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Nachrichten - Takur

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Eine Waffe für eine Göttin
Kintai, Hauptstadt Senrai (Akira, Luo, Ren)

Während ihres Aufenthalts in Senrai hörte sich Ren interessehalber nach hiesigen Geistererscheinungen um. Natur- und Tiergeister wurden vielfach als Diener und Gefolge Myurikos verehrt. Etwas anderes war es mit Totengeistern: Obwohl Ahnenverehrung auch in Kintai praktiziert wurde, wurden solche Geister oft als tragische oder feindselige Wesen gesehen und in der Regel möglichst gebannt. Todesmagie war generell verpönt.
Unter anderem hörte Ren von einer bösartigen Erscheinung in Gestalt einer Magistratin, die zhoujiangische Besucher Senrais angriff. Die Myuriko-Priesterschaft hatte die Erscheinung statt bannen nur eindämmen können. Rens Nachforschungen zufolge erschien der Geist das erste Mal vor etwa 150 Jahren. frühere Ermittlungen waren aus unbekannten Gründen rasch eingestellt worden. Die Neugier der Magierin war geweckt.

Ren konnte einige Plätze ermitteln, an denen die Erscheinung erschienen war.
Um mehr über die früheren Ermittlungen und den Grund für ihren Stopp zu erfahren, bat Ren Akira zu Hilfe. Als adliger Schwertalb würde er einfacher bei den offiziellen Stellen nachhaken können. Akira stellte fest, dass die Berichte zu der Erscheinung unvollständig waren. Jemand musste sie nachträglich zensiert haben. Immerhin konnte Akira einen Priester ermitteln, der an den Untersuchungen beteiligt gewesen war. Von dem alten Alben erfuhr Akira, dass es sich bei der Verstorbenenn um eine ehemalige Mitarbeiterin der zhoujiangischen Botschaft namens Lu handelte, die unter fragwürdigen Umständen verstorben sei. Hinter der Einstellung der Untersuchung hatte angeblich der Kintarai-Geheimdienst gesteckt: Die Angelegenheit erhielt mit einmal eine politische Dimension.
Ren, die gleichzeitig die Familien der ehemaligen zhoujiangischen Oberschicht befragte, die nach Myurikos Sieg ihre Macht eingebüßt hatten, stieß auf Gerüchte, dass die Kintarai-Behörden zeitgleich zu dem Tod der Gesandten gegen einen Kult vorgegangen waren, der einen der alten Tiergeister der Vor-Myuriko-Zeit verehrt und sich gegen die Göttliche Kaiserin positioniert hatte. Gab es da einen Zusammenhang? Gerüchten zufolge hatten die Verschwörer Kontakte zu einigen schwertalbischen Adligen gehabt. Vermutlich hatten die Behörden deshalb so schnell zugeschlagen. Angeblich war im Zuge der „Säuberung“ ein kleines Adelshaus, die Kohone, ausgelöscht worden – allerdings ohne, dass offiziell Anklage gegen sie oder die Kultisten erhoben worden sei. Akiras Recherchen in der Kirche Myurikos untermauerten die Gerüchte. Er erfuhr zudem den vollständigen Namen der verschwundenen Beamten: Lu Bao. Ihre Aufgabe war offenbar der Kontakt zu in Senrai lebenden Exilanten und ehemaligen zhoujiangischen Adligen gewesen.

