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Autor Thema: Alles zum Schein / Bewertung & Rezensionen  (Gelesen 1834 mal)

Clawdeen

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Alles zum Schein / Bewertung & Rezensionen
« am: 14 Okt 2018, 13:10:19 »
Da zu dem Buch noch kein Thread besteht (oder ich habe ihn übersehen), lege ich mal einen an.

Hier könnt ihr eure Meinung zum Roman Alles zum Schein abgeben.
Das Ganze ist im Uhrwerk Web-Shop als Buch erhältlich.

Wiki-Artikel
Alles zum Schein


Klappentext:
Der junge Adlige Hagen von den Goldquellen tritt mit seiner Volljährigkeit seine Ausbildung zum Magier in der Akademie Splitter und Geist an. Doch die lobpreisenden Worte seines Vaters über die Akademie weichen schnell der Erkenntnis, dass er die Ausbildung hier nur antreten soll, um möglichst weit weg vom heimischen Hofe zu sein. Statt einer intensiv betreuten Zaubererausbildung mit bemühten Mentoren in einer gepflegten Akademie erwartet ihn ein beklemmendes Gemäuer fernab freundlicher Menschen. Mitschüler und Lehrer sind Hagen nicht wohlgesinnt und machen ihm das Leben schwer.
Eine Begegnung mit einem wild fantasierenden Besucher der Akademie lässt Hagen noch ratloser zurück. Was faselt der Fremde von einem Geheimnis der Akademie und Verrätern unter den Mentoren?
Hagen muss das Rätsel lösen, doch wem kann er dabei vertrauen?

Alles zum Schein ist ein moderner Fantasy-Roman mit Krimi- und Gruselelementen aus der preisgekrönten Splittermond-Reihe.
« Letzte Änderung: 15 Okt 2018, 08:41:11 von Thallion »

Clawdeen

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Re: Alles zum Schein / Bewertung & Rezensionen
« Antwort #1 am: 14 Okt 2018, 13:12:31 »
Auf diesen 4. Roman war ich ja außerordentlich gespannt, wie ich schon im Stechginsterpodcast kundgetan habe. Liegt einfach daran, dass ich sowohl Bock auf Splittermondromane habe als auch gerade auf Grusel, Horror, Thriller, Mystery etc.
Mit entsprechend hoher Erwartungshaltung bin ich an den Roman herangegangen ... und die wurden voll erfüllt.

Den Klappentext fand ich vorweg ein wenig lang und zugleich wenig sagend. Daran hat sich auch nach der Lektüre nichts geändert. Jetzt finde ich ihn eigentlich noch weniger gut. Das ist aber so ziemlich mein einziger Kritikpunkt.

Statt lang rumzuschwafeln holt Vincent Voss einen gleich rein in ein "Äh, hier stimmt doch was nicht!". Schon da war ich begeistert und sehr gespannt auf die weitere Entwicklung.

Ich mag die Charaktere, die oftmals eher durch Macken und Schwächen als durch Stärken und Heldenhaftigkeit auffallen und im Gedächtnis bleiben, mag aber ebenso, dass ihre individuellen Stärken trotzdem im Verlauf immer deutlicher werden und alle Charaktere einen guten Ausblick bekommen. Manch einer dieser Ausblicke wurden von mir beim Lesen mit einem überraschten und begeisterten "Whoooaaa!" begleitet, andere sind stiller. Und an dieser Stelle auch gleich der Hinweis: Nicht jeder Charakter erlebt das gesamte Buch. Manche verliert man auf dem Weg, andere kommen hinzu. Und auch das ist herrlich.

Es gibt neben nebulösen und mystischen Szenen durchaus ein paar lustige, ein paar sehr emotionale, und vor allem gibt es durchaus derbe und relativ explizite Gewaltszenen verschiedener Art in dem Buch. Wer da sehr zart besaitet ist, sollte sich darauf vielleicht vorweg einstellen.
Auch ich als begeisterte Leserin von Horror und Co. saß bei der (für mich) ersten Szene dieser Art ein wenig ungläubig da und habe noch 2x mit einem "Wait ... what!?" nachgelesen, bevor ich auch das ziemlich gefeiert habe.

