Autor Thema: Magiergilden in Dragorea  (Gelesen 1835 mal)

Waldviech

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Magiergilden in Dragorea
« am: 01 Aug 2014, 17:07:09 »
Gestern in meinem neu erworbenen Regelband fand ich beim Durchblättern eine recht interessante Stelle: Da Magie so sehr verbreitet ist, bringt man hauptberuflichen Zauberern keine atemlose Ehrfurcht entgegen, sondern respektiert sie eher so, wie man auch einen Handwerkermeister respektieren würde. Irgendwie sorgt das bei mir grade für ein recht interessantes Bild für potentielle dragoreische Magiergilden:
Normalerweise werden Magiergilden in Fantasysettings ja eher etwas abgehoben geschildert. Was aber nun, wenn es in Dragorea Magiergilden gäbe, die sich tatsächlich eher an mittelalterlichen Gilden und weniger an Geheimorden und frühen Universitäten anlehnen?
An Magie ginge man natürlich ziemlich hemdsärmelig heran - mehr Praxis, weniger mystisches Geseier. Magier dieser besagten Richtung leben nicht archetypisch allein  in irgendwelchen Türmen, sondern wohnen wie andere städtische Handwerker auch zusammen mit ihrer Familie in einem Stadthaus. Genau wie in Handwerkergilden gibt es die üblichen Querelen, Kompetenzgerangel und Intrigen. Genau wie in anderen Handwerkergilden ist die Gildenbürokratie komplizierter und konfuser als das magische Handwerk selbst. Genau wie bei anderen Handwerkergilden wird bei Gildentagungen ganz ungeniert gesoffen bis der Arzt kommt (OK, bei der Zauberergilde fliegen die Bierkrüge per Telekinese durch die Luft, aber ansonsten). Die Ausbildung könnte darüber hinaus auch ähnlich ablaufen wie im mittelalterlichen Handwerk. Man hängt selten an irgend einer Zaubererakademie herum, sondern geht bei einem Meister in die Lehre und lernt Zauberei nach dem Prinzip "Learning by Doing".  Wie in anderen Lehrberufen lebt der Lehrling im Haushalt des Meisters und geht ihm zur Hand. Natürlich gibt es auch einige Rituale bei diversen Prüfungen. Vielleicht besteht die Gesellenprüfung in der Durchführung eines komplexen Zaubers vor einem Gildenprüfungsgremium oder so. Das wichtigste (und abenteuerrelevanteste) wäre allerdings: Gildenmagier praktizieren die schöne Sitte der Wanderjahre. Um vom Zauberergesellen zum Meisterzauberer werden zu können, muss ein Geselle sich für X Jahre auf Wanderschaft begeben, um fremde Orte kennenzulernen, Lebenserfahrungen zu sammeln und andernorts neue Formen der Zauberei zu erlernen.

Alagos

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Re: Magiergilden in Dragorea
« Antwort #1 am: 01 Aug 2014, 17:19:47 »
Oh die Idee gefällt mir sehr gut. Ich kann mir richtig gut vorstellen so einen Wanderlehrling zu spielen. Ich denke auch, dass es mehr Magiergilden in Lorakis gibt, wie du sie vorschlägst.
Die "klassische" Magierakademie wird da eher selten vorkommen und sich eher mit Spezialgebieten beschäftigen(Nuum ist so ein schönes Beispiel :D).

Doch... je weiter ich das spinne, desto lustiger finde ich das. Da könne man auch schöne Städte bauen. Zum Beispiel eine, in der 4 Gilden der jeweiligen Elemenatarschulen das Sagen haben und die anderen Gilden eher unterdrückt haben. Jetzt schließen sich aber die Licht und die Schattengilde zusammen und gemeinsam die Macht zu übernehmen, während die Heilerschule gemeinsam mit der Erkenntnisgilde eher außen stehen und der lachende Dritte sein wollen.