Um zum Kern der Geschichte vorzustoßen, wollte Ren die Geistermagistratin beschwören. Die Helden mieteten sich in einem Gasthaus ein, in dem der Geist früher wiederholt erschienen war. Solange die von der Myuriko-Kirche in der Stadt platzierten Bannsprüche aktiv waren, blieb eine Kommunikation mit der Geistererscheinung allerdings unmöglich. Deshalb beschlossen die Helden, ein Wagnis einzugehen: Nachdem Akira eine (halbe) Erlaubnis seitens der Myurijko-Kirche eingeholt hatte, entfernten die Helden einen der Bannsprüche. Vorher gingen sie sicher, dass sich während der Beschwörung in dem Gasthaus außer Ren keine Zhoujiangi aufhielt, der den Zorn der Erscheinung auf sich hätte ziehen können. Da sie im Umgang mit Geistern versiert war, konnte Ren die zornige Geisterfrau beruhigen und befragen.
Zu Lebzeiten war es Lu Baos Auftrag gewesen, Kontakt zu Gegnern Myurikos zu knüpfen, die Zhoujiang gegebenenfalls zur Schwächung des Nachbarreiches hatte benutzen wollen. Im Zuge dessen hatte sie von den Kultisten erfahren. Doch diese erwiesen sich als gefährlicher als gedacht und entwickelten den Plan, eine Waffe zu schmieden, mit der man eine Göttin verletzen könne. Angeblich wandten sie sich düsterer Magie zu und knüpften Kontakte ins ferne Esmoda, wo die göttertötende Waffe dann tatsächlich geschmiedet worden sei. Lu Bao bekam kalte Füße und warnte ihre Vorgesetzten, dass die Angelegenheit zu eskalieren drohe. Doch diese beschlossen, alle Spuren der Verwicklung Zhoujiangs zu beseitigen. Lu Bao wurde ermordet und in einem anonymen Massengrab verscharrt. Der Kult, der sich mit seinen nur halb eingeweihten adligen Günstlingen zerstritt, sei dann von den Kintarai zerschlagen worden. Lu Bao hatte nach dem Tod keine Ruhe gefunden, und ein ihr selbst rätselhafter Zorn hatte sie immer wieder dazu getrieben, ihre Landsleute anzugreifen – bis die Bannzauber der Myuriko-Kirche sie davon abhielten. Sie berichtete den Helden außerdem, wo sich der Kult damals im Verborgenen getroffen hatte.

Die Helden beschlossen, die ehemalige Kultstätte zu erkunden. Vielleicht ließ sich dort der Grund dafür finden, warum Lu Bao keine Ruhe fand. Allerdings war der unterirdische Raum samt etlichen Kultanhängern bei der Zerschlagung der Verschwörung versiegelt und inzwischen überbaut worden. Das Anwesen gehörte nun den Okuras, einer Adelsfamilie, die dem Zakur-Klan zugeschworen war. Leider war die Familie nicht gewillt, aufgrund einer wilden Geschichte Ausgrabungen auf ihrem Anwesen zu dulden - vor allem, wenn es um derart anrüchige Dinge wie Gotteslästerung und Verschwörung gegen die kaiserliche Hoheit ging. Da die Helden die offiziellen Stellen (noch) nicht direkt involvieren wollten, sannen sie auf alternative Zugangsmöglichkeiten zu dem Anwesen.
Luo hörte sich nach Angestellten der Okuras um, die den Helden vielleicht gegen ein Entgelt Zugang zum Grundstück zu gewähren bereit waren. Akira und Ren suchten gleichzeitig nach alternativen Zugängen. Das Viertel wurde von Kanälen durchzogen. Vielleicht gab es über diese oder die Kanalisation eine Möglichkeit, Zugang zum Anwesen zu erlangen. Die Helden erfuhren rasch, dass die Kanäle durch Geisterwesen gewartet wurden, die man durch ein relativ simples Ritual herbeirufen könne – das freilich schwimmend ausgeführt werden musste. Wohl oder übel übernahm Akira dies und konnte tatsächlich Kontakt zu einem Geistwesen herstellen, dass sich – auch dank Rens Unterstützung – als auskunftsfreudig erwies. Der Geist bestätigte, dass unter dem fraglichen Anwesen etwas „Seltsames“ passiert sei und konnte einen unter Wasser befindlichen Zugang weisen. Er war sogar bereit, die Helden bei ihrem Tauchgang zu unterstützen. Nach kurzem Überlegen entschlossen sich die Gefährten, diesen Zugang zu versuchen.

