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« Letzter Beitrag von Takur am 25 Okt 2025, 06:09:34 »
Die seidene Stadt: Teil II (Spoiler für das Abenteuer „Die seidene Stadt“)
Kintai, zwischen Atasato und Senrai (Akira, Hao)
Die „Seidene Stadt“ wurden bis zur Grenze des Gankoda-Territoriums von Truppen des Daimyos begleitet. Akira achtete darauf, dass es zu keinen Reibereien zwischen seinen Soldaten und den fürstlichen Truppen kam. Allerdings gab es weiterhin Spannungen unter den Händlern der Karawane. Am Abend rastete man unweit der zerstörten Burg Ishikama. Diese hatte einst einem Rivalen von Fürst Gankoda gehört und war zerstört worden, als die Gankoda sich das Recht eroberten, die „Seidenen Stadt“ zu beherbergen.
Die Abenteurer trafen sich mit ihrem – vorerst maskiert bleibenden – Kontaktmann zum kaiserlichen Geheimdienst, auch wenn Hao auf dem Weg zum Treffpunkt mehr Aufmerksamkeit auf sich zog, als ich lieb war. Die bisher von den Helden gefundenen Spuren einer Verschwörung gegen die „Seidenen Stadt“ waren zu vage, um Verhöre oder gar Verhaftungen zu rechtfertigen. Stattdessen sollten die Helden einige der Personen observieren, die sie als mögliche Kontaktpersonen der Rebellen identifiziert hatten. Andere würde der Geheimdienst überwachen. Akira wollte zudem die Kriegerpriesterin Aki im Auge behalten, die ebenfalls etwas zu verbergen schien. Dass sie ihm gefiel und Akira ihre kämpferischen Fähigkeiten bewunderte, spielte dabei freilich auch eine Rolle. Allerdings stieß er rasch mit Satomi, der Ritenmeisterin der „Seidenen Stadt“ zusammen, die einen Groll gegen den aus einem verfeindeten Klan stammenden Akira hegte. Etwas erfolgreicher war Akira dabei, für die Überwachung einer als Rebellen-Kontaktperson verdächtigten Händlerin einen ihrer Konkurrenten zu rekrutieren.
Hao stellte derweil Erkundigungen zu zwei als mögliche Rebellen-Kontakte identifizierten Gesellschafterinnen an. Allerdings erregten ihre Fragen Aufsehen und sie beschloss, für einige Tage die Füße still zu halten.
Jedoch wurde die Aufmerksamkeit der Helden schnell abgelenkt: Einige Mitreisende erkundeten die Ruinen der Burg Ishikama, obwohl – oder weil – es dort spuken sollte. Die Helden mussten zwei Soldaten aus Akiras Trupp und der vargischen Geschichtenerzählerin Kitsuki helfen, die von einem Poltergeist attackiert wurden. Die Helden mussten einige Blessuren hinnehmen. Während Akira seine Untergebenen ob ihres Leichtsinns abkanzelte, versorgte Hao die Wunden.
Am nächsten Tag erreichte die Karawane die Grenze des Gankoda-Territoriums. Offensichtlich herrschte zwischen Gankoda Saburo und der benachbarten Daimyo keine Freundschaft. Die zur Begrüßung aufmarschierten Drachenrohr-Schützen waren ebenso eine Ehrenbezeugung gegenüber der Karawane, wie eine Warnung an den ehrgeizigen Fürsten. Während Akira vor allem mit der Außensicherung des Zuges beschäftigt war, nutzte Hao den Tag, um sich mit der vargischen Geschichtenerzählerin Kitsuki anzufreunden. Hao hoffte, die von den Helden Gerettete als Informationsquelle unter den Dienstleistenden der Karawane zu gewinnen. Allerdings hatte die Affenpriesterin mehrmals den Eindruck, beobachtet zu werden.