Neben den unterschiedlichen Tönen bei den Szenen mochte ich ebendas auch bei der Verwendung von Sprache an sich. Da gibt es sehr kurze Sätze und sehr viel längere. Es gibt Absätze, die sehr reich an Adjektiven und Synonymen sind und andere, die man eher als schnörkellos bezeichnen kann. Es gibt ungewohnt geschwollenes Reden, Alltagsgespräche und ebenso derberes Fluchen. Es ist einfach alles drin; und selbst diese "Meta"dinge habe ich beim Lesen wahnsinnig genossen.

Und wie "splittermondig" ist das Ganze nun geworden? Sehr. Sehr, sehr.
Ich muss an dieser Stelle sagen, dass ich den 3. Roman noch nicht gelesen habe, der ja schon viele sehr positive Rückmeldungen bekommen hat (da ging Grusel/Horror für mich vor Fernost ... kommt aber als nächstes dran!). Mit dieser deutlichen Einschränkung aus insgesamt 4 Romanen, hehe, ist dieser hier bisher für mich persönlich der beste, splittermondigste und rundeste Roman.
Einfach so nebenbei erhält man liebevolle Details, werden Wesen, Götter, Feste, Monde etc. eingewoben. Wunderbare Beschreibungen von Magie und davon, wie sie sich anfühlt, Nennungen von Orten, Persönlichkeiten und Konflikten, und zu guter letzt zwei ganz besondere Dinge:
1. Ich habe bei einigen Kampfbeschreibungen die Tickleiste gesehen!  ;)
2. Ein fetter Inhalt zu einem der "Gerüchte" von Lorakis sozusagen (will ich hier natürlich nicht spoilern) - wie herrlich!1elf

Nichts in diesem Roman ist überflüssig. Dutzende Seiten später oder auch erst zum Ende hin werden Dinge relevant oder tauchen wieder auf, von denen man anfangs schon gelesen hat.

Einfach ganz und gar hervorragend. Ganz und gar. Hervorragend.
« Letzte Änderung: 14 Okt 2018, 13:17:18 von Clawdeen »

Sturmkorsar

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Re: Alles zum Schein / Bewertung & Rezensionen
« Antwort #2 am: 14 Okt 2018, 14:15:55 »
Ich bin da recht gespalten in der Meinung zu dem Roman.
Handwerklich war er großartig. Hat sich gut gelesen und die düstere, unheimliche Athmosphäre war sofort da.
Inhaltlich fand ich den Roman weniger gut.
Mich hat es etwas gestört, wie die Charaktere dargestellt wurden. Ich hatte teilweise den Eindruck, der Autor kann sich nicht entscheiden, wer der Hauptcharakter sein soll. Der ein oder andere Hauptcharakter hatte eine Phase, wo er/sie stark dargestellt wurde, doch nach dieser Phase hat er dann teilweise deutlich an Bedeutung verloren. Gerade Hagen als "erklärte Hauptfigur" fand ich ziemlich blass. Und dass bei einer Figur angedeutet wurde, dass hinter ihr deutlich mehr steckt und dies am Ende nicht nur nicht aufgelöst, sondern komplett ignoriert wurde, hat mich ziemlich gestört.

Splittermondig fand ich den Roman eigentlich nicht sonderlich. Mit minimaler Anpassung hätte der Roman in jeder beliebigen Fantasy-Welt spielen können.  Ob man die zu beschwörenden Kreaturen nun Dämonen oder Feenwesen nennt, macht da keinen großen Unterschied.
Und wenn wir schon bei der Beschwörung von "bösartigen Feenwesen" sind: Sehr unglücklich fand ich es, dass wir genau den gleichen Plot schon bei "Nacht über Herathis" hatten.