Akira machte den Anfang. Tatsächlich gelang es ihm mit Hilfe des Geistes, den alten Abflussstollen zu durchtauchen und die Abdeckung aufzubrechen, die den darüber liegenden unterirdischen Raum versiegelte. Die anderen Helden folgten ihm. Die Luft in dem Kellerraum war stickig und verbraucht, aber atembar. Im schwachen Schein der magischen Leuchtperlen, die die Helden als Lichtquelle mitgenommen hatten, sahen sie einen alten Beschwörerkreis, ein Podest, auf dem ein voluminöses Buch ruhte – und ein halbes Dutzend regloser Körper: Männer und Frauen, deren Haut dunkelbraun angelaufen war und wie gegerbt wirkte. Ihre Fingernägel waren unnatürlich lang und auf den Stirnen hatte jemand rot beschriftete Papierstreifen befestigt. Mehr Zeit, die Unglücklichen zu mustern, hatten die Helden nicht: Mit einmal erwachten die Kadaver zum Leben und griffen an.
Akira und Luo gelang es, drei der Gegner niederzuhauen. Dabei entdeckten, sie dass ein Zerstören der Papierstreifen die Untoten sofort vernichtete. Doch dann rächten sich die schlechten Lichtverhältnisse und die zahlmäßige Überlegenheit der Angreifer, zumal keiner der Helden gerüstet war. Luo ging schwerstverletzt zu Boden, während Akira trotz Rens Schutzzaubern schwere Wunden hinnehmen musste.
Die Helden wären überwältigt worden, wenn nicht die auf Akira liegende Gunst Myurikos die Untoten kurz zurückgetrieben hätte. Das gab Ren die Gelegenheit, dass auf dem Podest ruhende Buch zu erreichen – und zu ihrer Überraschung so Kontakt mit der Wesenheit herzustellen, die in dem Werk gefangen war. Vielleicht in der Hoffnung, die Helden für sich einzunehmen, bannte die Wesenheit die verbliebenen Untoten. Hastig stabilisierte Ren den schwerstverletzten Luo. Unter Mitnahme des Buches traten die Helden den Rückzug an.

Die Entität in dem Buch nannte sich Masaharu. Nachforschungen Rens enthüllten, dass dies der Name eines mächtigen Geistes, Gottesdieners oder Dämons war, der in einigen alten Geschichten auftauchte. Masaharu empfand keine Liebe für diejenigen, die ihn in dem Buch gebunden hatten, weshalb er den Helden geholfen hatte und bereitwillig Auskunft über die Kultisten gab – auch im Austausch gegen kleinere Geschenke in Gestalt von in das Buch fokussierter magischer Kraft. Seine Bindung in das Buch sei ein „Probelauf“ für die Herstellung der gegen Myuriko bestimmten Waffe gewesen, die von einer noch sehr viel mächtigeren Wesenheit beseelt werden sollte. Über den Gott (?), den der Kult verehrt hatte, behauptete Masaharu, nichts zu wissen. Die Kultisten hätten immer nur Umschreibungen wie „Das Gesicht hinter dem Spiegel“ benutzt. Er kannte allerdings die Namen einiger der Kontaktpersonen des Kultes in Esmoda.
Natürlich verfolgte der Dämon eigene Ziele. Er bot Ren mächtige Rituale und magische Meisterschaften der Todesmagie an, falls sie einen Pakt mit ihm einging oder ihn befreite. Ren war durchaus versucht. Sie hoffte zudem, Masaharu für die Sache der Kaiserlichen im zhoujiangischen Bürgerkrieg einsetzen zu können. Allerdings stieß sie auf Akiras Widerstand, der das Buch für viel zu gefährlich und Masaharu für nicht vertrauenswürdig hielt. Letztlich konnte Akira durchsetzen, dass das Buch in die Obhut der Myuriko-Kirche überstellt wurde – auch wenn Ren damit fast so unzufrieden wie Masaharu war.
Akira erstatte der Myuriko-Kirche umfassend Bericht, doch war man zwar für das Buch dankbar, schien ihn aber nicht ganz ernst zu nehmen – besonders seine Warnung vor der Waffe, die der göttlichen Kaiserin gefährlich werden könne. Akira war da nicht so zuversichtlich. Er und seine Gefährten hatten im Laufe ihrer Abenteurer einige sehr rätselhafte Geschichten gehört und den Eindruck gewonnen, dass die Göttlichen Kaiserin mehr als einen jenseitigen Feind haben mochte. Vielleicht würde man irgendwann ins ferne Esmoda aufbrechen müssen, um der Geschichte auf den Grund zu gehen. Allerdings waren die Helden dafür noch längst nicht erfahren genug.
Die Myuriko-Kirche erneuerte die von den Helden teilweise getilgten Schutzsiegel, um jedes Risiko auszuschließen. Allerdings schien die Geister-Magistratin tatsächlich etwas Ruhe gefunden zu haben, so dass die Gefahr für die zhoujiangischen Besucher Senrais hoffentlich gebannt war.

