meine Mitspieler probleme haben das ich kein weißen, heterosexuellen menschlichen Charakter spiele und das ihre Vorstellung von Männlichkeit und Geschlechterrollen zuwieder läuft. "Genau dieses Bist du betroffen? Wieviel betroffene hast du gesprochen? "ist ein Aufruf Empathisch seine eigene Position zu hinterfragen. Ich habe nichts davon Schubladendenken zu unterstützen, ich finde es selbst ätzend. Ich kenne Menschen die leben nur in ihrer Bubble, das will ich nicht. Jemand der ein "Nerd" Hobby hat, hat andere Ausgrenzungserfahrungen gemacht und sie sind nicht so tiefgreifend und alltäglich, wie jemand der eine andere Hautfarbe hat zum Beispiel. Was du versuchst ist eine Entschuldigung zu finden, die lautet" Ist alles gar nicht so schlimm, jetzt reist Euch doch mal zusammen." Was die Feminismusbewegung betrifft, das war wichtig das sie sagt wir wollen keine Männer, denn sie musste sich selbst erstmal powern und das geht durch gemeinschaft und durch Gemeinschaftserlebnisse und die moderen Femismusbewegung leidet nicht darunter das sie keine Männer einbezieht, das tut sie sehr wohl. Ihr größtes Problem ist, das  viele Männer denken es wurde alles erreicht und auch Frauen und die Chancen nicht gesehn werden und auch die Ungleichheit.

Ich glaube auch das so langsam alles zu diesen Thema gesagt ist, kann mich aber auch deinen Aufruf @La Cipolla nur anschließen:
Empathie kann an der Stelle Wunder wirken, ebenso wie bei der Aufgabe, als "Unbetroffener" Betroffene zu verstehen (und ihre Erfahrungen, so vielfältig sie auch sind, zu akzeptieren).
Das kann ich nur unterschreiben und noch mal den Satz wirken lassen. ;-)
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Nevym am 27 Jun 2014, 11:00:21
@Nevymn: Nimms mir nicht übel, aber das ist der größte Blödsinn den ich bisher lesen durfte zu den Thema. Bist du betroffen? Wieviel betroffene hast du gesprochen?

...
Da habe ich schon vielfachen schlimmeren "Blödsinn" gelesen - und ja ich bin in vielfacher Hhinsicht betroffen, wie ich oben andeutete und kenne viele reale Personen die die genannten Probleme real haben/hatten.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Rataveen am 27 Jun 2014, 14:14:12
Ich glaube auch das so langsam alles zu diesen Thema gesagt ist

Was mir noch auf die Splittermond-Welt bezogen einfällt: ich wünsche mir, dass auch Heterosexualität nicht ständig vorkommt. Also im Sinne von, dass bei der überwältigenden Zahl der NSC einfach offengelassen wird, was für sexuelle Präferenzen die haben. So kann jede Spielrunde bei Bedarf wirklich aus dem Vollen schöpfen. Denn machen wir uns nichts vor: in unserer unperfekten irdischen Welt gilt immer noch "heterosexuell bis zum Beweis des Gegenteils". Und - da bin ich ganz bei JohnLackland - hier darf Lorakis gern mit gutem Beispiel vorangehen  :)
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Nevym am 30 Jun 2014, 17:38:22
@Rataveen:
Das gehört auch nicht (allgemein) in die Beschreibung einer Welt, höchstens mal die Kontinetal üblichen bis regionalen Gepflogenheiten sollten beschrieben sein... Sowas kann generell weggelassen werden, wozu auch?
Nur wenn es Story-bestimmend ist sollte es überhaupt erwähnung finden (Erinnere mich da grad an eine tolle Geschichte, die in einer DS9-Folge aus der 4. Staffel verarbeitet wurde, wenn auch mit anderem Hintergrund). Auf einzelpersonen bezogen gebe ich Dir vollkommen recht - wen kümmerts ! es ist für die Welt Lorakis unerheblich.
Es macht halt aber mitunter "lorakisch", regional wie politisch, geschichtlich usw. auch keinen Sinn in jedem Land die grundsätzliche Gleichberechtigung zu postulieren und zu verfechten oder so. Wo ein Setting Patriarchat vorsieht, da haben numal Frauen wenig bis nicht das sagen. Andersherum sollte die reale Welt mit ihren (real nicht vorhandenen sog. Idealen und "abweichenden Varianzen") vielfältigen Ausprägungen auch nicht um jeden Preis implementiert werden.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Artemis500 am 05 Jul 2014, 20:29:21

Es macht halt aber mitunter "lorakisch", regional wie politisch, geschichtlich usw. auch keinen Sinn in jedem Land die grundsätzliche Gleichberechtigung zu postulieren und zu verfechten oder so. Wo ein Setting Patriarchat vorsieht, da haben numal Frauen wenig bis nicht das sagen.

Und warum sollte das Setting ein Patriarchat vorsehen? Das Setting wächst nicht am Baum, das erfindet jemand.

Davon abgesehen ist es erstaunlich, wie wenig Matriarchate es in Fantasywelten so allgemein gibt. Ich meine solche, in denen Männer nichts zu melden haben. Nicht so etwas weichgespültes wie Aranien in DSA.

Mein Vorschlag: Pro Patriarchat ein genauso prominentes und genauso unterdrückerisches Matriarchat das nicht! als böse hingestellt wird. (Die Drow in D&D sind ein schlechter Witz.)

Das sorgt dann nämlich schon dafür, dass sich dieser Unfug in gesunden Grenzen hält.  ;)

Ich habe schlechte Erfahrungen mit einem Spielleiter gemacht, der sich geweigert hat, die Gleichberechtigung des aventurischen Settings umzusetzen, und die SC absichtlich häufig in die wenigen in DSA vorhandenen patriarchalen Gesellschaften geschickt hat, um seine kruden Geschlechterbilder propagieren zu können. 

Natürlich kann kein Regelwerk einen schlechten Spielleiter völlig ausgleichen, aber ein Land in dem zur Abwechslung mal Männer unterdrückt werden, und zwar richtig, würde so manchen vielleicht dazu bewegen mal etwas Denkarbeit zu leisten, wie unangenehm es erst sein muss, beim Spielen so eingeschränkt sein, wenn man das in der realen Welt auch schon die ganze Zeit hat. 
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Czerewak am 06 Jul 2014, 14:26:16
Hat mein Spielleiter einmal gemacht, also ein sexistisches Matriarchat-Setting erstellt und einige Runden geleitet. Zwei männliche Spieler, die sich sonst immer für Sexismus und diskriminierung in Settings einsetzten (Mit den üblichen Argumenten, sei glaubwürdiger, Konfliktpotential, blablabla), fanden es plötzlich doof, einschränkend und garnicht toll, obwohl es eigentlich genau ihren Wünschen entsprechen sollte.  ;D
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Nevym am 07 Jul 2014, 13:55:50
30 Jahre Charakterdarstellung und Spielleitung zeigen, es packen gerade die "Damen" nicht, wenn man(n) sie ein wenig hofiert und sie zu "gleichberechtigtem " Handeln herausfordert oder (ihnen) eine weibliche, starke Figur präsentiert ...

Bzgl. MitSpielerINNEn:
Gegengeschlechtliche Darstellungen von Charakteren kommen bei Spielern schon idR gar nicht gut rüber, bei Spielerinnen ist es noch schlimmer - das sind dann nicht mal mehr Karrikaturen von männlichen Charakteren, höchsten "Geschlechtslose" Irgendwas-Wesen....
Die Drow sind ein gutes Beispiel. Die beste DrowMistreß die ich kenne ist ein toller Mensch,
Sorry but you are not allowed to view spoiler contents.
Und auch meine eigenen weiblichen Chars bringen idR die Spieler aus der Fassung und gefallen den (zugegeben) wenigen Spielerinnen (aber es gibt halt auch so wenige davon!)
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Artemis500 am 07 Jul 2014, 17:45:46
Hat mein Spielleiter einmal gemacht, also ein sexistisches Matriarchat-Setting erstellt und einige Runden geleitet. Zwei männliche Spieler, die sich sonst immer für Sexismus und diskriminierung in Settings einsetzten (Mit den üblichen Argumenten, sei glaubwürdiger, Konfliktpotential, blablabla), fanden es plötzlich doof, einschränkend und garnicht toll, obwohl es eigentlich genau ihren Wünschen entsprechen sollte.  ;D

 ;D
Herrlich. War danach dann Ruhe?

@Nevymn: Ich will nicht "hofiert" werden, oder eine starke weibliche Figur vorgesetzt bekommen, ich will eine gleichberechtigte Welt. Und so eine Welt zeichnet sich nicht durch "starke, emanzipierte Frauen" aus, sondern dadurch, dass eine völlig unbemerkenswerte Frau alles erreichen kann, was ein ähnlich gewöhnlicher Mann erreichen könnte.
Beispiel: Die Torwache, die nach dem Woher und Wohin der Gruppe fragt ist mit 50% Wahrscheinlichkeit weiblich.

Die Drow sind ein gutes Beispiel dafür, wie man es nicht macht.  Und ich glaub dir sofort, dass die eine Person die Drow spielen wollte leider das falsche Geschlecht hatte ...
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Nevym am 08 Jul 2014, 09:53:29
Was "Emanzipation" in den 80ern [nicht] bedeutet hat, sehe ich heute an meinen lieben, netten Kolleginnen....
Und den Rest hast Du voll klassisch [miß-]verstanden, wie frau/man es anders in unserer Gesellschaft auch nicht erwarten kann...

Ein jeder von uns trägt die reale Welt mit in die Spielwelten. Und jeder der einigermaßen ehrlich zu sich ist, wünscht sich in den Spielwelten "Idealtypische Verhältnisse", wie es seinen Träumen entspricht. Einige Welten bilden diese Wünsche und Vorstellungen teilweise ab - aber sie werden immer noch von den realen Männern und den wenigen Frauen bespielt und benutzt und damit mißbraucht!
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Belzhorash am 08 Jul 2014, 09:55:21
gelöscht
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Quendan am 08 Jul 2014, 10:12:06
So, ich bremse hier dann mal wieder: Bitte diskutiert hier nicht allgemein über Gleichberechtigung oder ähnliches, sondern nur in Bezug auf Lorakis. Alles ansere sorgt, wenn ich mir das so ansehe hier, nur zu Streit.

Gleichberechtigung ist auch heute trotz aller Erfolge der Vergangenheit noch ein wichtiges gesellschaftliches Thema (bei dem abwertende Anführungszeichen fehl am Platze sind). Aber für allgemeine Diskussionen dazu gibt es im Internet andere Foren.

Gesendet von meinem GT-I8160P mit Tapatalk 2

Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Andreas (RPGnosis) am 08 Jul 2014, 17:35:39
Ich will mich hier nicht mehr inhaltlich äußern dazu, nur eine Frage in den Raum stellen, die mir auch gern per PM beantwortet werden kann, wenn jemand eine Antwort hat.
Was ich nicht begreife, ist Folgendes: die Gleichberechtigungssache wird ja meist von Menschen vertreten, die dieses Beispiel, Argument oder eigene Erfahrung anbringen:
Sorry aber ich engagiere mich dafür das so etwas nicht im Alltag existiert, dann will ich das auch nicht am Spieltisch.
Ich engagiere mich auch dafür (selten auf Demos, aber im persönlichen Bereich), dass im Alltag keine Gewalthandlungen existieren, aber auch möglichst wenig Lügen und anderes Unrecht. Trotzdem möchte ich solche Themen im Rollenspiel haben und sie sogar ab und an als Möglichkeit zur Konfliktlösung im Raum stehen. Es kann ja durchaus auch Leute geben, die z.B. anstatt von sexueller Diskriminierung durch körperliche Gewalterlebnisse traumatisiert wurden. Trotzdem würde niemand verlangen, Gewalt in Rollenspielen zu einem Tabu-Thema zu machen.
Was also macht Diskriminierung zu einem so eigenständigen Thema, dass man es zwangsläufig so viel anders behandeln muss, als andere gesellschaftliche Tabus wie z.B. physische Gewalt (oder Sklaverei, Prostitution, Kinderarbeit etc.)? Und nein, "weil es ständig im wirklichen Leben vorkommt!" ist kein Argument, das tut Gewalt (und anderes) nämlich auch, von der Ohrfeige bis zu Kriegseinsätzen...
Der einzige Grund, den ich sehen kann, ist der, dass Diskriminierung dieser Form vielleicht schon mehr Leute persönlich betroffen hat als z.B. Gewalt oder Menschenhandel - aber: dann ist das Ganze nach wie vor doch nur ein ganz subjektives, persönliches Tabuthema, und kein Grund, Anderen, die solche Themen im Spiel gut finden, schlimme Dinge zu unterstellen oder sie als weniger reif, aufgeklärt oder emanzipiert zu betrachten.
Das soll wie gesagt kein persönlicher Angriff gegen irgendjemanden sein, und wenn ein Moderator es für richtig erachtet, kann er diesen Beitrag auch gern löschen - mir geht es nur um das Interesse an einer nachvollziehbaren Begründung, die nicht auf persönlichen Ansichten fußt und verallgemeinerbar ist.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Artemis500 am 08 Jul 2014, 17:54:25
Ich finde Gewalt in Rollenspielen aus dem Grund unterhaltsam, dass ich sie im realen Leben so gut wie nie erlebe. Ja, es GIBT sie, aber ich laufe nicht durch die Straßen und fürchte mich davor, dass hinter der nächsten Ecke eine Zwergin mit Streitaxt darauf wartet, mich einen Kopf kürzer zu machen.