Eine kleine Schar Myuriko-Priesterinnen, die die entlang der Straße errichteten Schreine pflegte, schloss sich dem Zug an. Die jungen Priesterinnen fanden freundliche Aufnahme – nur die Kriegspriesterin Aki schien Abstand zu halten. Darauf angesprochen, blockte Aki die Fragen Akiras geschickt ab und lenkte das Gespräch auf die Schwierigkeiten der Reise. Anscheinend war sie an möglichen Fehlern der „Stadtherrin“ Tomoe interessiert. Akira gab mehr preis, als klug gewesen wäre.
Am nächsten Abend gab es neue Komplikationen: unter den selenischen Händlern grassierte ein ansteckendes Fieber. Das sorgte für Spannungen, da einige Kintarai – nicht zuletzt Ritenmeisterin Satomi – grundsätzlich gegen die Präsenz der Fremden waren. Hao half bei der Untersuchung der Kranken. Sie stellte fest, dass das gefährliche Fieber von Parasiten-Bissen verursacht wurde. Linderung war möglich, doch eine Heilung nicht einfach. Immerhin konnte eine weitere Ausbreitung verhindert werden. Auch dank Haos Unterstützung konnte „Stadtherrin“ Tomoe verhindern, dass die Spannungen eskalierten.
Auf Haos Vorschlag begann Akira sich umzuhören. Die heilkundige Affenpriesterin hielt es für möglich, dass die Parasiten gezielt freigesetzt worden waren, um die Karawane zu sabotieren und Unfrieden zu stiften. Zwar fand Akira keine dahingehenden Hinweise, hörte aber, dass eine Arbeiterin seltsam silbrig-glänzende Insektenpuppen gefunden hatte. Akira stöberte die Finderin auf und kaufte ihr die Puppen ab, die sie im Lagerbereich der Kintarai-Händler gefunden hatte. Die Puppen waren ungewöhnlich groß, hatten eine erstaunlich harte Oberfläche und waren laut Hao magisch. Die Helden schlossen den Fund weg und beschlossen, weitere Erkundigungen anzustellen.
Da Akira aufgrund der Nachforschungen das mit Aki vereinbarte Kampftraining versäumte, kaufte er in einem nahegelegenen Dorf eine magisch konservierte Lotosblüte als Entschuldigung. Die junge Kantioku nahm das Geschenk an, schien aber bezüglich Akiras Intentionen etwas misstrauisch.
Am folgenden Tag wurde das Gelände hügeliger. Akira, dessen Trupp die Flanke der Karawane sicherte, bemerkte eine einzelne Person, die dem Zug folgte und immer wieder auf verschiedenen Seiten der Karawane auftauchte. Als er der Sache nachging, traf er auf einen seltsamen Fremden mit einer Rabenmaske. Der Mann (?) behauptete, ein reisender Kräutersucher zu sein. Akira vermutete, dass sich hinter der Maske ein Tengu verbarg. Diese rätselhaften Rabenmenschen hatten einen zwiespältigen Ruf, doch erschien Akira der Fremde harmlos. Kurzerhand lud er den Kräutersammler ein, den Abend im Lager zu verbringen.
Das Lager zu errichten, war in dem hügligen Gelände nicht einfach, weshalb die Zelte und Wagen weiter verstreut standen, was die Bewachung erschwerte. Derartige kleinere Probleme wurden von Ritenmeisterin Uome Satomi kritisch kommentiert. Der Tengu (?), den Akira ins Lager eingeladen hatte, stieß bei einigen Reisenden auf Misstrauen, doch Akira konnte die Lage beruhigen. Für die Geschichten der Helden revanchierte er sich mit einigen lokalen Legenden. Er wusste einiges über den heiligen Berg Kirameki no Yama, die übernächste Station der „Goldenen Stadt“. Der dortige Feenmarkt präsentierte sich im Wechsel als der gefährliche aber besonders lukrative „Markt der Nacht“ oder aber als der deutlich sicherere „Markt des goldenen Lichts“. Laut dem Tengu wurde der Berg und Markt von einem Oni namens Irjoku regiert.