Weltenwanderer

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Re: Alles zum Schein / Bewertung & Rezensionen
« Antwort #3 am: 15 Okt 2018, 12:15:56 »
Ein paar Anmerkungen meinerseits:
1. Mir bereitete die Lektüre große Freude:
  • Das Setting ist toll - eine Art trostloses Hogwarts, in dem der junge Held niemanden trauen kann und in dem es immer noch schlimmer kommt, als der Leser dachte.   
  • Sprachlich trifft der Autor auch den richtigen Ton; das Buch liest sich flüssig und erzeugt Atmosphäre. In vielen Szenen konnte ich richtig die Kälte spüren, das Laub riechen, die Spinnenweben in den Kellergewölben fühlen etc.
  • Ich fand die Geschichte sehr spannend! Von allen drei Splittermond-Romanen, die ich kannte, ist dieser am fesselndsten. Ich wollte ihn abends gar nicht mehr aus der Hand legen, auch wenn ich schon längst hätte schlafen müssen :-) Die Spannung kommt allerdings weniger aus der großen Verschwörung, um die es geht (siehe unten), sondern aus dem Schicksal der Figuren: Einerseits bleibt unklar, wer noch eine geheime Agenda hat, andererseits verschont der Autor seine Helden auch nicht und lässt auch eine Figur sterben, bei der ich es sicher nicht erwartet hätte.
  • Mir haben auch die zahlreichen Anspielungen an Klassiker der Horror-/-Suspense-Literatur gefallen: Die erste Szene in der Kutsche erinnert an den Anfang von Dracula; es gibt mehr als nur eine Hommage an Lovecraft, außerdem erinnern die Rätsel an den Da-Vinci-Code.

2. Als Splittermond-Roman leistest das Buch ebenfalls gute Arbeit und macht große Lust auf den Magieband, der am Donnerstag (hoffentlich!) erscheint. Mehrfach habe ich mich gefragt, ob der Autor vielleicht schon Insider-Infos hat bzw. wie viele Beschreibungen im Buch Kanon sind (anders als Sturmkorsar glaube ich nicht, dass der Roman in x-beliebiges Setting gehört; dazu sind die Anbindungen zu Lorakis doch zu dicht).
  • Die Darstellung zweier Ratten als Tier-Vertraute fand ich super und einen guten Ideengeber, wozu solche Vertraute in der Lage sind / eben auch nicht in der Lage sind und manchmal eigenwillig sein können. (Ich kenne allerdings den Bestienmeister-Band nicht und weiß nicht, wie regelkonform die Interaktion mit den Ratten ist)
  • Ohne zu viel zu verraten: Es geht im Buch um ein langwieriges, aufwändiges Ritual. Da bin ich natürlich neugierig, wie dies zu den Regeln im Magie-Band passt, z:B. welche Rolle das Material Thaumarium spielt.
  • Schließlich, ein Punkt, an dem ich besonders unsicher bin, ob es nicht zu Overpowered ist und auf Eure Meinung gespannt: Im Buch kommt ein Material vor, das "Schlangenmoos" heißt und anscheinend nicht gelöscht werden kann, wenn es einmal brennt - gibt es so etwas irgendwo in den Regeln?
  • Achja, und dann wird auch das
    Sorry but you are not allowed to view spoiler contents.
    auf eine sehr schöne und stimmungsvolle Weise, die Lust auf mehr macht!

3. Es gab auch ein paar Punkte, die mir beim Lesen negativ aufgefallen sind, die aber meine Lesefreude nur wenig getrübt haben (aber hier trotzdem genannt werden sollten):
  • Ein zentrales Handlungselement ist tatsächlich sehr klischeehaft und  kommt so auch schon im Roman "Nacht über Herathis" vor (ich gehe aber davon aus, dass der Autor den Vorgängerroman noch nicht kannte). Obwohl dieses Element also sehr vorhersehbar ist und möglicherweise dem einen oder anderen zu abgegriffen vorkommt, wird es hier zumindest gut ausgeführt. Fantasy-Literatur ist leider oft klischeehaft, und in dieser Hinsicht bekommt auch "Alles zum Schein" keinen Preis für Originalität. Mich hat das aber nicht allzu sehr gestört.
  • Sturmkorsar spricht ebenfalls schon an, dass die ursprüngliche Hauptperson Hagen im Laufe des Buches eher in die zweite Reihe tritt und insgesamt recht blass bleibt.
  • Schließlich kam mir eines der Rätsel/Geheimnisse unlogisch vor:
    Sorry but you are not allowed to view spoiler contents.
    Tatsächlich hat dieser Punkt mich am meisten irritiert, weil er die Immersion stört.