Sexistische Diskriminierung existiert nicht nur, Frauen sind, wie du dir denken kannst, direkt von ihr betroffen. Die ganze Zeit über. (Ich bin eine Frau. Glaubs mir einfach. Ich will das auch nicht diskutieren.)

Von Frauen zu verlangen, dass sie Frauen in einer sexistischen Gesellschaft spielen, ist wie von Schwarzen zu erwarten, dass sie in einem historischen Südstaaten-Setting Sklaven spielen. Oder Cross-Race spielen und Weiße darstellen, die es völlig okay finden, Schwarze zu versklaven.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Noldorion am 08 Jul 2014, 18:05:09
Andreas, ich verweise hierzu nochmal auf deinen Blogbeitrag (http://rpgnosis.wordpress.com/2014/04/25/was-im-rollenspiel-zu-meiden-ist-und-was-nicht-karneval-der-rollenspielblogs/) und vor allem die Kommentare dazu. Da haben wir das Thema ja schon ausführlich diskutiert, auch wenn wir nicht auf einen gemeinsamen Nenner kamen. Ich bin weiterhin der Ansicht, dass du mit zweierlei Maß misst, wenn du Leute kritisierst, die davon persönlich betroffen sind und daher nicht wollen, dass das in einem Rollenspiel vorkommt, aber nicht die Leute kritisierst, die das in einem Rollenspiel haben wollen, auch wenn diese Themen anderen unangenehm sind.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Andreas (RPGnosis) am 08 Jul 2014, 18:15:33
Ich finde Gewalt in Rollenspielen aus dem Grund unterhaltsam, dass ich sie im realen Leben so gut wie nie erlebe.
Aber das macht Gewalt doch nicht legitim - mit der gleichen Logik könnte man begründen, dass es für einen Mann unterhaltsam ist, im Rollenspiel Frauen zu diskriminieren, weil er das im wirklichen Leben nicht tut (oder, stärker, weil es in einem sozialen Geflecht lebt, in dem keine Diskriminierung vorkommt) - oder so gut wie nie - oder im qua seines Geschlechts auch nur die Möglichkeit fehlt, diese Erfahrung zu machen. Wie übrigens auch andersherum bei Männer-Tabus für Frauen.

@ Noldorion: Ich möchte an dieser Stelle noch einmal betonen: ich kritisiere niemanden. Ich sehe gute Argumente für beide Positionen (pro und contra Diskriminierung im Rollenspiel) und würde von keiner vertretenen Position einen Schluss auf die Person des Argumentators ziehen. Ich habe aus den Debatten um dieses Thema durchaus auch etwas gelernt - in unserer Blogdiskussion wurde es ja sehr inhaltlich, hier ziele ich mit der Frage auf etwas anderes ab: mir geht es hier darum, ob man die Tatsache, dass Diskriminierung eine Sonderrolle unter den Tabuthemen erhält, konsistent und verallgemeinerbar - das heißt, ohne Rückgriff auf Diskrminierung als persönliches Tabuthema wegen eigener Lebenserfahrungen - begründen kann; mir fällt das nämlich sehr schwer bzw. scheint mir kaum möglich zu sein. Und zwar das alles aus reinem Interesse an Gründen und Begründungen ganz allgemein (Berufskrankheit), völlig unabhängig davon, ob ich jetzt eher pro oder contra Vorhandensein von Diskriminierung in Rollenspielen bin.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Noldorion am 08 Jul 2014, 18:31:39
Aber die Begründung - nämlich die, dass deutlich größere Teile der Spielerschaft von Diskriminierung wesentlich stärker persönlich betroffen sind als von den anderen Tabuthemen - hast du ja nicht wirklich als Grund, es aus dem Rollenspiel herauszulassen, akzeptiert. Was soll man denn dann noch begründen?
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: arnadil am 08 Jul 2014, 18:48:55
Ein weiteres sehr zentrales Argument für die Legitimität der Unterscheidung von bloßer Gewalt und Diskriminierung ist die identitätsstiftende Wirkung typischer Diskriminierungsmerkmale. Es wird eben nicht einfach Frau X, Schwuler Y oder Schwarze Z gedemütigt, sondern sie/er wird es aufgrund von Gruppenzugehörigkeitsmerkmalen. Diese Merkmale werden möglicherweise von manchen am Spieltisch geteilt. Oder bauen jedenfalls Klischeebilder auf, die den tatsächlichen Alltag der Spieler*Innen betreffen.
Bei Gewalt ist das prima facie anders: Sie ist ein Mittel zu anderen Zwecken und als solches unabhängig von Identitätsmerkmalen. Sie wirft moralische Probleme auf, betrifft aber nicht, wenn man so will, unsere Würde im Sinne unserer Selbstachtung und unserer authentischen Identitätsbildung. (Es sei denn, es sind sehr einschneidende Gewalterlebnisse (häufig sexueller Natur), die ja auch ausdrücklich genannt wurden.)

Und in der Tat: Wenn auch nur der geringste Anlass besteht, zu vermuten, dass jemand am Spieltisch ein Problem mit exzessiven Gewaltdarstellungen hat, dann sollte die Gruppe darauf sensibel reagieren. (Wie hatten das Beispiel mal mit Folter - ohne persönliche Betroffenheit, aber einfach mit einer extremen Sensibilität bei diesem Thema.)

Nebenbei erwähnt sei mal, dass es natürlich nicht verkehrt wäre, über die Rolle von Gewalt in Rollenspielen mal zu diskutieren. Natürlich hat man mit Orks, Dämonen und Co. Wesen, die nicht in unsere moralischen Schutzkategorien fallen (weil sie einfach böse sind und somit eine Art durchgehender Notwehrlage gegeben ist oder sie einfach gar nicht die moralisch relevanten Eigenschaften mitbringen). Aber in anderen Fällen ist das natürlich nicht von der Hand zu weisen, dass die Rollenspielcommunity sich damit mal befassen sollte. (Selbiges gilt i.Ü. auch für die meiner Erfahrung nach nicht selten anzutreffende Verbindung von Armut mit Dummheit, die gerade in einer ständischen Welt umso fragwürdiger ist, als sie es ohnehin schon ist.)

Es ist jedenfalls kein Gegenbeispiel, denn es gilt der Grundsatz "Keine Gleichheit im Unrecht"; soll heißen: nur weil wir möglicherweise Gewalt problematisch behandeln im Rollenspiel, öffnet das nicht Tür und Tor für alle anderen Problembereiche.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Andreas (RPGnosis) am 08 Jul 2014, 19:07:08
@ Noldorion: Das Problem ist, dass genau dieses Argument kaum jemand bringt - das wäre natürlich vollkommen legitim, aber eben als persönliches Tabu mit Bedeutung primär für die eigene Spielrunde. Denn dass der wesentliche Anteil der Spielerschaft bereits Diskriminierung aufgrund ihres Geschlechts oder gar ihrer sexuellen Ausrichtung ausgesetzt waren und darunter so sehr leiden, dass das für sie zum persönlichen Tabu wird, das halte ich einfach für eine stark überzeichnete Behauptung. Zumal, dem Geschlechterverhältnis der Rollenspieler entsprechend, ja auch deutlich mehr Männer als Frauen (behaupte ich jetzt einfach mal, wäre aufgrund der Geschlechterverteilung der Spielerschaft ja naheliegend) vehement gegen Diskriminierung im Rollenspiel eintreten.

Ich halte es z.B. für wesentlich wahrscheinlicher, dass die Mehrheit der Rollenspieler (Geschlecht und allgemeinen Coolnessfaktor von Nerds zu Jugendzeiten beachten) vermutlich deutlich häufiger schon Diskriminierungen aufgrund ihrer Kleiderwahl, Gewicht, Interessen etc. ausgesetzt waren als z.B. aufgrund ihrer sexuellen Orientierung - trotzdem tritt niemand dafür ein, dass künftig in Rollenspielpublikationen vor allem schlecht angezogene, übergewichtige Typen mit abwegigen Interessen präsentiert (oder Ausgrenzung genau wegen solcher Faktoren aus der Spielwelt verbannt) werden soll. Ja, das ist ein übles Klischee, aber ich stelle mich auch in die Ecke der Leute, denen das schon passiert ist.

Es geht aber eben in dieser und ähnlichen Diskussionen nicht um Diskriminierung allgemein, sondern fast ausschließlich um Geschlecht (und zwar ausschließlich weiblich, mit männerdiskriminierenden Amazonen hat keine Hintergrundwelt ein Problem), sexuelle Orientierung (warum ist die in einem abenteuerlichen Rollenspiel überhaupt thematisierenswert?) und/oder Rassismus.
Mein Problem mit dieser Argumentation ist, dass Diskriminierung geschlechtsspezifischer Art oder aufgrund der sexuellen Ausrichtung (Rassismus kann man aufgrund der deutschen Vergangenheit guten Gewissens aus dieser Diskussion rauslassen) als ein Sonderfall von Tabuthema behandelt wird, während anscheinend niemand ein Problem mit anderen Tabuthemen wie genannter Gewalt undsoweiter hat, obwohl die "Auswirkungen" derselben potentiell wesentlich schlimmere Folgen für die Betroffenen haben können. Wie gesagt, geschlechtliche Diskriminierung als persönliches Tabuthema ist für mich vollkommen nachvollziehbar, aber ich bin nicht der Ansicht, dass man diese bevorzugt im Rollenspiel nach aktueller politischer Korrektheit behandeln muss.

Denn das wirft die Folgefrage auf, inwiefern Rollenspiele eine pädagogische Funktion oder Fantasiewelten zwingend Vorbildcharakter haben müssen. Was auch spannend wäre, und vielleicht die eigentliche Frage ist, die zuvor gestellt werden sollte, bevor man über geschlechtliche Diskriminierung als Detailfall spricht.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Noldorion am 08 Jul 2014, 19:11:13
Was ich nicht verstehe, ist: Wieso glaubst du, dass deine persönliche Vorliebe, dass du so etwas als spannendes Thema in einer Rollenspielwelt erachtest, wichtiger ist als das persönliche Tabu von Personen, die persönlich davon betroffen sind? Und falls du nicht der Ansicht bist, dass das so ist: Wieso verwundert es dich dann, dass wir an dieser Stelle die Entscheidung treffen, lieber das persönliche Tabu einer Gruppe von Personen zu achten (die wir als groß genug betrachten, dass es relevant ist - Zahlen können wir ebenso wenig bieten wie du für deine Annahmen) als die persönlichen Vorlieben einer anderen Gruppe, die das in der Spielwelt gerne thematisiert sehen würde?
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Andreas (RPGnosis) am 08 Jul 2014, 19:26:17
@ Arnadil: Guter Einwand mit den identitätsstiftenden Funktionen von Diskriminierung - das geht in die Richtung, auf die ich auch im Artikel hinauswollte. Diskriminierung aller Art, vor allem von offensichtlichen Merkmalen wie Hautfarbe, Geschlecht oder Rasse (im Fantasy-Sinne), aber auch von Dingen wie Nationalität oder auch nur Musikgeschmack ist ein sehr basales, sozialpsychologisches und soziobiologisches Phänomen. Darauf wollte ich in meinem Blogbeitrag mit dem Begriff der Plausibilität und Glaubwürdigkeit hinaus. Wenn es solches auf Lorakis nicht gibt, erachte ich persönlich das als eine Plausibilitätslücke, wenn man davon ausgehen soll, dass Menschen (und andere Rassen) dort im Grunde genauso denken wie hier.