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Ankündigungen / Re: Quo Vadis Splittermond - März 2026
« am: 25 Mär 2026, 21:18:55 »
Klingt gut. Und was "Hinter dem Schleier" angeht, hoffe ich einfach mal, dass es dieses Jahr schon noch was werden wird.  ;D

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Na, na, GANZ so lange ist es doch nicht her. Ich meine, Prinz Bonny, die Schlacht von Culloden und alles "nicht ganz so Schöne" was danach für einen Teil der Schotten folgte, dass ist weniger als 300 Jahre her. Und auch wenn es danach keine bewaffneten Auseinandersetzungen gab, POLITISCH dürften die Schotten genug Gründe sehen.

Was eben alles mit Kintai nicht der Fall (zu seien scheint?). Jedenfalls nach dem, was bisher bekannt ist.

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Die Fluss-Oni: Teil II
Aokusa-Provinzen Kintais (Hao, Luo und Ren)

Die Abenteurer suchten als erstes Shimura Yoshinaka auf, den Verwalter des örtlichen Lords Zakur Toshiro, der ihnen von Herrn Ishi als Kontaktperson genannt worden war. Dieser kontrollierte ein ausgedehntes, aber wenig besiedeltes Gebiet einige Tagesreisen den Fluss entlang. Auch die Überfälle betrafen eine große Fläche. Der Adelssitz war nicht sehr eindrucksvoll: ein befestigtes Gehöft mit Palisade, ein zweistöckiges Haupthaus und einige Nebengebäude. Der Verwalter war ein schon in die Jahre gekommener Schwertalb, der sich reserviert gab – vielleicht auch, weil er am Nutzen dreier ausländischer Abenteurer zweifelte. Ihm stand indes nur eine Handvoll Bewaffnete zur Verfügung, so dass er mit dem Problem überfordert war. Herr Yoshinaka bot den Abenteurern Quartier an, was diese gerne annahmen. Er stellte seine beiden Töchter Akiko und Hoshi vor, die sich in der Einsamkeit der Berge nach besten Kräften langweilten, zumal sie wegen der Angriffe weitgehend auf das Anwesen beschränkt worden waren. Tatsächlich leisteten sie Ren und Hao beim Baden Gesellschaft und fragten diese neugierig aus - besonders Hao wegen des mitunter skandalösen Rufs der Unggoy-Priesterschaft.
Inzwischen war es Zeit fürs Abendessen, das ordentlich, aber nicht opulent war. Der Hausherr kam erst zur Sache, nachdem seine Mädchen gegangen waren, wobei Luo annahm, dass sie aus dem ersten Stock lauschen würden.

Der Verwalter konnte die Überfälle aufzählen und auch eine Liste zur Verfügung stellen. Ein klares Muster vermochte er bisher nicht zu erkennen. Die Angriffe erfolgten stets in Nähe des Flusses und bei Dunkelheit. Meist war von ein oder zwei Oni die Rede. Hauptbeute waren Lebensmittel – was Ren daran zweifeln ließ, dass es sich wirklich um Oni handelte. Zwar mussten auch manche mythische Wesen essen, aber als primäre Motivation wirkte dies mundan. Sie fragt sich, ob vielleicht einige Oger oder andere Wesen sich den Aberglauben der Bauern zunutze zu machen. Dörfer wurden selten angegriffen. Stattdessen waren Fischer, vereinzelt die (eher seltenen) Hirten und ihre Herden, aber auch am Ufer liegende oder fahrende Flöße und Boote das Ziel. Wahrscheinlich waren auch einzelne Reisende verschwunden – doch die mochten auch anderen Gefahren zum Opfer gefallen sein. Wichtige Ziele, wie die Eisen- und Kupferminen im Bergland, waren bisher nicht betroffen. Einige der Angriffsopfer waren entführt worden und bisher war keines der Opfer wieder aufgetaucht. Es gab auch keine Lösegeldforderungen. Es hatte bislang keine systematischen Versuche gegeben, die Angreifer aufzustöbern, und die Spuren der Räuber und der Entführten hatten sich am Fluss verloren. Der angeheuerte Ronin war diesen Spuren entlang dem Fluss nachgegangen, aber man hatte seit einiger Zeit nichts mehr von ihm gehört. Die Hauptziele der Angriffe, die sich auf etwa 70 Meilen den Fluss entlang, manchmal auch etwas landeinwärts oder an einem der Zuflüsse ereigneten, waren einfache Leute. Die Helden hörten zudem eine lokale Legende von einer Burg, die vor langer Zeit räuberischen Oni als Versteck gedient hatte. Diese lag angeblich im Bergvorland, einen Tagesmarsch vom Fluss entfernt.