Der nächste Tag führte die Karawane weiter durch das Hügelland. Spätabends überquerte man eine monumentale Steinbrücke, die bei dem Siegeszug Myuriokos vor einem halben Jahrtausend von der Lebenden Göttin selbst erschaffen worden war. Deshalb gab es einige hochgezogene Augenbrauen, als Akira seinem Trupp befahl, das Bauwerk nach Schwachstellen abzusuchen. Akira war der Meinung, dass die Elemente dem Werk der Göttin kaum etwas anhaben konnten, gezielte Sabotage aber etwas anderes sei. Doch die Soldaten wurden nicht fündig und die Karawane setzte ungehindert ihren Weg fort. Am Abend veranstalteten die den Zug begleitenden Priesterinnen eine feierliche Andacht. Wieder hielt sich die Priesterkriegerin Aki im Hintergrund.
Ansonsten verliefen der Abend und der folgende Marschtag wohltuend ereignislos und man erreichte die nächste Station: die Stadt Yokosawa. Diese lag, von kleinen Burgen gegen Banditen und feindliche Adlige gesichert, am Ufer des tiefblauen Gezu-Sees. Als eine Station auf dem Siegeszug der Lebenden Göttin Myuriko war die 5.000 Einwohner zählende Stadt ein beliebtes Ziel für Pilgernde, namentlich aus den hier einstmals in den Adel erhobenen Familien, und zudem berühmt für ihre große, frei zugängliche Bibliothek.
Die Fürstin von Yokosawa, Zakur Azumi, war persönlich gekommen, um die „Seidene Stadt“ willkommen zu heißen. Das „Erblühen“ des Lagers wurde allerdings unterbrochen, als das aus dem Boden beschworene Wasser sich als eine widerlich stinkende, blassviolette Brühe erwies. Sofort begannen unter den Mitgliedern der Karawane und den in großer Zahl aus der Stadt und dem Umland gekommenen Zuschauenden Gerüchte umherzuschwirren. Es wurde beschlossen, die „Seidene Stadt“ an einer anderen Stelle „erblühen“ zu lassen. Allerdings war der Ausweichstandort weiter von der Stadt entfernt und lag am Rande eines Waldes. Auch wenn der Aufbau des Lagers diesmal durch kein böses Omen unterbrochen wurde, herrschte eine gewisse Unruhe.
Die Helden glaubten weder an einen Zufall noch an ein böses Omen, sondern vermuteten gezielte Sabotage. Während Hao eine Probe des kontaminierten Wassers sicherte, behielt Akira den ursprünglichen Rastplatz im Auge. Tatsächlich fielen im zwei Personen auf: Ein Arbeiter schien sich für den Boden zu interessieren, und das gleiche galt für die Kantioku Aki. Akira sprach die Kampfpriesterin an, die zwar erneut aus ihrer Skepsis gegenüber „Stadtherrin“ Tomoe kein Geheimnis machte, aber bereit war, ihre Erkenntnis mit Akira zu teilen. Sie hatte im Boden Spuren eines seltsamen Pulvers gefunden – vermutlich die Ursache der Wasserkontamination. Akira konnte Aki überzeugen, ihren Fund nicht nur Ritenmeisterin Uome Satomi, sondern auch „Stadtherrin“ Suguri Tomoe zu zeigen. Auch Hao hatte Erfolg: mithilfe eines Alchemisten der Karawane hatte sie in dem Wasser „Krötenquarz“ gefunden – eine Substanz, die mit dem von Aki gefundenen Pulver identisch war. Das Pulver war schwach giftig, aber bei Kontakt mit Wasser sehr übelriechend.
Die Helden brachten ihre Funde und Erkenntnisse „Stadtherrin“ Tomoe vor. Auf ihren Vorschlag wurde die Außensicherung des Lagers verschärft. Zudem patrouillierten Spähtrupps die Ausläufer des Waldes. Die Helden, die sich mit Aki an der Erkundung beteiligten, fanden einige Fußspuren und sichteten kurz eine verdächtige Person, stießen allerdings auf keine eindeutigen Hinweise auf einen drohenden Angriff.