Hach... Intrigen(auch in diesem Bereich) sind einfach was feines :D.
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Waldviech

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Re: Magiergilden in Dragorea
« Antwort #2 am: 01 Aug 2014, 17:26:30 »
Aber sowas von! Genau das ist es, was mir vorschwebt! Hübsch find ich halt auch, dass das erlauben würde, Magie mal in einer völlig anderen Art vorkommen zu lassen.  Statt "Erstarre in Ehrfürcht vor meiner müstischen Macht!" wäre der typische Magierschnack eher:
"Ein verzaubertes Schloss für eure Geldtruhe, sagt ihr. Natürlich bieten wir sowas an - wir haben da mehrere verschiedene Qualitätsstufen im Angebot. Gut, das Ihr zu uns gekommen seid - unser Preis-Leistungsverhältnis ist nach wie vor das Beste in der Stadt! Bei Truhen aus Eibenholz müssen wir euch allerdings einen Aufpreis berechnen. Eibenholz leitet die magischen Energien so schlecht, wisst Ihr? Da sind dann zusätzliche Sigillen notwendig. Ich schicke euch erst einmal meinen Gesellen vorbei, für einen Kostenvoranschlag. "  ;D

SeldomFound

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Re: Magiergilden in Dragorea
« Antwort #3 am: 01 Aug 2014, 17:36:59 »
Bedenkt aber dabei, dass zuviel Magie an einem Ort nicht gut fùr die Umwelt ist. Daher werden die Gildenhäuser vom Aussehen her hervorstechen.

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Waldviech

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Re: Magiergilden in Dragorea
« Antwort #4 am: 01 Aug 2014, 17:45:02 »
Wird wohl - zumal die Gilden, wie andere Gilden ja auch, sich mit ihren Gildenhäusern ja auch profilieren wollen. Ist die Gilde reich, wird vermutlich auch mit viel Brimborium magischer Natur geprotzt. Umweltschäden durch Magie sehe ich in diesem Zusammenhang ähnlich wie Umweltschäden durch Bergbau, Manufakturen, etc.pp. Klar wird sowas auch auftreten.
Da ließe sich dann vielleicht sogar das lorakische Äquivalent des typischen 70er-Jahre-Rache-der-Natur-Horrorfilms als Abenteuer umsetzen. Es tauchen irgendwo urplötzlich ungewöhnliche Monster auf, die die Helden natürlich bekämpfen sollen. Auf der Suche nach dem Ursprung der Monster finden die SC dann heraus, dass die Monster durch Pfusch und unverantwortlichen Umgang mit Magie quasi nebenher entstanden sind. Die örtliche Gilde will das natürlich vertuschen, weil es schlecht fürs Geschäft wäre, wenn sowas rauskommt.

Khaine

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Re: Magiergilden in Dragorea
« Antwort #5 am: 01 Aug 2014, 21:59:02 »
"dem selenischem Magiermittelstand ging es noch nie so schlecht wie heute!"

"Soll ich mir wirklich jemanden von der Magiergilde holen um das Relikt zu reparieren?  Kennst du nicht irgendeinen dieser Midstädter Magier der es billiger macht. Du weißt ja, wenn ich mir einen von der Gilde hole, bedeutet jedes "Oh" am Ende fünfzig Lunare mehr"

"Schatz, Du kannst das nicht reparieren, ruf doch einfach einen von der Gilde"
- "Damit die mir die Lunare aus der Tasche zaubern? Ne, das krieg ich schon hin - MIST!"

ok, eher moderne Erscheinungsformen, aber Magie als gewöhnliches Handwerk gefällt mir auch. Da kommen bestimmt noch ne Menge anderer lustiger Ideen.
Jede menge "Schwarzmagier" aus dem gebeutelten Midstadt die hier in Selenia ohne Gildenzulassung nach besseren Einkommen suchen und günstig ihre Dienste anbieten. Oder ein reicher Händler der sich im Ausland von einem Magier günstig ein Artefakt hat bauen lassen und nun ständig Probleme damit hat und eine Abenteuerergruppe schließlich beauftragt sich mit dem Scheißding auseinander zusetzten um das Problem zu lösen.