Alles in allem hat mir das Buch riesig gefallen und ich kann es durchaus weiterempfehlen - und das, obwohl ich am Anfang eher skeptisch war, denn Horror-Bücher sind nicht so meins. Trotz der Abzüge für den angesprochenen Mangel an Originalität (s.o.) gebe ich dem Buch eine 1 minus; in dem Rahmen eines Rollenspiel-Fantasy-Romans leistet es nicht nur das, was es soll (spannend unterhalten und Lust auf die Welt machen), sondern tut dies auch intelligent und mit dem einem oder anderem Twist, bei dem mir ernsthaft die Luft weggeblieben ist.
« Letzte Änderung: 16 Okt 2018, 04:56:13 von Weltenwanderer »

Clawdeen

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Re: Alles zum Schein / Bewertung & Rezensionen
« Antwort #4 am: 15 Okt 2018, 17:03:55 »
Man soll ja hier nicht diskutieren, darum nur kurz:

Zitat
Schließlich kam mir eines der Rätsel/Geheimnisse unlogisch vor

Sie hat es doch vorher gemalt. Sie wusste nicht, was sie erwartete, sondern hoffte auf weitere Hinweise. Ist dann aber "blöd" gelaufen.
So hab ich das verstanden.

Erstaunlich, dass du das in den Spoilertag gesetzt hast, aber den letzten Punkt im Absatz davor nicht (da steht ja sogar "Spoiler!?" - ich finde, ein sehr dicker sogar).

Weltenwanderer

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Re: Alles zum Schein / Bewertung & Rezensionen
« Antwort #5 am: 16 Okt 2018, 05:07:14 »
@Clawdeen: Ah, OK, dann habe ich jetzt den Spoiler-Tag gesetzt - ich fand ihn nicht so schlimm, weil es für die Handlung keine große Rolle spielt.
Für mich bleibt übrigens trotzdem die Erklärung zum Gemälde (im Buch S.154) unbefriedigend, auch wenn Du vielleicht Recht hast
Sorry but you are not allowed to view spoiler contents.
Aber, um diesen Kritikpunkt mal einzurahmen: Im Da-Vinci-Code hatte ich ständig solche Irritationen durch Logiklöcher, in diesem Roman war es die einzige.

Dim Lovac

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Re: Alles zum Schein / Bewertung & Rezensionen
« Antwort #6 am: 11 Nov 2018, 09:10:48 »
Ist steige kurz und knapp ein, bevor es etwas länger wird.

Ist Alles zum Schein ein gutes Buch? Nein, absolut nicht.
Ist es unterhaltsam? Teilweise.
Wäre Alles zum Schein ein Film, wäre es vermutlich eine billig produzierte Direct-to-Video-Splatterorgie. Und mitunter verströmt das Buch den Charme alter VHS-Kassetten. Zum reinen Trashvergnügen fehlt aber doch einiges – vor allem, dass der Autor sich in einen Gewaltexzessen zu sehr gefällt und damit nicht nur Figuren am laufenden Band tötet, sondern auch jegliche Atmosphäre.

Das größte Manko sind die Figuren, die nicht nur die charakterliche Tiefe eines Bierdeckels besitzen, sondern in sich keinen Sinn machen. Gegen Ende scheint der Autor sich dessen selbst bewusst zu sein, wenn er seine Figuren kommentieren lässt, dass sie selbst nicht verstehen, warum sie jenes tun oder anderes können. Zudem habe ich lange kein Buch mehr gelesen, das dermaßen nicht wusste, welchen Figuren es folgen sollte. Es ist einfach fürchterlich unfokussiert!