Zurück im Lager hatten die Helden wenig Muße, das bunte Treiben zu genießen, weil sie die Augen nach möglichen Bedrohungen offenhielten. Allerdings ließ sich Hao von den zahlreichen Ständen und den vielen Besuchenden doch etwas ablenken. Akira fielen hingegen einige verdächtige Gestalten auf, die einen Juwelierstand beobachteten. Dass die drei weiche, bequeme Laufschuhe statt den bei einfachen Leuten üblichen Sandalen trugen, machte sie noch verdächtiger – zumal die Helden im Wald auf Spuren von ähnlichem Schuhwerk gestoßen waren. Akira alarmierte Hao, damit die Helden die Verdächtigen abwechselnd im Auge behalten konnten.
Die Helden rechneten mit einem Überfall und einem Ablenkungsmanöver vom Wald aus. Dennoch waren sie überrascht, als nicht nur vom Waldesrand Pfeile und einzelne Gewehrkugeln ins Lager flogen, sondern gleichzeitig an verschiedenen Stellen in der „Seidenen Stadt“ Flammen aufflackerten und Waffenlärm laut wurde. Die Angreifer erwiesen sich als zahlreicher und besser organisiert als die Helden gedacht hatten. Dennoch konnten die Helden im Verbund mit den Wachen des Juweliers die an dieser Stelle Angreifenden rasch zurückschlagen und zwei der Banditen festsetzen, wobei sich besonders Hao auszeichnete. Sie half auch bei der Versorgung der Verwundeten und rettete einen der Feuermagie kundigen Alchemisten vor einem hinterhältigen Angriff, sodass dieser die auflodernden Brände unter Kontrolle bekommen konnte.
Akira half bei der Organisierung des Widerstandes. Bei der Verfolgung der sich inzwischen zur Flucht wendenden Angreifer war er hingegen weniger erfolgreich, da er in der Dunkelheit vom Pferd stürzte. Die berittenen Soldaten konnten einige Banditen stellen und ihnen – angeführt von Aki, die auf eigene Faust die Verfolgung aufgenommen hatte – einige Beutestücke abjagen, darunter die zwei Quirin-Fohlen. Die meisten der Räuber verschwanden allerdings im Wald. Der Angriff hatte die Banditen ein halbes Dutzend Tote und vier Gefangene gekostet. Doch auch unter den Zivilisten und Kämpfern der „Seidenen Stadt“ gab es Verletzte und Tote. Beträchtliche Werte waren zerstört oder gestohlen worden.
Dass damit die die „Seidene Stadt“ umgebenden Intrigen noch nicht vorbei waren, zeigte sich, als Hao eine junge Frau auffiel, die einem der toten Banditen heimlich etwas abnahm und zwischen den Zelten verschwand. Eine Untersuchung des Toten ergab, dass er nicht durch eine Klinge, sondern durch einen (vergifteten?) Wurfstern gestorben war. Immerhin konnten die Helden die junge Frau identifizieren: Es handelte sich um Hikibi, die Gehilfin eines heilkundigen Masseurs der „Seidenen Stadt“. Die junge Frau war schon bei den früheren Ermittlungen der Helden als eine mögliche Kontaktperson der Myuriko-feindlichen Rebellen identifiziert worden und hatte sich jetzt natürlich an die Spitze der Verdachtsliste katapultiert. Die Helden hinterließen eine entsprechende Warnung für ihren Kontaktmann zum kaiserlichen Geheimdienst am vereinbarten Ort.
Am nächsten Tag suchte Hao die berühmte Bibliothek Yokosawas auf, in der vergeblichen Hoffnung, die vor einigen Tagen gefundenen magischen Insektenpuppen zu identifizieren. Anscheinend kamen die Insekten aber aus einer sehr fernen Anderswelt - vielleicht einer dragoreischen?