Wie würdet ihr in eine Welt wo Magie so alltäglich ist, wohl so Wander-Quacksalber mit ihren "magischen" Wundertinkturen darstellen? Glaubwürdig das es da ne Menge Scharlatane gibt die einem nutzlose Pülverchen und Fläschchen andrehen die ihr Geld nicht wert sind oder doch ernst zu nehmende Konkurrenz für die hiesige Gilde mit wirtschaftspolitischen Intrigensprengkraft?
« Letzte Änderung: 01 Aug 2014, 22:04:04 von Khaine »

Waldviech

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Re: Magiergilden in Dragorea
« Antwort #6 am: 01 Aug 2014, 22:43:57 »
Käme drauf an. Sicherlich könnte ein gut ausgebildeter Gildenmagier ein paar Dinge wesentlich besser als ein umherziehender Quacksalber. Ne interessante Vorlage für solche Konflikte wäre im Übrigen auch in der echten irdischen Historie zu finden! Wikipedia sagt da zusammengefasst beispielsweise Folgendes:

Neben den Zünften gab es „Freie Gewerbe“ und Sozietäten, die im Rang weniger geachtet waren und meist auch in geringerem Maße obrigkeitlich beaufsichtigt waren. In ihren Sitten und Einrichtungen eiferten sie gleichwohl dem Vorbild der angesehenen Zünfte nach.

Handwerker, die sich als Künstler durch besonderes Können auszeichneten oder als Unternehmer mit ihrer Wirtschaftskraft aus dem Zunftniveau herausragten, bekamen von der Obrigkeit gelegentlich den Status eines Freimeisters. Sie sind vergleichbar den Hofhandwerkern, die als Beschäftigte des Adels den städtischen Ordnungsstrukturen entzogen waren.

Zitat
Zünfte besaßen auf die Arbeiten, auf die sie privilegiert waren, ein Monopol. Allenfalls auf Messen oder Jahrmärkten durften konkurrierende Produkte angeboten werden. Doch gab es allerorten eine quantitativ schwer zu fassende Schicht von Handwerkern, die in Norddeutschland so genannten Bönhasen, die außerhalb der Zünfte heimlich arbeiteten. Darunter waren Soldaten, die von ihrem Sold nicht leben konnten, Seeleute, die sich im Winter Arbeit an Land suchen mussten. Es gab darunter Gesellen, die wegen Heirat oder anderen „Verfehlungen“ aus der Zunft ausgeschlossen worden oder sonst irgendwie in ihrer Handwerkerlaufbahn gescheitert waren. Von den Zunftmeistern wurden sie angefeindet und verfolgt, als Bönhasen lächerlich gemacht und als „Pfuscher“, „Störer“ oder „Stümper“ abqualifiziert. Es wurde ihnen auch mit Gewalt „das Handwerk gelegt“, indem die Zunftmeister bei ihnen eindrangen und Arbeiten samt Werkzeugen an sich nahmen. Von den Obrigkeiten wurden diese Gewalttätigkeiten geduldet, doch die „kleinen Leute“ ergriffen bei diesen gelegentlich in Schlägereien ausartenden „Bönhasenjagden“ oft die Partei der billiger arbeitenden Illegalen. Ferner gehörten zur handwerklichen Unterschicht Flickschuster und Kesselflicker, die vielen Hilfskräfte in den Textilgewerben und ähnlich gering qualifizierte Berufen, die teils in der Zunft, teils außerhalb, teils geduldet, teils verfolgt, teils in der Stadt, teils in den Vorstädten und auf dem Lande, aber immer nur am Rande des Existenzminimums ihr Auskommen fanden.

Will man  die Ganze Sache finsterer ausgestalten, dann könnten einige besonders mächtige Magiergilden sogar sowas wie lokale "Hexenverfolgungen" vom Zaun brechen, indem sie "Bönhasen-Magiern" Schlägertrupps auf den Hals hetzen oder Ähnliches.