EDIT: @ Noldorion: Das habe ich nicht behauptet, sondern das Gegenteil: für jeden, der persönlich von einem Tabu betroffen ist, hat dieses natürlich völlige Priorität für das eigene Rollenspiel und alle die mitspielen! Aber: ich möchte wissen, warum man aus persönlichen Tabus der einen Art (z.B. sexueller Diskriminierung) ein großes Thema macht, aus anderen (z.B. Gewalt, mit der auch viele Erfahrungen haben könnten) aber nicht. Es geht nicht darum, ob ich diese Themen im Rollenspiel haben will oder nicht - sondern darum, wie man diese begründet. Denn "es könnte auf bestimmte Spieler zutreffen" ist kein Argument, das man nicht auch auf ein Dutzend anderer Tabuthemen anwenden könnte.
Nochmal: ich möchte da kein "negatives" Urteil über die Gestaltung von Lorakis abgeben, weil man sich hier für politische Korrektheit entschieden hat - das ist euere gutes Recht als Autoren. Und es muss mir deswegen auch nicht unterstellt werden, dass ich hier nur meine persönlichen Vorlieben vertreten würde. Inhaltlich haben wir uns im Blog ja ausgetauscht und haben hier einfach unterschiedliche Positionen.
Aber ich glaube auch, dass man mit der fortlaufenden Thematisierung von z.B. sexueller Diskriminierung der Sache als solcher einen Bärendienst erweist und das Nicht-Thematisieren vielleicht manchmal die bessere Alternative wäre. In der Psychologie kennt man beispielsweise den "Rebound-Effekt": wenn man versucht, bestimmte Gedanken (etwa diskriminierender Art) zu unterdrücken, werden diese Gedanken verfügbarer und treten häufiger auf, als wenn sie gar nicht erst erwähnt werden. Ich kann mir vorstellen, dass es einen ähnlichen Effekt auch auf Gruppenebene und in Gesellschaften geben kann, und dass sich dieser negativ auswirkt in der Form, dass er neue Lösungsansätze möglicherweise behindert.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: sirbs am 08 Jul 2014, 20:23:38
Aber: ich möchte wissen, warum man aus persönlichen Tabus der einen Art (z.B. sexueller Diskriminierung) ein großes Thema macht, aus anderen (z.B. Gewalt, mit der auch viele Erfahrungen haben könnten) aber nicht.

Ich vermute, dass viele Spieler P&P-Spiele spielen, um zu kämpfen. Es wird erwartet und macht ihnen Spaß. Kaum ein Spieler wird P&P-Spiele spielen, um NSCs (und SCs) wegen bestimmter Merkmale zu diskriminieren. Hochgestochen, verallgemeinernd und vermutend: Selbstselektion wird dazu führen, dass kein Spieler mit einem Problem mit Gewalt ein P&P spielen wird. Spieler mit Problemen im Bereich Diskriminierung hält davon hingegen erst einmal nichts ab, da Diskriminierung im P&P einfach nicht der Erwartungshaltung entspricht.

Damit wäre die Strategie der Autoren sinnvoll.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: arnadil am 08 Jul 2014, 21:46:44
@ Arnadil: Guter Einwand mit den identitätsstiftenden Funktionen von Diskriminierung - das geht in die Richtung, auf die ich auch im Artikel hinauswollte. Diskriminierung aller Art, vor allem von offensichtlichen Merkmalen wie Hautfarbe, Geschlecht oder Rasse (im Fantasy-Sinne), aber auch von Dingen wie Nationalität oder auch nur Musikgeschmack ist ein sehr basales, sozialpsychologisches und soziobiologisches Phänomen. Darauf wollte ich in meinem Blogbeitrag mit dem Begriff der Plausibilität und Glaubwürdigkeit hinaus. Wenn es solches auf Lorakis nicht gibt, erachte ich persönlich das als eine Plausibilitätslücke, wenn man davon ausgehen soll, dass Menschen (und andere Rassen) dort im Grunde genauso denken wie hier.

Ob das eine Plausibilitätslücke ist, wage ich zu bezweifeln. Selbst Theoretiker der Abgrenzung nach außen zur Selbstvergewisserung (Hegel und Co.) würden wohl nicht sagen, dass es diese Merkmale sein müssen. Abgrenzung gibt es ja, nämlich über fiktive (und dadurch niemanden in der Realität angreifende) Staaten, Glaubensrichtungen etc.
Also selbst wenn man diese Idee der notwendigen Abgrenzung zur Identitätsbildung unterschreiben will (ich habe meine Zweifel, ob das wirklich notwendige Plausibilitätsvoraussetzung ist und nicht eher historisch-faktisches Phänomen), gibt es solche Merkmale - aber eben unproblematischere.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Andreas (RPGnosis) am 08 Jul 2014, 22:06:38
Hegel ist für diese Sache etwas zu alt (der ging ja auch von einer steten Vervollkommnung von Gesellschaft und Menschheit aus - eine These, die spätestens seit den Weltkriegen wohl keiner mehr vertritt); da sollte man lieber auf halbwegs zeitgenössische psychologische Studien blicken, wie leicht sich Gruppenbewusstsein und Ausgrenzung erzeugen und hochschaukeln lassen, siehe z.B. das Ferienlager-Experiment von Serif oder die Third Wave.

EDIT: Ich glaube nicht, dass Diskriminierung "notwendig" zur Identitätsbildung ist, aber sie ist sicher ein einfacher, verbreiteter und effektiver Weg - und damit evolutionär stabil.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: arnadil am 08 Jul 2014, 22:23:54
Das Problem an psychologischen (und generell naturwissenschaftlichen) Studien in einer solchen Diskussion ist, dass sie eben keine Denknotwendigkeit abbilden, sondern lediglich kontingente ERfahrungswerte... die dadurch natürlich nicht herabgewürdigt werden sollen.
Hegel scheint mir da keineswegs zu alt. Gute Philosophie veraltet nicht und er wird bis heute von großen Theoretikern, die die Abgrenzungsthese stützen würden, rezipiert (Taylor, Schmitt, Fukuyama). Und das sage ich als Hegelkritiker.  ;)

Aber das ist ja auch nicht der Punkt.

Auch Serif hat, wenn ich das richtig sehe (nicht mein Spezialgebiet), nicht behauptet, dass man spezifische Abgrenzungsmerkmale (Rasse, Geschlecht etc.) benötigt. Und mir scheint, dass man das auch unmöglich experimentell nachweisen kann, weil es keine denkbare Datenmenge jenseits spezifischer sozialer und historischer Verhältnisse gibt.
Was er zeigt, ist, dass sich einmal etablierte Abgrenzungen nicht gerade einfach abbauen lassen (und vielleicht auch, dass sie leicht und schnell zwischen eher willkürlich gebildeten Gruppen entstehen). Das sagt nichts darüber aus, welche Merkmale dazu dienen. Also können Staatsangehörigkeit, Glaube, Heimatdorf, Beruf, Opposition gegen/Sklaverei unter Drachlinge(n) etc. auch valide Abgrenzungskriterien sein.
Mehr noch: Serifs Experiment scheint mir doch zu zeigen, dass diese Gruppen willkürlich gebildet werden (können) und nicht die von dir geforderten Merkmale benötigen, oder? (Es waren ja gerade keine Gruppen nach Herkunft, Geschlecht oder derlei.)

Also würde es nicht sogar zu Serifs Experiment gut passen, dass sich die verschiedenen Völker in ihrem Schicksal unter den Drachlingen und dem gemeinsamen Wiederaufbau als gemeinsamer Aufgabe zusammengerauft haben und dadurch viele Unterschiede irrelevant wurden? Man nehme als Vergleich Europa: Man hat eine gemeinsame Aufgabe gesehen und dadurch uralte Vorbehalte (tendenziell) abgebaut. Das scheint mir den Ergebnissen von Serif sogar zu entsprechen.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Belzhorash am 08 Jul 2014, 22:37:14
In welcher Region von Lorakis hat Hegel denn gelebt?
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: arnadil am 08 Jul 2014, 22:40:40
Das ist ja nicht von Belang für die Frage der Plausibilität einer Welt, aber im Zweifel sollten wir ihn in Selenia ansiedeln.  ;)

@ Andreas: Ich hatte dein Edit übersehen. Daher ein Nachtrag: Das teile ich zu 100%. Aber wenn es nicht notwendig ist, ist es eben auch keine Plausibilitätsvoraussetzung, sondern lediglich ein Indiz, auf das man aus guten Gründen (und die hat die Redax ja) verzichten kann. Oder verstehe ich dich/das falsch?
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Belzhorash am 08 Jul 2014, 22:50:51
Schade, dass du meinen Wink nicht verstanden hast.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: arnadil am 08 Jul 2014, 22:52:26
Ich denke, dass ich ihn verstanden habe, hielt ihn aber für unpassend. Aber vielleicht klärst du mich auf. Es besteht ja Hoffnung, dass ich ihn falsch verstanden habe.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Belzhorash am 08 Jul 2014, 23:02:00
Ich denke, dass ich ihn verstanden habe, hielt ihn aber für unpassend. Aber vielleicht klärst du mich auf. Es besteht ja Hoffnung, dass ich ihn falsch verstanden habe.
Ich suche bei euren Beiträgen fast verzweifelt nach einer Relevanz für Lorakis, insbesondere im Bezug auf Sexismus und Homophobie.
Aber vielleicht kannst du mich ja aufklären.
http://forum.splittermond.de/index.php?topic=1634.msg32194.msg#32194
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: arnadil am 08 Jul 2014, 23:08:01
Dann habe ich es (jedenfalls größtenteils) richtig verstanden.

Ich erkläre die Relevanz, die ich da sehe, gerne, weil ich eigentlich ebenfalls ein Freund davon bin, Diskussionen beim Thema zu belassen: Falls Andreas Recht hat und eine Welt ohne Diskriminierung anhand gewisser Merkmale (Volk, Geschlecht etc.) nicht plausibel ist, dann trifft das Lorakis unmittelbar. Und eine solche (gut vorgebrachte) Kritik an der Welt sollte man meines Erachtens nicht einfach ignorieren in einem Forum zu dieser Welt, sondern die Kritik auf ihre Überzeugungskraft hin überprüfen.
Mich jedenfalls interessiert es, ob die Welt unplausibel ist.