Die Abenteurer diskutierten ihre eigenen Theorien und überprüften am nächsten Morgen die Liste der Angriffe. Hao hielt es für möglich, dass es sich um Feen oder göttliche Wesen handelte, die von ihrer Domäne aus zuschlugen. Geister oder Untote erschienen wegen der „irdischen“ Beute unwahrscheinlich. Als die drei systematisch die Liste durchgingen und mit den Informationen abglichen, die sie über die Gegend hatten, fiel ihnen ein Muster auf: Anscheinend richteten sich die Angriffe nach den Mondständen und erfolgten bei schwachem Mondschein. Auch örtlich gab es eine gewisse Regelmäßigkeit. Dies mochte die Möglichkeit bieten, den nächsten Angriff mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit vorauszusagen. Da bis dahin nach Mondstand noch eine Woche Zeit war, beschlossen die Abenteurer, einige der überfallenen Dörfer zu besuchen. Vielleicht konnten Augenzeugen mehr Licht in die Natur der Angreifer bringen…

So brachen die drei auf und erreichten das nächste Dorf noch am Abend desselben Tages. Hier lag der letzte Angriff schon eine Weile zurück. Die Einwohner machten einen zurückhaltenden Eindruck und reagierten auf die Befragung durch Hao und Luo sehr zögernd. Beim ersten Angriff waren zwei Sack Reis eines der wenigen Rinder gestohlen worden, dessen Überreste die Bauern dann am Ufer gefunden hatten. Entführungen hatte es hier nicht gegeben. Die zwei riesigen Gestalten hätten nach Tod und Verwesung gerochen und riesige Keulen geführt. Näher war ihnen begreiflicherweise niemand gekommen, und die Leute hatten auch nicht ihre Spuren verfolgt. Luo hatte das Gefühl, dass die Dörfler etwas verschwiegen – vielleicht hatte sich das Dorf von weiteren Angriffen freigekauft? Aber so lange die Bauern beisammen waren, war es unmöglich, jemanden zum Reden zu bringen. So schlugen die Abenteurer Quartier in einem Bauernhof auf, um am Morgen eine neue Fragerunde zu starten. 
Dies erwies sich als unnötig. In der Nacht schlich sich ein junger Bauer zum Quartier der Abenteurer, angelockt durch die Belohnung, die die Helden für Informationen ausgelobt hatten. Nach einigen Überredungsversuchen, drei Lunaren und dem Versprechen, dem Aufseher nichts zu verraten, erzählte er, dass die Bauern nach dem zweiten Angriff auf die Idee gekommen waren, sich ihre Ruhe zu erkaufen: Sie hatten außerhalb des Dorfes zwei Hühner, zwei Sack Reis und einige Fische ausgelegt und dies bei jedem Neumond wiederholt. Nicht immer war das „Schutzgeld“ abgeholt worden, aber es hatte keine Angriffe mehr gegeben. Sie hatten nie versucht, die Spuren der Oni zu verfolgen. Der Bauer erklärte Ren auch, wo die Ablagestelle zu finden war.
Am nächsten Morgen befragten die Helden noch einmal die Bauern, erfuhren jedoch nichts Neues. Bei ihrer Abreise nahmen die Helden die Übergabestelle in Augenschein. Es handelte sich um einen Ort, der vom Waldesrand und Flussufer gut einsichtig war, und zu dem nur zwei Wege durch die Reisfelder führten. Die Abenteurer beschlossen, bei der nächsten „Tributgabe“ einen Hinterhalt zu legen.