Dass die vermeintliche Hauptfigur gar nicht die Hauptfigur ist, wurde schon in anderen Rezensionen angesprochen. Es scheint, als habe der Autor hier gar kein Konzept verfolgt, so willkürlich springt er zwischen den Figuren hin und her, folgt plötzlichen Charakteren, die wir erst wenige Seiten vorher kennengelernt haben und die lange nicht mehr als ein Name waren, nur um dann diese oder jene wieder fallen zu lassen.

Überhaupt: Die überwiegende Anzahl an Figuren sind nicht mehr als Namen – oder allenfalls ein zusätzliches Attribut wie ›blond‹. Es haben sich bei mir einfach keine Bilder von den meisten Figuren eingestellt. Dass mancher Komparse eigentlich ein Zwerg ist, erfährt man z.B. recht spät.

Die Eindimensionalität der Figuren nimmt dem Buch jegliche Spannung, umso mehr, je weiter es voranschreitet. Ich fiebere nicht mit den Figuren. Was nützt eine noch so gelungene Kampfbeschreibung, wenn mir die daran Beteiligten unbekannt oder egal sind? Da bekämpfen sich über mehrere Seiten zwei Söldner, von denen ich gerade mal die Namen kenne. Oder eine Figur, die nur für diese Szene eingeführt wurde, kämpft verbissen gegen eine Überzahl, deren Motivation ich (noch) nicht kenne. Es ist gleichgültig, wer hier gewinnt, weil mich keine Figur interessiert.

Dafür wird sich in einem selbstverliebten Detailgrad in ausufernden Beschreibungen des Gemetzels ergangen. Aber auch das lässt mich kalt. Erst einmal, weil es in einer solchen Häufigkeit auftritt, dass es ermüdet. Zum anderen, weil alle Figuren so abgebrüht sind, dass es sie selbst völlig kalt lässt. Ein Höhepunkt der Ungläubigkeit war für mich erreicht, als ein junges Mädchen ein massenhaftes Abschlachten ohne mit der Wimper zu zucken anschaut, dann aber beim Anblick eines Spinnenbeins in katatonische Starre verfällt. Die ›Helden‹, deren Schicksal mich bewegen soll, sind selbst überwiegend so abgebrühte Mörder, dass sie das Grauen nicht berührt – und mich als Leser daher auch nicht. Dafür soll ich mich dann plötzlich um eine Figur sorgen, die mir so gründlich wie vor Klischees triefend als hassenswert verkauft wurde, dass mich der plötzliche Sinneswandel nur ratlos zurücklässt.

Diese Willkürlichkeit hat gerade das letzte Drittel zur Qual gemacht. Es gab nur wenige Charaktere, von denen ich ein lebendiges, glaubhaftes Bild hatte. Die anderen blieben – wie die Schurken (deren Dilemma interessant sein könnte, wenn man bloß irgendetwas über sie und ihre ursprüngliche Motivation wüsste – flach und austauschbar.

Ein lorakisches Gefühl kam bei mir nicht auf. Lorakis ist eine magische Welt, in der jeder Zaubern kann. Dafür, dass zwei wichtige Figuren ein gelernter und ein angehender Magier sind und die Handlung an einer Zauberschule angesiedelt ist, wird sehr wenig gezaubert. Dabei hätte man gerade hier wunderbar ›Alltagsmagie‹ zeigen können. Würde man in diesem Buch aber zwei Monde vom Himmel nehmen und finstere Feen durch Dämonen ersetzen – es könnte in jeder generischen Fantasywelt spielen.

Bitter sind mir auf der handwerklichen Seite zudem die sprachlichen Stilblüten aufgestoßen. Man merkt sofort, wann der Autor beim Schreiben eine Metapher oder Redewendung gefunden hat, auf die er stolz war: Im Folgenden benutzte er sie sehr inflationär, teilweise mehrmals auf einer Seite. Später tauchte sie nicht mehr auf.