Aber falls das vielen hier so geht, können Andreas und ich das gerne auch per PN klären. Ich will niemanden stören!
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Belzhorash am 08 Jul 2014, 23:14:40
Danke für die Erklärung.
Vielleicht kann ja ein Moderator die Diskussion einfach abspalten. Es wäre imho auch nicht sinnhaft, dies einfach zu ignorieren und die Diskussion zu beenden.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Andreas (RPGnosis) am 09 Jul 2014, 09:52:20
Entschuldige, Belzhorash, diese kurze Antwort will ich noch bringen.
Arnadil, das sind gute Punkte, und vor allem der mit den Drachlingen scheint mir interessant. Und auch beinahe einleuchtend - Aber: wenn dem so wäre, dass die Bewohner von Lorakis aufgrund der gemeinsamen Geschichte als Sklavenvölker zusammengeschweißt wurden, dann sollten doch auch Diskriminierungsmerkmale wegfallen, die noch viel weniger offensichtlich als z.B. die Rasse sind; beispielsweise Standesunterschiede, Nationalitäten oder kultureller Art. Es sollte dann also auch keinen Streit unter den Lorakiern wegen dieser Dinge geben, allerdings - Spekulation - könnte ich mir vorstellen, dass, im Streitfall, genau auf solches gepocht wird, und es funktioniert. Gäbe es einen Krieg zwischen Wintholt und Selenia (oder gar zwischen Selenia und Takasadu, wo auch die Kulturen noch unterschiedlicher sind), würden zur Motivierung der Milizen, Zwangsverpflichteten und Soldaten, vielleicht aber auch beim Adel als Argument gegen diejenigen, die nicht mitziehen wollen, von Patriotismus, Vaterland und Verteidung des eigenen way of life (überspitzt gesagt) gesprochen werden.
Gerade in Standesgesellschaften sind solche abstrakteren Abgrenzungsmerkmale wichtig, um die inneren Spannungen - z.B. wegen Ungleichverteilung von Reichtum und Macht - im Zaum zu halten. Das ist mAn einer der wesentlichen Gründe für Diskriminierung - sie stabilisiert Gruppen und ist umso wichtiger, je heterogener diese sind.
Auf Lorakis wird ja, wenn ich das richtig mitbekommen habe, durchaus die eigene Kultur, das eigene Reich etc. hochgehalten, aber die viel offensichtlicheren Merkmale, anhand derer diskriminiert werden könnte - z.B., weil da eine Handvoll Typen im Dorf wohnen, die Reißzähne und Fell haben, oder winzig und gehörnt sind - wurden ausgeklammert.
Gäbe es generell keine Diskriminierung auf Lorakis, z.B. wegen erwähnter gemeinsamer Drachlings-Vergangenheit, sollten auch sonst alle versuchen, in Frieden und Harmonie zu leben, aber das wäre wahrscheinlich langfristig doch eher langweilig...
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: 4 Port USB Hub am 09 Jul 2014, 10:02:54
Ich denke nicht dass Lorakis schon an dem Punkt angelangt ist, wo sich das Verständnis vom "Nationalstaat" entwickelt hat und "Vaterland" schon in dem Sinne verwendet wurde, wie wir es heute kennen.

Lorakis ist eine komplett andere Welt als die irdische, und mich verwundert etwas, dass du dir so große Sorgen machst, welchen Einfluss die Abwesenheit von Diskriminierung auf die Gesellschaft haben könnte, wenn es doch andere Faktoren gibt die einen wesentlich gravierenderen Unterschied zum hiesigen Leben darstellen, wie z.b. die Tatsache dass jeder Bewohner die Fähigkeit hat, zu Zaubern, und damit auch potentiell katastrophale Unglücke auszulösen.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Andreas (RPGnosis) am 09 Jul 2014, 10:06:49
Ich mache mir keine "Sorgen", ich kann nur keine stimmige Argumentation dahinter finden; und das greift ein ganz klein wenig meine "suspension of disbelief" an.
Ich würde mir wünschen, dass es auch eine konsistente in-game-Begründung dafür gibt - arnadils Vorschlag mit den Drachlingen wäre ein solcher, aber der hätte mAn noch weitere Konsequenzen, die nicht so wünschenswert sind.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Alagos am 09 Jul 2014, 10:59:08
Wie 4 Port USB Hub schon schön ausgedrückt hat: Sowas wie Patriotismus gab es größtenteils im Mittelalter nicht. Vielleicht(!) mit Ausnahme von kleinen Stadtstaaten, die deutlich mehr Ansätze moderner Nationalstaaten hatten als die größeren Staaten zu der Zeit.

Natürlich ist suspension of disbelief eine Sache, aber dann muss man halt auch die jeweilige Zeit beachten. Ich sehe hier auch einen großen Unterschied zwischen Lorakis und Aventurien. In Aventurien sind die meisten Staaten in der Renaissance oder zumindest SEHR am Ende des Mittelalters. Dazu gibt es einen großen Patriotismus zwischen verschiedenen Staaten( Mittelreicht <--> Horasreich oder Andergast <--> Nostria ). Das ist aber für eine Mittelalterliche Kultur sehr, sehr ungewöhnlich. Patriotismus hat sich in Deutschland erst im 19. Jahrhundert wirklich entwickelt, in einigen anderen Staaten etwas früher(insbesondere USA, Frankreich). Wenn wir jetzt aber davon ausgehen, dass Lorakis etwa im 12. Jahrhundert angesiedelt ist wird es etwas ähnliches wie Patriotismus kaum geben. Vielleicht in den Städten von Mertalia, vielleicht in ein paar anderen Gegenden. Aber nicht oder kaum in Staaten wie Selenia.

Die einzige Form von "Patriotismus" die man dort finden wird sind eher Loyalitäten zu gewissen Thronfolgern("der Kaiser ist gar nicht der richtige auf dem Thron. Sein Vetter 3. Grades hätte höhere Ansprüche"). Und auch das fast ausschließlich in gebildeten Kreisen.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: JohnLackland am 09 Jul 2014, 11:10:46
Meine fünf Cents:

Warum Lorakis eine nicht sexistische und Rassistische Welt ist für mich, ganz kurz:

Man kann nicht von der Menschheitsgeschichte, die auch nur mit sich selbst zu tun hat und als sich als Spezies auf eine Multispeziengesellschaft schließen. Was passiert ist einfach, es werden Stereotype transportiert von der Menschheit auf ein unbekanntes System, also alles vermenschlicht. Da machst du Andreas (RPGnosis) es dir zu einfach und all die anderen auch die hier beherzt diskutieren das doch so ein bissel Rassismus, Sexismus und andere Beklopptheiten der Realität doch erlaubt sind und viel, viel mehr. Sicher wird es Probleme geben, alleine von der Mentalität her, Geburtenentwicklung, natürliche Angewohnheiten. Wen ich ein Varg als Mitbewohner hätte und jeden Tag Fell in der Badewanne gibt es ganz andere Konflikte als ein Alb der 300 Jahre Älter ist und einfach schon viel Lebenserfahrung hat und Klugscheißt.

Wichtig: Lorakis ist nicht die Welt von Feuer und Eis, auch wenn das Thema zum Teil übernommen werden kann Aber G.R.R. Martins Welt ist eindeutig rein menschlich geprägt und Tolkien hat sich bei Mittelerde massiv von griechischer und indogermanischer Mythologie beeinflussen lassen. Das gibt es auch eine Vermenschlichung von Mächten durch Archetypen und Stereotypen.

Des weiteren: In jenen Regionen die weniger unter den Einfluß des Drachlingen standen, hat sich das auch anders Entwickelt und zum Teil auch nach ihren Wegfall, das Reich der Schwertalben oder die Gethorisierung der Keshabid als Beispiel.

Mal was anderes, so mit Liebe machen, nachkommen sind ja unter den Rassen nicht möglich aber Liebschaften oder so rein Biologisch, sind ja alles Säuger mit den den gleichen Aufbau der Geschlechtsorgane... vielleicht sind die Lorakiser auch nahe an den Bonobos dran ;-) und lassen es im Gruppenraum in der Taverne ordentlich knistern und knattern ;-). Das baut Agressionen ab und die Leute kommen sich so näher... das wirds sein...
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Andreas (RPGnosis) am 09 Jul 2014, 11:19:59
@ JohnLackland: Ernsthaft, Menstruationszauber?  :o
Was du ansonsten schreibst, macht insgesamt schon Sinn (wenn auch dann z.B. jeder kostenlos einen Verhütungszauber bekommen sollte - und das wiederum vermutlich auch Einfluss auf die Gesellschaft hätte). Auf der anderen Seite denke ich, wenn man schaut, was schon Menschen untereinander in der Vergangenheit für abstruse Dinge getan haben - Rassentheorie? - dann mag ein Vielspeziesgemisch erklären, warum es z.B. bei den Menschen keine Diskriminierung von Schwarzen gibt, aber nicht, wieso es keine zwischen Menschen und Vargen (o.ä.) gibt. Und relevant ist ja auch, dass die anderen Spezies stark vermenschlicht werden *müssen*, damit sie überhaupt als Charaktertypen zugänglich werden, wenn man ein halbwegs immersives oder darstellerisches Spiel betreiben will.

@ Alagos: Aber wir können doch nicht hier plötzlich Verweise auf das "wirkliche Mittelalter" anführen, wenn gleichzeitig genau dessen Verhältnisse andernorts abgelehnt werden sollen. Zumal es genannte Ausnahmen gab, ebenso wie z.B. in der Antike.
Trotzdem ist das Prinzip auch bei einem Kleinkrieg zwischen Lokalherrschern das gleiche - wer vom Land kommt, kennt vielleicht Rivalitäten und völlig unbegründeten Vorurteile schon gegen die Leute, die nur ein Dorf weiter wohnen. Hier findet schlicht Ausgrenzung aufgrund von lokaler Lage statt. [EDIT: Nenn es "Lokalpatriotismus".]

Aber vielleicht haben viele von euch Recht, dass es es in letzter Konsequenz nicht fruchtbar ist, das Thema hier ausführlich zu diskutieren. Ich werde nochmal drüber nachdenken und vielleicht einen Blogpost zu den Grundsatzfragen (die ich inzwischen nicht in konkretem Punkten wie Rassismus oder Homophobie sehe, sondern eher in der Frage nach dem Vorbildcharakter von Rollenspielwelten) schreiben.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: JohnLackland am 09 Jul 2014, 11:25:40
@ JohnLackland: Ernsthaft, Menstruationszauber?  :o
Klar das magische Tampon oder die magische Binde, nimmt gleichzeitig die Unterleibsschmerzen... haben die Sumpfgnome erfunden
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: SeldomFound am 09 Jul 2014, 14:04:37
Zitat
Aber vielleicht haben viele von euch Recht, dass es es in letzter Konsequenz nicht fruchtbar ist, das Thema hier ausführlich zu diskutieren.

Eine Diskussion ist fruchtbar, solange es nicht darum geht Recht zu haben.

Halten wir nur kurz vor Augen, um was es jetzt hier eigentlich geht:

Es steht außer Frage, dass der Umgang mit Tabu-Themen etwas ist, wo man als Spielgruppe Rücksicht auf die Empfindlichkeit aller Mitglieder für das Thema haben muss.

Um was jetzt hier geht ist eher die Frage: Braucht eine Fantasy-Welt wie Splittermond Diskriminierung von Geschlecht, Rasse und ähnlichem, um glaubhaft zu sein?

Hier muss ich aber sagen, dass es scheint, als ob für dich, Andreas, die Glaubwürdigkeit einer Welt ein objektives Beurteilungskriterium sein kann. Diese Meinung teile ich nur eingeschränkt.

Als Kind habe ich gerne Benjamin Blümchen geguckt. Nicht einmal dachte ich mir dabei: "Es ist doch nicht glaubwürdig, dass ein Elefant, sprechen und laufen kann wie ein Mensch." Was für jemanden glaubwürdig ist und was nicht, muss man erst lernen. Wie weit die Suspense of Disbelief für jeden Mensch reicht ist rein subjektiv und auch nicht zuletzt von seinem Wissen oder besser gesagt Glauben über das, was er weiß, abhängig.

Du hast gelernt, dass Diskriminierung etwas ist, was sich für die Menschheit neurologisch, psychologisch und sozialwissenschaftlich erklären ist, zum Beispiel, dass wir als Menschen nur eine begrenzte Anzahl von Personen als "wirklich" denkende und fühlende Wesen wahrnehmen können.

Von daher ist für dich eine Fantasy-Welt, in der diese wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht vollständig zur Geltung kommen (Ausgrenzung von Rassen - nein; Ausgrenzung von Untertanen eines anderen Reiches - Ja) nicht glaubwürdig, bzw. nicht natürlich.

Du sieht daher in der Auslassung von Diskriminierung ein bewusste Entscheidung der Autoren und siehst es eher zwiespältig, da deiner Meinung nach man hier Potential für eine bessere, da glaubwürdigere Welt verschenkt hat.


Um jetzt die Diskussion fruchtbar zu machen, müsste man sich jetzt fragen:

1. Gibt es wirklich keine Diskriminierung in Lorakis?

Es gibt als Beispiel bei den Schwächen "Vorurteile". Dass heißt, es gibt durchaus Stereotypen, die dazu führen können, dass mein Charakter zum Beispiel Vargen skeptisch gegenüber steht und dazu führen, dass dieser eine bestimmte Rasse, Religion oder Kultur benachteiligt.

Was aber in Lorakis weitgehend fehlt, und darum geht es hier eigentlich, sind mächtige Leute die großflächige Sanktionen gegen bestimmte Rassen, Kulturen oder Religionen durchsetzen wollen und können und damit bestimmt Kombinationen von Rasse, Kultur, Abstammung und Ausbildung verhindern, bzw. erschweren.