Akira half währenddessen, die Folgen des Überfalls zu beseitigen. Er beteiligte sich auch am Verhör der gefangenen Banditen, wovon sich Hao lieber fernhielt. Die brutalen Verhör- und Strafmethoden Kintais waren ihr fremd. Allerdings verlief das Verhör recht blutarm: Akira schlug vor, den Gefangenen beim Einzelverhör im Gegenzug für ihre Kooperation einen Verzicht auf die Todesstrafe anzubieten. Tatsächlich war eine von Akira am Vorabend gefangene Banditin bereit, ihre Kameraden zu verraten:
Die Angreifer hatten zu der Fünf-Tiger-Bande gehört. Der Plan für den Überfall auf die „Seidene Stadt“ war die Idee ihres Räuberhauptmanns Gotora gewesen, der leider entkommen war – ebenso wie der Spitzel, den er in die Tributkarawane eingeschleust hatte. Da die Bande aus einem etliche Tage entfernten Niemandsland operierte, das von keinem der Klans kontrolliert wurde, erschien eine Verfolgung wenig aussichtsreich.
Bei der feierlichen Kremierung der Gefallenen der „Seidenen Stadt“ wurde das Auftauchen eines Kranichschwarms als ein Zeichen der Lebenden Göttin gedeutet, was die angeschlagene Moral stärkte. Die Asche der Toten würde die „Seidene Stadt“ bis nach Senrai begleiten.
Anschließend wurden jene belobigt, die sich bei der Verteidigung des Lagers ausgezeichnet hatten. Hao gehörte zu denen, die besondere Würdigung fanden. Ihr sollte die Ehre zuteilwerden, an der Präsentation der Tributgaben vor der Lebenden Göttin teilzunehmen.
Akira erhielt zwar auch lobende Worte, aber sein blamabler Sturz brachte ihm von Seiten seines Vorgesetzten und seiner Untergebenen auch Spott ein. Der junge Krieger ertrug das mit steinerner Miene. Zudem durften sich die Helden aus dem Sortiment des von ihnen geretteten Juwelier ein Schmuckstück aussuchen und erhielten die Waffen der von ihnen bezwungenen Banditen.
Auch wenn die „Seidene Stadt“ ihren Betrieb nach dem Angriff rasch wieder aufnahm, blieb die Stimmung angespannt. Als Hao zusammen mit Akira beim Fürstenpalast von Yokosawa eine prachtvolle Katze für die Menagerie der „Seidenen Stadt“ abholte, wurden die Helden von einigen anderen Mitgliedern der Karawane abgepasst – darunter der „Arbeiter“, der Akira bei dem alten Lagerplatz aufgefallen war. Die drei identifizierten sich als Mitglieder des kaiserlichen Geheimdienstes. Alarmiert von der Nachricht der Helden bezüglich der Verdächtigen Hikibi wollten sie aktiv werden: die Masseurin und ihr Meister sollten festgesetzt werden, ebenso die Kurtisane Himmelsblume, die mehrfach Kontakt mit Hikibi gehabt hatte. Auch die Helden waren der Meinung, dass es zu riskant sei, länger zu warten. Akira hatte Himmelsblume bereits wegen ihrer Beziehung zum Kommandeur der Reiterei der Karawane misstraut. Deshalb war er mit seinem Vorgesetzten aneinandergeraten und wollte sich jetzt an der Verhaftung der Verdächtigen beteiligen. Die Helden würden Himmelsblume festsetzen, während die Agenten sich um Hikibi und ihren Meister kümmerten.
Die Helden beschlossen, die Kurtisane aus ihrem Zelt zu locken. Da Himmelsblume Akira vermutlich misstraute, würde Hao die Botin eines vorgeblichen Klienten spielen. Akira rekrutierte zwei Soldaten seines Trupps, mit denen er Himmelsblume unter dem Vorwand festsetzen würde, man habe sie des Diebstahls beschuldigt.