Sie erreichten das nächste überfallene Dorf binnen eines Tages. Wie zuvor fügte es sich harmonisch in die wild-romantische Szenerie. Reisende gab es kaum, und weite Strecken zwischen den Weilern waren unbewohnt. Auch hier waren die Dörfler zurückhaltend, doch brachte Hao sie mit ein wenig Hilfe von Ren zum Reden. Ein altes Mütterchen behauptete, drei Oni auf einem Boot gesehen zu haben, aber die anderen Beschreibungen ähnelten denen im vorherigen Dorf. Der eine oder andere Augenzeuge erwähnte die überlangen Arme der Oni – was Rens Oger-Theorie untermauerte.
Die Magierin sandte einen Spähgeist, um die alte Oni-Burg zu überprüfen, da sie es für möglich hielt, dass die Plünderer sie als Versteck benutzten. Das Wesen fand das Ziel trotz der nur ungefähren Ortsangaben, brachte aber keine Informationen über dort lagernde Wesen. Die Abenteurer beschlossen, noch etwas den Fluss entlang zu patrouillieren. Sie warnten die Bauern in den Dörfern, die nach dem von ihnen entdeckten Muster am wahrscheinlichsten die nächsten Angriffsziele sein würden, auch in der Hoffnung, dass die „Oni“ dann auf die verlässliche Nahrungsquelle in Form des Tributs zurückgreifen würden. Rechtzeitig vor dem nächsten Neumond bereiteten die Abenteurer den Hinterhalt vor.

Bei der Vorbereitung des Hinterhalts zogen die Helden alle magischen Register. Und tatsächlich sahen sie alsbald im Dunkel zwei riesige Gestalten, die sich vom Flussufer näherten. Sie wirkten ungeschlacht, leicht deformiert, mit extrem langen Armen – und mit den mehrfach beschriebenen riesigen Keulen. Von ihren Köpfen ragten imposante Hörner empor. Hao konnte ihre halblaute Unterhaltung belauschen. Die beiden waren verärgert, weil sie bei den vorherigen Dörfern keine Beute gemacht hatten. Sie hatten aber nicht gewagt, die Siedlungen direkt anzugreifen. Sie fürchteten, nach dem Ronin könnten neue Jäger auftauchen. Die Abenteurer entschieden sich gegen eine Beschattung der Plünderer. Zu leicht konnten sie die beiden verlieren, vor allem falls diese ein Boot hatten. Leise pirschten sie sich näher, und schlugen dann aus dem Hinterhalt zu.
Der Kampf war kurz und erbittert. Doch gegen Hao, die ihren Kampfstab meisterlich führte, und Luos tödliche Klinge erwiesen sich die beiden „Oni“ als unterlegen, auch weil es Luo gelang, erst den einen und dann den zweiten von den Beinen zu holen. Als der erste praktisch enthauptet wurde, geriet der zweite in Raserei, handelte es sich beim Toten doch offenbar  um seinen Bruder. Doch auch der zweite „Oni“ fiel, tödlich von Haos Kampfstab getroffen. Ren, die nur wenig zum Kampf hatte beisteuern können, verspürte einen Moment lang heimliches Bedauern, als sie entdeckte, dass es sich bei den „Oni“ um halbwüchsige Oger handelte. Offenbar hatten sie sich Geweihstücke an die Köpfe gebunden, um den Eindruck von Oni-Hörnern zu erwecken. Hätte man versuchen sollen, sie zur Aufgabe zu bewegen? Doch angesichts ihrer schweren Missetaten wären sie mit großer Wahrscheinlichkeit ohnehin des Todes gewesen…
Wertvolle Beute gab es nicht. Die Abenteurer fanden am Ufer ein leeres Boot, das den Plünderern als Gefährt gedient hatte. Luo eignete sich die Köpfe der beiden Oger an, um sie als Beweis dem Verwalter zu präsentieren. Im Dorf – wo man das Gebrüll und den Kampfeslärm gehört hatte – erwartete die Abenteurer kein Heldenempfang. Vermutlich hatten die Dörfler Angst, dass die Plünderer Verbündete hatten. Die Abenteurer behielten für sich, wie sie die „Oni“ in den Hinterhalt gelockt hatten.

Yoshinaka wie auch seine Töchter waren beeindruckt von den Ogerköpfen und der Geschichte. Die Abenteurer beschlossen, als nächstes der „Oni-Burg“ einen Besuch abzustatten, falls die Plünderer dort Verbündete hatten. Luo erkundigte sich, ob dem Verwalter vielleicht ein anderes Versteck in den Sinn kommen könnte, wo die Oger sich ihren Gestank nach Tod und Verwesung aufgelesen haben könnten, doch hatte dieser auch keine Idee. Potentielle Verstecke gab es entlang des Flusses, auf den kleinen Inseln und den Seitenarmen viele.
Ren erkundigte sich, ob Yoshinaka die drei begleiten wolle, doch meinte der, dass er sich bei seinem Lord nicht beweisen müsse. Anscheinend gab es zwischen den beiden Spannungen.