In Selenia gibt es keine Prognomen gegen Varge oder Gnome und in Zwingard werden Frauen nicht durch ein Sittengesetz vom Kriegshandwerk ausgeschlossen.

Daraus folgt dann die zweite Frage:

2. Wie müsste für dich, Andreas, dass Verhältnis der Rassen in Lorakis aussehen, damit es für dich glaubwürdig wäre? Welche Kulturen wären dann noch möglich, welche würden dann fehlen?

Und bedenke dabei, was du selbst gesagt hast:

Und relevant ist ja auch, dass die anderen Spezies stark vermenschlicht werden *müssen*, damit sie überhaupt als Charaktertypen zugänglich werden, wenn man ein halbwegs immersives oder darstellerisches Spiel betreiben will.

Ein gewisser Faktor ist auch immer "Spielbarkeit": Die Entwickler von Splittermond wollten den Spieler bei der Erschaffung ihrer Helden so viel Freiheit wie möglich anbieten. Sie wollten nicht eine Beschränkung auferlegen, die sagt "Wenn du eine Frau in Zwingard spielen willst, kannst du keine Kriegerin spielen"

Natürlich, Andreas, du hast darauf hingewiesen, dass sich daraus doch tolles Konfliktpotential bilden kann, wenn jemand eine Mulan oder eine Jean D'Arc spielen will, aber das heißt eigentlich nur, der Spieler und der Spielleiter gezwungen werden, diesen Konflikt immer wieder in den Mittelpunkt zu stellen und das schränkt einfach beim Spielen ein!

Und kurz auf dein Beispiel mit Shadowrun als eine "glaubwürdige" Welt mit Diskriminierung zurück zu kommen: Der Punkt von Shadowrun ist a) es spielt in einer möglichen Zukunft unserer Welt, b) es parodiert eigentlich tatsächlich diese Thematik und überspitzt sie, in dem sie zum Beispiel die Stereotypen von Schwarze auf Orks überträgt, und c) die Rollen der Spieler sind dadurch im Vorfeld eingeschränkt, dass sie zum Beispiel keinen Konzernmagier oder dergleichen spielen, sondern SIN-lose Leute, die eh damit unter Sanktionen der Gesellschaft stehen.

Doch mit Splittermond haben wir ein System, in dem man nicht nur selenische Adlige oder nicht nur farukanische Magier oder nicht nur mertalische Schurken spielen soll, sondern potentiell einfach alles und jeden!

Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Andreas (RPGnosis) am 09 Jul 2014, 14:49:07
Guter Beitrag, SeldomFound, da ist viel Wahres drin. Mir geht es wie gesagt nicht darum, "recht zu haben", sondern um a) Interesse an der Argumentation und b) Hinterfragung der Positionen, die vielleicht zu weiteren Schlüssen oder noch grundlegenderen Fragen führt.

Halten wir nur kurz vor Augen, um was es jetzt hier eigentlich geht:
Es steht außer Frage, dass der Umgang mit Tabu-Themen etwas ist, wo man als Spielgruppe Rücksicht auf die Empfindlichkeit aller Mitglieder für das Thema haben muss.
Um was jetzt hier geht ist eher die Frage: Braucht eine Fantasy-Welt wie Splittermond Diskriminierung von Geschlecht, Rasse und ähnlichem, um glaubhaft zu sein?
Hier muss ich aber sagen, dass es scheint, als ob für dich, Andreas, die Glaubwürdigkeit einer Welt ein objektives Beurteilungskriterium sein kann. Diese Meinung teile ich nur eingeschränkt.
Als Kind habe ich gerne Benjamin Blümchen geguckt. Nicht einmal dachte ich mir dabei: "Es ist doch nicht glaubwürdig, dass ein Elefant, sprechen und laufen kann wie ein Mensch." Was für jemanden glaubwürdig ist und was nicht, muss man erst lernen. Wie weit die Suspense of Disbelief für jeden Mensch reicht ist rein subjektiv und auch nicht zuletzt von seinem Wissen oder besser gesagt Glauben über das, was er weiß, abhängig.
Das sind zwei Dinge, die man getrennt betrachten sollte.
Erstens der Hinweis auf die Spielgruppe und den Umgang mit Tabuthemen; dazu habe ich meinen Blogbeitrag geschrieben. Das Problem, welches ich mit der aktuellen Debatte habe, ist, dass es ganz bestimmte Tabuthemen gibt, die genauso wie die allermeisten anderen in erster Linie nur von persönlicher Relevanz sind, also dann, wenn sich in der eigenen Runde jemand befindet, der dieses Tabu hat. Da gibt's nichts zu diskutieren, da ist jede Spielgruppe in der Pflicht, sorgsam und sensibel damit umzugehen. Auf der anderen Seite ist aber die zumindest für mich nicht ganz konsistent nachvollziehbare Argumentation, dass gerade auf einige wenige solcher Themen - beispielsweise Geschlechterdiskriminierung oder Rassismus - ganz besonders eingegangen werden muss in Rollenspielen. Dies geschieht, meiner Ansicht nach, nicht aufgrund der Tatsache, dass das dem Spiel an sich gut täte, sondern eher daraus, dass man sich in einer besonderen Pflicht sieht, solche Tabuthemen gesondert anzusprechen, auf ihre Problematik hinzuweisen und, gewissermaßen mit einem impliziten pädagogischen Anspruch, dafür zu sorgen, dass es am Spieltisch möglichst nicht möglich ist, tabuisiertes Verhalten - genannte Diskriminierung - innerweltlich zu begründen, um beispielsweise als Macho-Charakter aus einer Macho-Kultur "gutes Rollenspiel im Sinne der Hintergrundwelt" zu betreiben. Mein Problem mit dieser Position ist, dass ich erstens nicht glaube, dass das in Runden, bei denen Diskriminierung vorkommt, auch nur einen Tacken hilft (denn diskriminieren kann man aus verschiedensten Gründen, und die wenigsten werden sich da auf innerweltliche Vorgaben rausreden müssen), denn solches Verhalten ist - wiederum meiner Meinung nach - begründet in Problemspielern, nicht in Spielwelten mit sensiblen Inhzalten. Vernünftige Spieler können auch in einer Welt, in der Diskriminierung alltäglich ist, gut spielen, ohne dass es zu Problemen am Spieltisch kommt - und wenn man das seinem Zielpublikum nicht zutraut, dann sollte man ernsthaft noch mehr über Themen wie Gewalt im Rollenspiel nachdenken. Das ist eine Debatte, die man ja in den 80ern schon hatte. Kurz: ich glaube, dass der Wunsch nach der Umsetzung politischer Korrektheit in Rollenspielwelten zwar nachvollziehbar ist, aber bei Problemnaturen schlicht keine Wirkung hat - denn wer Mitspieler anpöbeln will, findet immer einen Grund.
Zweitens, die Benjamin-Blümchen-Sache: Hier geht es um die willentliche Aussetzung der Ungläubigkeit. Ja, hier gebe ich gerne zu, ist das für mich ein Konsistenzbruch der Spielwelt. Dazu unten mehr.

Du hast gelernt, dass Diskriminierung etwas ist, was sich für die Menschheit neurologisch, psychologisch und sozialwissenschaftlich erklären ist, zum Beispiel, dass wir als Menschen nur eine begrenzte Anzahl von Personen als "wirklich" denkende und fühlende Wesen wahrnehmen können.
Von daher ist für dich eine Fantasy-Welt, in der diese wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht vollständig zur Geltung kommen (Ausgrenzung von Rassen - nein; Ausgrenzung von Untertanen eines anderen Reiches - Ja) nicht glaubwürdig, bzw. nicht natürlich.
Du sieht daher in der Auslassung von Diskriminierung ein bewusste Entscheidung der Autoren und siehst es eher zwiespältig, da deiner Meinung nach man hier Potential für eine bessere, da glaubwürdigere Welt verschenkt hat.
Im Prinzip ja, bis auf den letzten Absatz: sicher war das eine bewusste Entscheidung der Autoren, aber die Kritik, die ich daran übe, ist nicht böse gemeint. Es trifft nicht völlig meinen Geschmack, und ich denke, man könnte Tabuthemen generell anders behandeln, vielleicht sogar produktiver. Aber wenn die Autoren das so machen wollen, ist das ihr gutes Recht - ich habe mir trotzdem den Weltband gekauft, und werde, wenn ich Splittermond spiele, dann eben keine entsprechenden Plots um Tabuthemen bauen. Das mache ich dann eben in anderen Systemen. Mir geht es in der Diskussion wie gesagt um die zugrundeliegenden Fragen und um die Begründbarkeit, warum gerade sexuelle Diskriminierung eine Sonderrolle in vielen deutschen Rollenspielen verdient, und ob man die eigentliche Problematik damit in der realen Welt irgendwie verbessern kann, oder eben nicht.


Um jetzt die Diskussion fruchtbar zu machen, müsste man sich jetzt fragen:
1. Gibt es wirklich keine Diskriminierung in Lorakis?
Es gibt als Beispiel bei den Schwächen "Vorurteile". Dass heißt, es gibt durchaus Stereotypen, die dazu führen können, dass mein Charakter zum Beispiel Vargen skeptisch gegenüber steht und dazu führen, dass dieser eine bestimmte Rasse, Religion oder Kultur benachteiligt.
Was aber in Lorakis weitgehend fehlt, und darum geht es hier eigentlich, sind mächtige Leute die großflächige Sanktionen gegen bestimmte Rassen, Kulturen oder Religionen durchsetzen wollen und können und damit bestimmt Kombinationen von Rasse, Kultur, Abstammung und Ausbildung verhindern, bzw. erschweren.
In Selenia gibt es keine Prognomen gegen Varge oder Gnome und in Zwingard werden Frauen nicht durch ein Sittengesetz vom Kriegshandwerk ausgeschlossen.
Hier beginnen z.B. schon Inkonsistenzen, die ich meine - einem Charakter zu erlauben, "Vorurteile gegen Frauen" oder "Vorurteile gegen Vargen" zu haben, ermöglicht zum einen genannten Problemspielern, diskriminierendes Verhalten innerweltlich zu begründen ("mein Charakter hat halt diesen Nachteil!"), zum anderen zeigt es, dass Diskriminierung eben doch anscheinend verbreitet genug ist, um einen eigene Schwäche zu rechtfertigen. Allerdings gibt es anscheinend kaum herrschenden Schichten, die diese latent vorhandenen Schwächen ihrer Untertanen ausnutzt - das ist so eine Widersprüchlichkeit, die meine suspension of disbelief erschwert, denn ich sehe dafür keinen wirklich schlüssigen innerweltlichen Grund, der nicht wieder mit anderen im Widerspruch stehen könnte.



Daraus folgt dann die zweite Frage:
2. Wie müsste für dich, Andreas, dass Verhältnis der Rassen in Lorakis aussehen, damit es für dich glaubwürdig wäre? Welche Kulturen wären dann noch möglich, welche würden dann fehlen?
Und bedenke dabei, was du selbst gesagt hast:
Und relevant ist ja auch, dass die anderen Spezies stark vermenschlicht werden *müssen*, damit sie überhaupt als Charaktertypen zugänglich werden, wenn man ein halbwegs immersives oder darstellerisches Spiel betreiben will.
Dazu kann ich mich nicht ausführlich und konkret äußern, da ich wegen Zeitmangel den Weltenband noch nicht gelesen habe. Wahrscheinlich wären aber die meisten bis alle Kulturen noch genauso funktional, nur wäre die Verbreitung der verschiedenen Spezies weniger "durchwachsen", sondern zumindest z.B. in einzelnen Dörfern oder Stadtvierteln konzentriert. Was ja z.B. auch Sinn macht im Hinblick auf deren unterschiedliche Bedürfnisse, nicht jeder Händler wird gleichermaßen sein Angebot auf Menschen, Alben, Gnome und auch noch Vargen ausrichten.