Die Aktion lief nicht ganz wie erhofft. Zum einen weckte Hao das Misstrauen der Verdächtigen, konnte es aber zerstreuen. Doch bei der versuchten Verhaftung leisteten Himmelsblume und ein Varg, der ihr gefolgt war, erbitterten Widerstand. Die Helden und ihre Helfer wurden dadurch gehandicapt, dass sie die Kurtisane unverletzt festsetzen wollten. Das gelang schließlich, aber das Ganze war nicht gerade unauffällig geblieben. Die Gefangenen wurden gefesselt, durchsucht – wobei man Giftkapseln fand – und in einem der Wachzelte festgesetzt. Während Akira die Gefangenen im Auge behielt, eilte Hao zu dem Geheimdienst-Trupp, der ebenfalls auf heftigeren Widerstand als erwartet gestoßen war. Hikibi schaffte es, Gift zu schlucken, doch konnte Hao sie stabilisieren und mithilfe eines der Alchemisten der „Seidenen Stadt“ ein Heilmittel herstellen. Alles in allem war die Operation ein Erfolg mit Schönheitsfehlern: die Sache hatte Aufsehen erregt. Falls weitere Verschwörer im Lager waren, würden sie vermutlich alarmiert sein, auch wenn die Helden und ihre Verbündeten ausstreuten, die Verhaftungen stünden in Zusammenhang mit einem Diebstahl beziehungsweise dem kürzlichen Räuberüberfall.
Hao hielt sich aus den in den nächsten Tagen anlaufenden Verhören der Rebellen heraus. Akira hatte keine solchen Skrupel, war aber keine große Hilfe. Hikibi und Himmelsblume erwiesen sich als extrem widerspenstig. Hikibis Meister war hingegen wohl nicht Teil der Verschwörung gewesen, sondern hatte nur als ahnungslose Tarnung gedient und wurde freigelassen. Hingegen erwies sich der Varg, der Himmelblüte bei ihrer Verhaftung zur Hilfe geeilt war, als aussagewillig – vermutlich auch, weil er nur ein Gehilfe war. Immerhin konnte er mitteilen, dass die Verschwörer eine größere Aktion planten, die aber erst in der kaiserlichen Hauptstadt Senrai stattfinden sollte. Dort sollte eine örtliche Kontaktperson mit Hikibi Verbindung aufnehmen, deren Identität dem Varg jedoch unbekannt war.
Bei der Durchsuchung der Habseligkeiten der Verhafteten wurden neben Giften und verborgenen Waffen auch eine Summe Geld sowie – deutlich mysteriöser – vier Bohnensamen gefunden. Eine Untersuchung enthüllte diese als magisch. Die Helden, denen die nötigen magischen Fähigkeiten fehlten, suchten die Unterstützung der Ritenmeisterin Satomi. Auch wenn sie erneut „Stadtherrin“ Tomoe kritisierte und aus irgendeinem Grund Akiras Interesse an der Kampfpriesterin Aki ablehnte, war sie auf jeden Fall Patriotin.
Auf Satomis Vorschlag hin wurden die seltsamen Bohnensamen in einer kontrollierten Umgebung magisch zum Keimen gebracht. Aus ihnen spross jeweils ein einzelnes Blatt, das eine Strichzeichnung trug, deren Bedeutung vorerst ein Rätsel blieb.
Vielleicht würde man ja bei der nächsten Station der „Seidenen Stadt“, auf dem Feenmarkt, Mittel finden, um die Gefangenen zum Reden zu bringen – oder Experten, die mit den seltsamen Insektenpuppen etwas anfangen konnten. Ganz offensichtlich war die Gefahr noch nicht vorbei.
Dennoch nutzte Hao die verbleibenden Tage in Yokosawa, um sich nach dem Stress der letzten Tage ein wenig zu entspannen. Auch Akira besichtigte die Stadt und suchte – trotz des Missfallens von Ritenmeisterin Satomi - weiter den Kontakt zu Aki. Die junge Kampfpriesterin schien nichts dagegen zu haben, vielleicht auch, weil Akira ihr gegenüber mehr ausplauderte, als klug war.
Die öffentliche Hinrichtung von drei der gefangenen Räuber (die vierte hatte sich durch ihre Aussage eine Verbannung gesichert) dämpfte die Stimmung nur kurz. Die meisten sahen die harte Strafe für völlig gerechtfertigt an. Ansonsten verlief der weitere Aufenthalt in Yokosawa erfreulich ereignislos und die Karawane konnte fristgerecht aufbrechen.