Fazit: Das Buch hat seine Momente und es gibt ein paar wirklich sympathische Idee. Nach einem starken und vielversprechenden Anfang wird der Roman jedoch immer konfuser, bis er sich zu einem hanebüchenen Schlachtfest steigert. Leider glänzt Alles zum Schein nur oberflächlich. Es wird damit zwar seinem Titel gerecht, ist unter dem Strich aber eine herbe Enttäuschung. Note 4.

Konsumlumpen

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Re: Alles zum Schein / Bewertung & Rezensionen
« Antwort #7 am: 02 Dez 2018, 23:23:00 »
Insbesondere das Ende ist tatsächlich sehr spannend geblieben, obwohl das Finale sich über EINIGE Seiten erstreckte! Hut ab.

Tena Breuer

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Re: Alles zum Schein / Bewertung & Rezensionen
« Antwort #8 am: 30 Jan 2019, 14:02:49 »
Ich liege auf einer Ebene mit Sturmkorsar und Weltenwanderer. Auch Dim Lovacs Kritik kann ich gut nachvollziehen finde sie aber zu extrem ausgedrückt. Ich betrachte den Roman trotzdem nochmal in meinem Stil (auch zum Vergleich mit den anderen Romanen). An den einzelnen Rezensionen kann man gut erkennen wie unterschiedlich die Erwartungen an einen Splittermondroman sind.

•   Vom Titel her hatte ich noch mehr Ränkespiel, Komplott oder Illusion erwartet, aber der Roman wird dem letzten Satz vom Klappentext wirklich gerecht und ist „gruselig-spannend“.
•   Die Charaktere sind nicht schlecht, etwas verwirrend fand ich, wie von meinen Vorrednern schon angesprochen die Unklarheit wer jetzt eigentlich eine Hauptfigur ist und wer nicht, aber vielleicht ist das auch am ehesten mit dem Titel „Alles zum Schein“ gemeint.  ;)  Im Kapitel „Zeit danach …“ wird vieles aufgeholt, was ich mir zumindest in Andeutungen schon früher gewünscht hätte. Viele Charaktere weisen interessante Züge auf nur Baora hätte in meinen Augen noch einen zusätzlichen Hintergrund gebraucht um wirklich stimmig zu sein. Wie gesagt kann ich die Kritik von Dim Lovac gut verstehen, sehe aber trotzdem noch positive Aspekte.
•   Die Beschreibung der Region ist lokal sehr begrenzt und bietet nicht so viele Anregungen, ist aber für die Geschichte auch nicht zentral, denn die Stimmung wird gut über die regionalen Beschreibungen eingefangen. Eine Umgebungskarte statt Glossar und Weltbeschreibung hätte ich gut gefunden.
•   Die konkrete Benutzung von Magie ist mir zu wenig dargestellt, besonders weil es um eine „Magieschule“ geht. In der zweiten Hälfte wird es etwas besser, aber insgesamt bin ich diesbezüglich echt enttäuscht. Die Schule muss sich überhaupt nicht mit Hogwarts vergleichen, aber ich wäre auch gar nicht auf die Idee gekommen das zu tun und das ist dann schon sehr unmagisch.
•   Die mythische Domäne spielt leider nicht wirklich eine Rolle (immerhin werden zwei Götter erwähnt) bzw. wird vielleicht etwas mit der magischen vermischt, aus der spirituellen Domäne kommen ein paar Geister vor die auch ganz passend eingesetzt sind, aber wirklich genutzt wird nur die magische Domäne. Die Pyramiden von Pirimoy fand ich hier aber deutlich anregender auf Grund der vielfältigeren Verknüpfungen und aufgezeigten Veränderungsmöglichkeiten.
•   Der Plot ist insgesamt wie beabsichtigt sehr düster aber stimmig. Einige Hinweise finde ich wie Weltenwanderer in der Logik nicht überzeugend. Die Ausrichtung des Ziels bzw. die Motivation der Gegenspieler ist mir inzwischen irgendwie zu gewöhnlich, ich hoffe nicht, dass sich jeder vierte Roman so ausrichtet, aber dieser Punkt wurde schon angesprochen und ist stark abhängig von dem was man sonst so in Splittermond erlebt.