Ein gewisser Faktor ist auch immer "Spielbarkeit": Die Entwickler von Splittermond wollten den Spieler bei der Erschaffung ihrer Helden so viel Freiheit wie möglich anbieten. Sie wollten nicht eine Beschränkung auferlegen, die sagt "Wenn du eine Frau in Zwingard spielen willst, kannst du keine Kriegerin spielen"
Natürlich, Andreas, du hast darauf hingewiesen, dass sich daraus doch tolles Konfliktpotential bilden kann, wenn jemand eine Mulan oder eine Jean D'Arc spielen will, aber das heißt eigentlich nur, der Spieler und der Spielleiter gezwungen werden, diesen Konflikt immer wieder in den Mittelpunkt zu stellen und das schränkt einfach beim Spielen ein!
Völlig richtig - aber: vielleicht wählt jemand eine solche Rolle ja auch, weil er/sie diesen Konflikt immer wieder im Mittelpunkt haben will? Diese Möglichkeit fehlt in einem Setting, das diesen Konflikt nicht vorsieht, einfach. Während die nachträgliche Einführung z.B. einer im Hintergrund nicht explizit vorgesehenen geschlechtlichen Gleichberechtigung meiner Ansicht nach einfacher ist. Die Sache ist doch: klar gibt und gab es kämpfende Frauen, in sehr vielen Kulturen - aber es gab eben auch Kämpferprofessionen, in denen es keine Frauen gab - z.B. griechische Hopliten oder mittelalterliche Ritter. Wenn, rein theoretisch, eine Spielerin nun genau einen solchen Charakter, aber in weiblich, spielen will, dann tut sie das doch vermutlich, weil sie eben mit dem Klischee brechen und eine exotische Figur verkörpern möchte. Und wenn dem nicht so ist, und es ihr z.B. nur auf die Werte ankommt - dafür gibt es doch die freie Generierung und die große Vielfalt an Kulturen und möglichen Charaktertypen.
Ich meine, wenn in meiner Runde ein Spieler käme und eine männnliche Amazone spielen wollte... das ist einfach kaum vorstellbar, weil es mit der ganzen Vorstellung einer Amazonenkultur kollidiert; nur kann man es hier aus irgendeinem Grund leichter hinnehmen als z.B. bei Rittern. Warum?


Und kurz auf dein Beispiel mit Shadowrun als eine "glaubwürdige" Welt mit Diskriminierung zurück zu kommen: Der Punkt von Shadowrun ist a) es spielt in einer möglichen Zukunft unserer Welt, b) es parodiert eigentlich tatsächlich diese Thematik und überspitzt sie, in dem sie zum Beispiel die Stereotypen von Schwarze auf Orks überträgt, und c) die Rollen der Spieler sind dadurch im Vorfeld eingeschränkt, dass sie zum Beispiel keinen Konzernmagier oder dergleichen spielen, sondern SIN-lose Leute, die eh damit unter Sanktionen der Gesellschaft stehen.
Doch mit Splittermond haben wir ein System, in dem man nicht nur selenische Adlige oder nicht nur farukanische Magier oder nicht nur mertalische Schurken spielen soll, sondern potentiell einfach alles und jeden!
SR ist ein eigenes Thema, die Dystopie spielt da sicher eine große Rolle und bedient im Endeffekt ein anderes Rollenspiel-Genre als das klassische Heldenrollenspiel. Wahrscheinlich hat die Sache tatsächlich auch was mit diesen Genres zu tun, aber ich glaube, dass eine Welt mit wenig Diskriminierung auf der einen Seite zwar mehr Charaktere zu bauen erlaubt, gleichzeitig aber diesen Charakteren oft Besonderheiten fehlen, die ihr Konzept ganz über den Haufen werfen können (männliche Amazone?), und vor allem gleichzeitig die Anzahl an Konflikten und daraus resultierenden Plots in der Welt reduziert wird. Vielleicht nicht immens, aber doch spürbar - und da ich als Rollenspieler vor habe, mehr Plots zu spielen als Charaktere zu bauen, wiegt dieser Nachteil für mich einfach schwerer.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: gunware am 09 Jul 2014, 15:04:08
zum anderen zeigt es, dass Diskriminierung eben doch anscheinend verbreitet genug ist, um einen eigene Schwäche zu rechtfertigen. Allerdings gibt es anscheinend kaum herrschenden Schichten, die diese latent vorhandenen Schwächen ihrer Untertanen ausnutzt - das ist so eine Widersprüchlichkeit
Ich sehe es nicht als Widersprüchlichkeit. Es zeigt nur, dass einige Individuen diese Nachteile haben, aber wahrscheinlich ist es nicht so verbreitet, dass es sich im großen Maße ausnutzen ließe. Da sehe ich keinen Widerspruch.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: JohnLackland am 09 Jul 2014, 15:58:46
Wollte eigentlich nix mehr sagen zu der ganzen Diskussion, weil sie mich echt AUFREGT, habs vorhin lustig versucht, jetzt aber reicht es: Wenn's Euch so sehr stört dann spielt doch in einer Welt voller Diskriminierung, nur rechnet nicht damit das es andere gut finden und Euch deswegen mögen.

Die ganze Diskussion kommt mir so vor als ob einige Leute auf Teufel komm Raus eine Absolution haben wollen Ar...hkampagnen und Ar...hrollen zu spielen und mir ist auch egal ob ich mich jetzt im Ton hier vergreife. Macht es, tut es, aber hört auf Euch hier zu winden und nach irgendwelchen Belangen zu suchen es zu dürfen, niemand hindert Euch daran. Aber es gibt kein Recht auf der Welt, das man Diskriminierendes verhalten gut finden muss, ehr das Gegenteil, um es mit einen Spruch zu Sagen Klar darfst du das, aber wundere dich nicht wenn andere Menschen dir den Finger zeigen und ich Scheiße finden. Das tun leider viel zu wenige da drausen und auch im Rollenspiel, und noch was, mich regt es auch auf das der Verlag diese Diskussion in der Form so führen lässt. Klar werden hier Sachargumente ausgetauscht und so weiter, aber es hat auch etwas von: "DAS DARF MAN DOCH NOCH MAL SAGEN." Klar darfst du das, dann akzeptiere aber auch das es ordentlich Gegenwind hier gibt und ich bedanke mich aus ganzen Herzen all jenen die versuchen den Leuten zu erklären warum es nicht geht. Habe mir den ganzen Thread nochmal reingezogen und ich muss sagen, da wird nur aneinander vorbei geredet, es geht hier um Diskriminierung und darum andere runter zu machen weil sie nicht einer Mehrheit angehören und das zu Thematisieren. Ich habe schon mal geschrieben, wenn man das reflektiert und darüber spricht auch in de Gruppe ist es eine Sache aber das passiert selten.

Klar lassen sich damit tolle Abenteuer stricken und man kann es auch anspielen, aber dafür gibt es genügend  andere Systeme und ich mag es nicht. Ich spiele Rollenspiele weil ich weg will von der Scheiße die ich im Alltag habe, dann muss ich mir das nicht noch in andere Art und Weise in meine Gehirnzellen reinmassieren.

Vielleicht wird es Zeit einen Preis auszuloben für Rollenspiele gegen Diskriminierung, ich wäre dabei und würde spontan 100 ,-€ Spenden als Preisgeld. Damit die Idee wieder auf den Tisch kommt und jeder versteht um was es verdammt nochmal geht und auch das Diskriminieren Rollenspielsystem zund Abenteuer zu wählen und zu zeigen warum.

Nochmal ganz kurz:

Ausgangspunkt jeder Diskriminierung kann eine Bewertung von Lebewesen anhand von tatsächlichen oder zugeschriebenen gruppenspezifischen Merkmalen sein. Beispiele hierfür sind:

Die meisten Rollenspiele und Spielwelten leben nämlich genau davon und es geht einfach mal darum das aufzuzeigen und zu sagen, NEIN! Wir wollen den Scheiß nicht mehr. Ich will es auf alle Fälle nicht mehr!

Gruß

John
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Eyb in the box am 09 Jul 2014, 16:06:03
Kinners, ich denke jetzt ist der Punkt für alle einen kühlen Kopf zu bewahren und das Thema hiermit zu beenden. Es wurde alles gesagt ...

Lorakis ist nur ein Fantasiespiel und nix anderes.

Sonst schick ich gleich meine fiesen Varge los und die haben nicht nur Gnome in Sauce lieb... ;)
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Noldorion am 09 Jul 2014, 16:13:31
Ich möchte mich Eybie da gerne anschließen. Das Thema ist kontrovers, keine Frage, und es berührt einige sehr persönlich - ein Grund mehr, die Ruhe zu bewahren. Bitte versucht, zu diskutieren, ohne euch gegenseitig anzugreifen - egal ob direkt oder indirekt :)
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Andreas (RPGnosis) am 09 Jul 2014, 16:29:52
Ich hatte nicht das Gefühl, jemanden angegriffen zu haben (wäre auch nicht meine Absicht gewesen), entschuldige mich aber natürlich gern trotzdem für eventuelle Missverständnisse.
Dann lassen wir das lieber gut sein, und für weitere Diskussion zugrundelegender Themen verweise ich im Voraus auf meinen irgendwann erscheinenen Blogbeitrag.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: SeldomFound am 09 Jul 2014, 17:31:14
@ JohnLackland

Ich sehe, dass diese Thema dir echt weh tut, aber du irrst dich. Es geht hier tatsächlich mehr um den Diskurs über den Umgang mit Diskriminierung in Rollenspielen allgemein:

Zitat von Andreas:

Zitat
Mir geht es in der Diskussion wie gesagt um die zugrundeliegenden Fragen und um die Begründbarkeit, warum gerade sexuelle Diskriminierung eine Sonderrolle in vielen deutschen Rollenspielen verdient, und ob man die eigentliche Problematik damit in der realen Welt irgendwie verbessern kann, oder eben nicht.

Es geht hierbei darum, dass es gewisse Regeln zu geben scheint (das ist, was ich mit Diskurs meine), was ich als Rollenspiel-Autor in meinen Produkt sagen kann und was nicht:

Zum Beispiel würde es nicht gern gesehen werden, wenn ich für ein Spiel, dass auch 10-jährigen Kindern spielen sollen, eine blutigen Szene beschreibe, in der ein Mann gevierteilt wird. Diese Strafen gab es zwar auch damals wirklich und sie waren damals auch öffentlich für Kinder sichtbar, aber der jetzige Diskurs ist halt "Kinder sollen von Blut und Gewalt ferngehalten werden".

Der Diskurs erlaubt mir den Umgang mit solchen Szenen erst ab einem bestimmten Alter (bzw. setzt es sogar voraus), obwohl die Sensitivität bezüglich solchen Themen ja auch von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist.

Und der Grund dafür ist halt, dass nun Menschen, die Gewalt vor Kindern verurteilen, in der Lage sind, ihre Meinung auch öffentlich hörbar zu machen, ebenso wie du in der Lage bist, deine Meinung über Diskriminierung offen auszudrücken. Und diese bedenklichen Stimmen werden auch gehört und man denkt über ihre Worte nach.

Und das ist gut so!



@ Andreas

Zitat
Im Prinzip ja, bis auf den letzten Absatz: sicher war das eine bewusste Entscheidung der Autoren, aber die Kritik, die ich daran übe, ist nicht böse gemeint.

Das du es böse gemeint hast, wollte ich dir auch gar nicht unterstellen! Du hast einfach nur gesagt, was man deiner Meinung nach besser hätte machen können.


Zitat
Die Sache ist doch: klar gibt und gab es kämpfende Frauen, in sehr vielen Kulturen - aber es gab eben auch Kämpferprofessionen, in denen es keine Frauen gab - z.B. griechische Hopliten oder mittelalterliche Ritter. Wenn, rein theoretisch, eine Spielerin nun genau einen solchen Charakter, aber in weiblich, spielen will, dann tut sie das doch vermutlich, weil sie eben mit dem Klischee brechen und eine exotische Figur verkörpern möchte.

Nein, ich fürchte, es gibt auch viele, viele Spielerinnen, die einfach nur Spaß an Gekloppe haben, schlicht und ergreifend.

Und bei den von dir sogenannten Kämpferprofessionen, die angeblich nur Männer offen standen, gab es damals nirgendwo ein Gesetz, dass besagte: "Nur Männer dürfen sich hierfür anmelden."

Diskriminierung, die in ein Gesetz verankert wird, ist eigentlich schon so gut wie gescheitert. Denn Diskriminierung lebt davon, dass niemand weiß, dass sie künstlich ist, dass jeder glaubt, sie sei natürlich und normal.

Normal, dass ist der Punkt der die Amazone von dem Ritter unterscheidet. Der Ritter ist/war normal, die Amazone war schon immer eine Sagengestalt. Gleichberechtigung bedeutet in diesem Sinne, dass das was vorher nur für Männer normal war, auch für Frauen normal wird.


Zitat
Wahrscheinlich hat die Sache tatsächlich auch was mit diesen Genres zu tun, aber ich glaube, dass eine Welt mit wenig Diskriminierung auf der einen Seite zwar mehr Charaktere zu bauen erlaubt, gleichzeitig aber diesen Charakteren oft Besonderheiten fehlen, die ihr Konzept ganz über den Haufen werfen können (männliche Amazone?), und vor allem gleichzeitig die Anzahl an Konflikten und daraus resultierenden Plots in der Welt reduziert wird. Vielleicht nicht immens, aber doch spürbar - und da ich als Rollenspieler vor habe, mehr Plots zu spielen als Charaktere zu bauen, wiegt dieser Nachteil für mich einfach schwerer.

Nun, jetzt ist es ja eben in Lorakis nicht so, dass diese Welt völlig frei von Konflikten ist, die aus Diskriminierung resultieren. Es gibt Kulturen mit strengen Kastensysteme, Arme und Reiche, Differenzen zwischen Religionen, etc.

Aber es steht einem Spieler oder Spielerin halt doch schon sehr frei, wie weit sie sich mit dieser Thematik beschäftigen möchte und wer sich von Diskriminierung verletzt fühlt, findet dann in Lorakis halt viele Kulturen, wo man sagen kann: "Hier ist dein Charakter normal, hier bist du willkommen."


Zitat
Dazu kann ich mich nicht ausführlich und konkret äußern, da ich wegen Zeitmangel den Weltenband noch nicht gelesen habe.

Alles klar, in diesem Falle sollten wir mit der Diskussion über dem Umgang dieser Problematik auf Lorakis vielleicht noch etwas warten, bis du auch den Weltenband gelesen hast.

Aber stelle erstmal für dich fest, ob es auf Lorakis Diskriminierung gibt und wie damit umgegangen wird. Und schreib uns dann, was du davon hältst.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: JohnLackland am 09 Jul 2014, 17:55:54
Sorry, das ich gerade etwas aus der Haut gehüpft bin, aber ich meine das im Ernst mit Rollenspieler gegen Diskriminierung. Lasst uns das Gründen ;-)

Was mich bei der Diskussion einfach stört ist nicht der Austausch der Argumente, sondern eine andere Sache: Die Diskuntanten sind schätze ich mal so wie ich zwischen irgendwas von 30 bis 40.... vielleicht Familienväter... ihr transportiert dann auch das Thema auf andere Ebenen und zu Euren Kindern, Kollegen und so weiter. Also wenn das beim Rollenspiel nicht schlimm ist, dann ist das auch so nicht schlimm. Da saufen die halt ab in Lambedusa, wollen eh nur unser Geld , ach egal ob die Näherin in Bangladesch es schlecht geht, den Gnomen in Lorakis geht es auch nicht besser. Krasser vergleich aber.... bestimmtes denken stumpft ab. Es kostet etwas, ich würde es Empathie nennen, wenn man solche Rollen und Welten bespielt.

Dazu kommt, das ich in der Realität unter anderen bei meiner ehrenamtlichen Arbeit für Attac und im Bereich LSBT immer mehr erlebe das die Themen verwässern. Der Mensch wird weniger wert, es ist doch alles erreicht uns geht es gut - der Mensch an sich zählt weniger, auch sein Leiden, was zählt sind aber die Leistung, das Geld und der Marterialismus. Ähnliches passiert bei der Debatte, das ist doch nur ein Spiel, das geht doch in Ordnung. Wenn man aber in einer Utopie und sei es eine Fantasy ein postives Weltbild aufbaut dann kann man auch in die Welt positive Impulse senden, ich glaube fest daran, aber wenn ich den ganzen Tag eh nur negative Nachrichten höre, dann schalte ich ab, dann engagiere ich mich nicht dann sehe ich nicht das ich etwas ändern kann. Ich resigniere und das verstärkt auch eine Dystopie im Rollenspiel, klar kann man sich dann dort freikämpfen und der Held sein der sich dagegen stellt, aber es ist dann wie im Film... es ist nicht echt. Es hilft aber nicht, dagegen vorzugehen in der Realität sonden verstärkt ehr die Flucht in alternativen, seien es Spiele, Bücher und andere Dinge und behindert das Engagement. Die meisten Menschen sagen, ich kann es eh nicht ändern.... Politikverdrossenheit und wenig Ehrenamt sind die Folge.

Aber wenn ich Träumen kann das es eine bessere Welt ist und das Werte wie Freundschaft, Empathie und Anerkennung was Wert sind und das Diskrimminierung keine Rolle spielt, dann habe ich eine Utopie vor Augen uns es fehlt an guten Utopien auf der Welt.

Schaut Euch einfach mal an, was außerhalb des Spieltischs los ist, da sind die Bösewichte die wir im Pen & Paper bekämpfen und sie drehen am Rad der Welt, steuern Geldströme und führen Kriege. Hass, Menschenverachtung, Kriege um Rohstoffe und Waren sind an der Tagesordnung. Tut uns nur nicht weh, wir können uns Blaue Sonderausgaben leisten und haben soviel Freizeit das wir Rollenspiele spielen können. Die meisten Menschen können das nicht, die halten uns für Dekadent und denken wir wären was tolles, wie weißen Menschen und Männer sind sowieso noch was besseres dann. Noch nie ging es uns so gut, noch nie waren wie so satt und noch nie waren wir so mutlos.

Was ich mir wünsche ist wirklich, das man sich von diskriminierenden Verhalten abwendet, egal ob auf Arbeit, im Freundeskreis und auch im Hobby. Seine eigene Meinung und Stellung hinterfragt, seine Privilegien.

Es geht nicht nur um eine Fantasywelt, es geht um Utopien und um Wünsche wie man leben will.

Ein anderer Punkt, was ich vermisst habe war von Andreas ganz klar die Ansage, auch auf RPG Gnosis, das Diskriminirung schlecht ist. Das kommt aber nicht, das wird dann als Element genommen um Stimmung zu machen, um Emotione zu Erzeugen um Charakterkonzepte zu ermöglichen die sich frei kämpfen müssen... ich verstehe es nicht. Ich finde es Pervers um ehrlich zu sein und höchst bedenklich.

Es geht hier um Meinungen, ganz klar, aber es geht hier auch um etwas anderes. Nämlich ob wir unsere Phantasie, Immigation, Träume und Wünsche von negativen Bildern beeinflussen lassen wollen oder nicht. Wie wir unsere Nichten, Neffen, Kinder und Enkel aufwachsen sehen wollen, mit welchen Werten und Idealen, welche Welt wir ihnen geben und in welcher wir leben. Als ein Verlag der Spiele verkauft, habe ich da eine besondere Verantwortung meiner Meinung nach, ich verkaufe Träume und gebe Werkzeuge die andere Menschen miteinander Zeit verbringen lassen, ich würde den Menschen eine Utopie verkaufen wollen. Ich habe mich wirklich über das Setting gefreut und ich würde mich noch mehr freuen wenn man sagen würde, bestimmte Themen wollen wir nicht in einer übergroßen Form. Wir haben Elemente und das reicht.

Vielleicht bin ich an der Stelle ein Gutmensch und ein Utopist, aber ich dachte immer Utopie und Phantasie ist das was die Welt vorwärtsbringt und nicht Diskriminierung und festhalten am Status Quo.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: SeldomFound am 09 Jul 2014, 18:12:53
Vielleicht bin ich an der Stelle ein Gutmensch und ein Utopist, aber ich dachte immer Utopie und Phantasie ist das was die Welt vorwärtsbringt und nicht Diskriminierung und festhalten am Status Quo.

Utopien können missbraucht werden.

Phantasie ist grenzenlos und machen keine Unterschied zwischen den sanften Träumen mit seinen Liebsten zu kuscheln und den düsteren Rachegedanken, wie man "dieser hässlichen Schlampe zeigen kann, wo der Hammer hängt".


Ich persönlich möchte aber nicht den Redakteuren die Verantwortung aufzwingen, für meine Gedanken verantwortlich zu sein.

Aber um dich zu beruhigen: Ich stimme dir absolut zu, dass Diskriminierung schlecht ist...


... Wobei mir gerade einfällt, dass der Stein des Anstoßes dieses Threads mein Abenteuer "Bestie vom Gévaudan" in Lorakis ist, in dem ich die Idee des Asagiri aus dem Spiel Anima umgesetzt habe, ein böser Geist, der ausschließlich Frauen in Besitz nimmt und sie in reißende Bestien verwandelt...

Uhm, bin ich jetzt wegen diesem Abenteuer ein Frauenhasser? Oder habe ich jetzt eine interessantes Szenario für ein Mystery-Abenteuer geschrieben, in dem sich die Helden mit dieser Thematik sinnvoll auseinander setzen und am Ende eine düstere Welt ein Stückchen besser machen können.

Ich würde diese Entscheidung gerne euch überlassen.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Andreas (RPGnosis) am 09 Jul 2014, 18:35:46
Ein anderer Punkt, was ich vermisst habe war von Andreas ganz klar die Ansage, auch auf RPG Gnosis, das Diskriminirung schlecht ist. Das kommt aber nicht, das wird dann als Element genommen um Stimmung zu machen, um Emotione zu Erzeugen um Charakterkonzepte zu ermöglichen die sich frei kämpfen müssen... ich verstehe es nicht. Ich finde es Pervers um ehrlich zu sein und höchst bedenklich.
Danke, dass du das ausgesprochen hast, dann kann ich mich davon distanzieren. Abgesehen davon, dass sich in meinem Blogbeitrag durchaus Sätze wie "Rassismus ist in jeder Hinsicht abzulehnen" finden, finde ich das eine ziemlich üble Unterstellung, und wäre das nicht das Internet, sondern die Realität, könnte ich dir dafür echt beleidigt sein. Andererseits gehe ich davon aus, dass du mir im wirklichen Leben so etwas nicht sagen würdest, denn du hättest keinen Grund. Ich bin hartgesottener Humanist, der zwar nicht bei Attac aktiv ist, dein Anprangerung der Missstände auf der Welt allerdings völlig unterschreibe.
Nur bin ich auch gefestigt genug, für mich festzustellen, dass Rollenspiel ein Spiel ist, und nicht zwingend viel mit dem wirklichen Leben zu tun haben muss. Ja, ich kann sogar mitunter Computerspiele mit Gewaltdarstellungen oder sogar Strategiespiele mit Kriegsthema genießen, auch wenn ich im wirklichen Leben überzeugter Pazifist und Gewaltgegner bin. Auch ich würde mir eine gerechterre und bessere Welt wünschen, denke aber, dass sich an dieser auf anderer Ebene als Übertragung von aktueller politischer Korrektheit in Rollenspiele besser arbeiten lässt.
Die Trennung von Spiel und wirklichem Leben finde ich wichtig und ein erstrebenswertes Ideal - wenn das nicht gegeben ist, ist klar, dass man sich dann anders mit Tabuthemen auseinandersetzen muss. Und, wie SeldomFound treffend sagte, Spielweltautoren sind nicht für unsere Gedanken verantwortlich.

Von daher danke, dass wir uns in der Hinsicht nochmal ausgesprochen haben, wenn du mir gegenüber keine solche üblen Vorbehalte mehr hastm, lassen wir das Thema hiermit einfach sein.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: JohnLackland am 09 Jul 2014, 20:09:35
Ich habe mit meinen Thread oben etwas über das Ziel hinaus geschossen.  Entschuldigung an der Stelle an Tilman. Danke auch für die Hinweise. Werde auch nochmal die betreffenden Stellen in den Trend ändern. Will ja auch das alles hier Knorke bleibt.

Folgende Nachricht habe ich bekommen von Noldorion:
Zitat
Hallo John,

keine Angst, das hier ist keine moderative Verwarnung, Androhung von Konsequenzen oder sonst etwas. Nur eine freundliche Bitte.