Ich bereue es nicht den Roman gelesen zu haben, brauchen ihn aber auch nicht als Nachschlagewerk, anders als beim ersten wo ich mir den Feenmarkt vielleicht wiederholt ansehen werde und beim dritten, wo ich noch eine Weisheiten wiederfinden will.
Der Charakter ruht auf der Persönlichkeit, nicht auf den Talenten. (Goethe)

Anguisis

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Re: Alles zum Schein / Bewertung & Rezensionen
« Antwort #9 am: 01 Feb 2019, 15:08:26 »
Als Fan von Gothic-Horror fand ich die Stimmung im Roman gut getroffen. Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass es immer Nacht oder zumindest zwielichtig war.

Charaktere fand ich auch ziemlich oberflächlich dargestellt; wobei ich es sehr gut fand, dass der Sprachstil der Charaktere nicht einheitlich war, sondern deren Background gerecht wurde (auch wenn ich die Rede in der 3. Person nervig finde).

Lorakis hab ich nicht wiedergefunden. Gelegentlich hatte ich sogar den Eindruck als wären Bezüge zur Welt nachträglich in kurzen Absätzen nachträglich eingefügt worden. So nach dem Motto: Na, jetzt müssen mal wieder zwei - vier Splittermondeigene Wörter (z.B. Erinnerungen an lorakische Regionen) eingebaut werden.

Das Finale hingegen hat mich wieder etwas gepackt. Das war über lange Zeit spannend; auch wenn teilweise etwas überzogen (z.B. Baora und die Ratten) .

I am The Ancient, I am The Land

Sindaja

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Re: Alles zum Schein / Bewertung & Rezensionen
« Antwort #10 am: 28 Feb 2019, 17:35:17 »
Auch hier wieder ein 2er von mir. Noch hat mich kein Roman umgehauen, aber ganz im Regen stehen gelassen oder aufgeregt auch nicht.
Der Schreibstil las sich sehr flüssig und es war oft genug ausreichend spannend, daß ich einen Abschnitt auch noch fertig lesen wollte. Weniger poetisch als Der "Phönix", aber auch nicht so "sachlich" wie die "Pyramiden".
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Das Flair ist düster und erinnerte mich irgendwie an verregnetes England, was sich somit etwas anders liest als die Vorgängerromane. Insgesamt ein gut lesbares Buch, das ich vielleicht nicht meinen literarisch anspuchsvollen Freunden in die Hand drücken würde, aber dafür umso mehr jemanden, der einen "Magier" spielen möchte und Ideen für einen Hintergrund braucht.

Meister Hildebrand

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Re: Alles zum Schein / Bewertung & Rezensionen
« Antwort #11 am: 21 Mär 2019, 10:38:43 »
Ich konnte den Roman recht zügig durchlesen und mir hat er ganz gut gefallen.
Es war ein netter Zeitvertrieb und ich hatte nie das Gefühl, dass ich meine Zeit vergeude.

Dann habe ich noch probiert ein paar Infos über die Akademie im Selenia-Band zu finden, bin aber nicht fündig geworden.
Mir hätten da ein paar ergänzende Infos ganz gut gefallen, sodass dieser Roman auch als Abenteuer verwendet werden könnte... ;)

barbarossa rotbart

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Re: Alles zum Schein / Bewertung & Rezensionen
« Antwort #12 am: 22 Apr 2019, 17:28:55 »
Ehrlich gesagt, hat mir dieser Roman nicht gefallen. Er gehört mit zu den schlerchtesten Splittermond-Romanen, die ich gelesen habe. Ich kam irgendwie nicht in die Geschichte hinein. Und die Charaktere waren alle irgendwie uninteressant oder wurden viel zu schnell umgebracht, aber wenigsten konnte man ihre Motivation nochvollziehen. Da der Roman für mich eine reine Qual war, gibt es nur eine 4.