Ich kann deinen Groll und deinen Ärger über die Debatte gut nachvollziehen. Ich habe ja selbst schon sehr ausgiebig über dieses Thema diskutiert und stehe da auch auf deiner Seite. Dennoch - oder gerade deswegen - würde ich dich bitten, ein wenig darauf zu achten, wie du schreibst, was du schreibst. Scharfe Worte und Anklagen befeuern das Thema nur weiter. Wir wollen das gar nicht totschweigen oder so. Wir würden uns nur wünschen, dass alles möglichst zivilisiert diskutiert wird. So sehr ich deinen Frust nachvollziehen kann, mit scharfen Worten hilfst du der ganzen Sache nicht.

Andreas, ist in Ordnung.  Ich werde dann deinen Artikel auf den Blog kommentieren.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: arnadil am 09 Jul 2014, 20:18:20
Hui! Gut, dass der Ton sich wieder gefangen hat. John, du bist das Forenmitglied, dem ich die meisten "Danke" für Beiträge gebe und ich achte dich sehr, aber du hast ja selbst gemerkt, dass du dich bei deinem Beitrag im Ton vergriffen hast. (Und super, dass du das wieder auf eine konstruktive Ebene gebracht hast!)

Ich glaube, von allen Beteiligten schon Aussagen gelesen zu haben, die ihre Einsicht in die Verwerflichkeit jeglicher Diskriminierung klar gemacht haben. Die Bezeichnung als "Tabu" finde ich aber übrigens nicht ganz unproblematisch. Ich glaube nämlich, dass es das nicht trifft. Sondern dass da eine an- und ausgesprochene moralische Wertung vorliegt und das ist mehr als ein bloßes Tabu, das irgendwie Assoziationen von Irrationalität, Unreflektiertheit und Schwäche vermittelt (jedenfalls mir).

Das meiste ist hier schon gesagt, aber ich möchte noch zwei Dinge zum Ausdruck bringen:

1. Ich finde die Idee von "Rollenspieler gegen Diskriminierung" gut. Das könnte man sogar gerne ausweiten zu einer Art "Rollenspiel und ethische Standards"-Lobby. Ich bin dabei - ernsthaft!
Und eine Auseinandersetzung mit der Frage der moralischen Verantwortung im Rollenspiel (auch in Bezug auf andere moralische Grenzbereiche (Gewalt etc.)) würde ich (schon aus Berufsinteresse als Rechtsphilosoph) gerne in irgendeinem Rahmen intensiver führen.

2. Eine praktische Anwendungsfrage: Ich verstehe (und teile diese Meinung), dass man im Rollenspiel nicht auch noch von seinen Alltagsproblemen belästigt und verletzt werden will. Aber mich würde interessieren, inwiefern es euch nicht auch in gewisser Weise reizt, im Spiel eine Handhabe gegen solche Ungerechtigkeit zu haben. Es kann ja auch eine schöne Vorstellung sein, eine Frau zu spielen, die es schafft, sich gegen alle Widerstände zu wehren; einen verrückten Rassisten zu bekämpfen, der medizinische Experimente an Vargen durchführt etc. Es kann reizvoll sein, dies als Feindbild (nicht als gesellschaftliche und unkritisch dargestellte Normalität) bekämpfen zu können und damit Erfolg zu haben. Ja, manchmal kann es vielleicht sogar reizvoll sein, menschliche Abgründe im Spiel nachzuvollziehen und sich damit auseinanderzusetzen (bspw. spielen ja viele durchaus Schläger, Schurken, Betrüger, Lügner und Co.).
Ich kann mich als weißer Heteromann, der auch noch materiell ordentlich situiert und akademisch gebildet ist, tatsächlich - trotz allem Engagement für Gleichberechtigung, Menschenrechte und eine gerechtere Gesellschaft - nicht letztlich in die Situation hineinfühlen.
Meine Fragen dazu also: Reizt euch, sofern ihr betroffen seid, das Bekämpfen solcher Bösewichte? Oder sogar das Sich-Hineinversetzen in solch verwerfliche Gedanken? Gibt es Betroffenen eine Möglichkeit der kreativen Auseinandersetzung und Verarbeitung? Oder stören euch auch solche Feinbilder und Auseinandersetzungen eher und ihr wollt lieber einfach eure Ruhe davon?


EDIT: Noldorions PN finde ich übrigens völlig okay und teile ich so.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: flippah am 09 Jul 2014, 20:28:28
was ich aus diesem Thread mitnehme:

1. es ist wichtig, dass man sich in der Spielrunde einig ist, was geht und was nicht
2. um das nicht zu behindern, sollte man als Autor entsprechend vorsichtig mit solchen Themen umgehen.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Noldorion am 09 Jul 2014, 20:35:39
Hallo,

eins vorweg: Das hier ist nichts weiter als meine persönliche Meinung. Ich spreche hier nur für mich, nicht für den Verlag oder die anderen Autoren. Ich versuche hier nur, mein eigenes Fazit zu ziehen.

Welche Gründe gibt es dafür, das Thema Diskriminierung im Rollenspiel so zu behandeln, wie wir es behandeln - nämlich es aus Lorakis weitgehend auszuklammern, es lediglich als Schwäche oder als Feindbild anzubieten?

Ich sehe zwei Gründe.

Das eine ist eine persönliche Sensibilität. Wie schon öfter erwähnt, ist Diskriminierung - gleich ob auf Basis des Geschlechts, der Sexualität, der Religion, der Herkunft oder sonst etwas - immer noch auch in unserer "aufgeklärten" Gesellschaft alltäglich. Anders als die meisten anderen Tabuthemen sind sehr viele Leute persönlich davon betroffen - auch sehr viele Leute, von denen wir hoffen, dass sie unser Spiel spielen. Sicher ist es damit immer noch ein persönliches Tabu, aber das spielt überhaupt keine Rolle. Bedeutend hierfür ist nur, dass viele Leute davon betroffen sind. Natürlich kann ich hier keine Zahlen und keine Fakten anbieten, sondern mich nur von meinem Gefühl leiten lassen. Aber mein Gefühl sagt mir, dass die Anzahl der Leute, die von diesem Thema betroffen ist und die sich damit auch nicht spielerisch auseinandersetzen will, so signifikant ist, dass man darauf Rücksicht nehmen sollte - sogar Rücksicht nehmen muss. Und anders als viele andere tabu-ähnliche Themen, wie zum Beispiel Gewalt, kann ich Diskriminierung weglassen, ohne dabei die Gestaltung eines Fantasyrollenspiels einzuschränken.

Das zweite ist eine grundsätzliche Frage. Muss ein Rollenspiel moralisches Vorbild sein? Kann es nicht auch einfach Eskapismus sein? Vielleicht, wenn auch Eskapismus in beide Richtungen geht, in Richtung Dystopie oder Utopie. Aber auch, wenn ein Rollenspiel einfach Eskapismus sein kann, heißt das noch lange nicht, dass es auch einfach Eskapismus sein muss. In diesem Zusammenhang fällt sehr oft der "Vorwurf", jemand, der moralisches Vorbildhandeln fordere, sei "pädagogisch" und würde andere Leute "erziehen" wollen. Ganz davon abgesehen, dass ich nicht weiß, wieso pädagogische Erziehung etwas negatives sein sollte: Darum geht es nicht. Es geht nicht darum, anderen Leuten Denkweisen aufzuzwingen oder sie dazu zu zwingen, ihr Verhalten zu ändern. Es geht darum, die Augen für ein Problem zu öffnen, dass nur allzu oft totgeschwiegen und übersehen wird. Und dieses Öffnen der Augen erreicht man nicht, indem man selbst beide Augen zudrückt und sich darauf beruft, dass es ja schließlich "nur ein Spiel" sei. Auch ein Spiel kann bedeutungsvoll sein. Auch "nur ein Spiel" kann in der persönlichen Bedeutung weit über das hinauswachsen, was es eigentlich ist. Ich zumindest bin mir sehr sicher, dass das Rollenspiel als Hobby mein Verhalten nachhaltig beeinflusst hat. Es ist also tatsächlich die Frage, was für ein Bild wir zeichnen wollen, für die Spieler, für die Welt Lorakis, für alle, die vielleicht zukünftig noch damit anfangen werden.

Ist also ein Rollenspiel der richtige Ort, um ein moralisches Vorbild zu liefern? Das weiß ich nicht. Aber ich weiß eines: Es ist ganz sicher auch nicht der falsche Ort. Denn für derartige Dinge gibt es keine falschen Orte.

Und daher bin ich froh, wirklich froh, dass Lorakis eine Welt ist, auf der Gleichberechtigung und Toleranz gelten.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Drakon am 09 Jul 2014, 21:27:07
Noch mal von mir (der bislang nur interessiert mitgelesen hat) ein anderer, vielleicht weniger tiefschürfender, aber pragmatischer Gedanke:
Wie man nicht zuletzt an diesem Thread sieht sind v.a. die genannten Themen (Sexismus, Homophobie, Rassismus, etc.) geeignet gerade auch Outgame für Streit und Missstimmung zu sorgen - selbst bei Leuten die grundsätzlich einer Meinung sind (oder etwas hochtrabender gesagt: Mitglied einer Wertegemeinschaft). Selbst bei einer Gruppe, die im realen Leben hinsichtlich dieser Punkte ziemlicher Konsens herrscht, gibt es leicht hitzige Wortgefechte um genaue Formulierungen, die richtige Art der Auseinandersetzung mit diesen Themen oder in wieweit man so etwas eben tabuisiert, totschweigt, forciert zur Sprache bringt etc. Wie gesagt: dieser Thread ist ein ziemlich deutlich Beleg dafür, ich habe es aber auch z.B. oft in politischer Jugendarbeit erlebt.

Ich gehe davon aus, dass die meisten von uns Rollenspiel zur Unterhaltung spielen, als Hobby, um nach einem harten Arbeitstag oder am Wochenende auszuspannen und den Kopf auf Reisen zu schicken. Ich gehe weiterhin davon aus, dass man das in den meisten Fällen zusammen mit Leuten macht, die man gut (oder zumindest einigermaßen gut) leiden kann.
Es ist daher eine Art Selbstschutz für einen gelungenen Abend, potentiell konfliktbehaftete Themen innerhalb des Rollenspiels auszuklammern.
Ich wäre der letzte der behauptet, dass eine gute Diskussion (durchaus sogar hitzig geführt) nicht auch unterhalten kann und man so einen gelungenen Abend bestreiten kann. Wenn man sich aber zum Rollenspiel trifft, will man nunmal erzählen und die Würfel rollen lassen, Lorakis erleben und seinen Abenteurer phatastische Ereignisse erleben lassen. Man möchte eher nicht eine 4,5-stündige intellektuell fordernde Diskussion auf Spielerebene erleben, wo sich vermutlich einige am Tisch ausklinken, der ein oder ander evtl. sogar den Raum verlassen und besonders sensible oder in irgendeiner Weise persönlich getroffene Leute in Tränen ausbrechen.

Oder anders gesagt: Wenn ich in einen Blockbuster-Sommerkino-Film gehe, möchte ich eigentlich nicht als Vorfilm eine handwerklich durchaus gut gemachte, aber sehr tiefgehende und betroffen machende Dokumentation über eines der vielen wirklich gravierenden Probleme dieser Welt sehen.
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: La Cipolla am 09 Jul 2014, 22:25:35
Der beste Film ist imho immer der seltene Blockbuster, der dich trotz seines Blockbustings so richtig aufrütteln kann ... oder dich zumindest nicht für vollkommen dumm verkauft. ;D Nolan macht da sehr gute Arbeit, um mal ein typisches Beispiel zu nennen.

Von dieser seichten Kritik an allzu klaren Linien mal abgesehen gebe ich dir aber Recht. Vor allem, wenn wir hier von einem Spiel wie Splittermond reden, dass durchaus ein Allrounder für den Mainstream sein will. Es gibt ja durchaus auch Rollenspiele, die ihren Fokus anders legen (wer keins kennt, kann ja beispielsweise mal einen Blick in Mars Colony werfen).
Titel: Re: Sexismus und Homophobie in Lorakis?
Beitrag von: Drarsus am 09 Jul 2014, 22:29:57
Ist nicht auch eine Stärke von Lorakis, dass die Welt, zumindest derzeit noch relativ offen ist?
Und um es mit Pipi Langstrumpfs Worten zu sagen:
Zitat von: Pipi Langstrumpf
Ich mach' mir die Welt - widdewidde wie sie mir gefällt