Der nächste Morgen sah die Abenteurer erneut auf dem Weg. Der schüttere Baumbewuchs nahm rasch zu und wurde zu einem unübersichtlichen Bergwald. Unter Anleitung Haos kamen die Abenteurer aber schnell voran.
Nicht allzu weit von dem voraussichtlichen Endpunkt der Reise lag mit einmal der Gestank nach Fäulnis in der Luft – doch Luo, der als Kundschafter vorausschlich, stellte schnell fest, dass dieser von einem toten Tier stammte. Allerdings handelte es sich um einen Bären, der mit scharfen Klauen oder Klingen getötet, und halb aufgefressen worden war. Es war den Helden unmöglich festzustellen, wer oder was das Raubtier so zugerichtet hatte. Luo sicherte sich die Klauen und Zähne des Bären. Bald darauf war das Ziel erreicht. Die Burg war nur ein kleines Hügelfort gewesen, von dem lediglich Teile der Erdwerke und einzelne Palisadenpfähle übrig geblieben waren. Die Gebäude waren eingestürzt und verfallen. Durch eine Bresche ließen sich mehrere ungeschlachte, aber reglose Gestalten ausmachen.
Einmal mehr schlich Luo magisch getarnt voraus. Er stellte fest, dass es sich bei den Gestalten um Trolle handelte, die allesamt zu Stein geworden waren. Dies schien schon vor vielen Jahren geschehen sein. Eine Nachsuche erbrachte keinen Hinweis auf eine kürzliche Nutzung der Anlage, doch entdeckte Hao einige Silbermünzen in einem Versteckt, dass die Trolle wohl als Schutz vor der Sonne genutzt hatten. Wie es gekommen war, dass sie dieses nicht zu ihrer eigenen Rettung genutzt hatten, war unklar. Erst später erfuhren  die Abenteurer, dass einst ein örtlicher Volksheld die räuberischen Trolle überlistet hatte.
Den Abenteurern blieb nur die Rückkehr. Sie verbrachten eine ungestörte Nacht in der Burg. Hao träumte von dem mysteriösen Unggoy-Priester, der ihr schon ein paar Mal begegnet war, und der sie zu ihren Erlebnissen ausfragte. Sie nahm dies als ein gutes Zeichen.
Der Rückmarsch am nächsten Morgen verlief ereignislos, allerdings trafen die Helden auf eine panisch flüchtende Gruppe Rotwild. Sie waren indes nicht kundig genug, um das dumpfe Brüllen zu identifizieren, dass durch den Bergwald hallte. Hao fürchtete einen Drachen, während Luo eher an einen Tiger dachte. Doch wer auch immer die Tiere aufgeschreckt hatte, zeigte sich nicht.

Zurück im Anwesen Yoshinakas war guter Rat teuer. Es gab keine verlässliche Spur zum Versteck der falschen Oni, und die geographische und zeitliche Verteilung der bisherigen Angriffe ermöglichte es nicht, das Suchgebiet einzuengen. Sollte man die Suche aufgeben? Einmal mehr fiel auf, dass Yoshinaka Vorbehalte gegenüber seinem Lord zu haben schien. Luo versuchte Akiko etwas über ihren Vater auszuhorchen, konnte ihr aber nur entlocken, dass der Verwalter den verschwenderischen Lebensstil Zakur Toshiros missbilligte, der zwar die Steuereinnahmen einstrich, sich aber kaum um das Wohl seines Lehens kümmerte.
Die Nachtruhe der Abenteurer sollte nicht lange währen. Es war Luo, der draußen einen dumpfen Schlag hörte. Das Schlimmste befürchtend, rafften die Abenteurer ihre Waffen auf schlichen ins Freie. In dem nur wenig erleuchteten Anwesen hörten sie zunächst eine Art Schnüffeln und dann ein ohrenbetäubendes Brüllen. Eine gigantische Gestalt wütete mit einer riesigen Keule gegen das Haus des Verwalters. Die drei Abenteurer griffen sofort ein. Es gelang Luo, das Wesen zu Fall zu bringen und schwer zu treffen, doch ein wirbelnder Keulenschlag holte auch ihn von den Beinen. Der Kampf war erbittert, und mehr als einmal war es nur außergewöhnliches Glück, welche die Abenteurer vor dem Schlimmsten bewahrten. Am Ende aber gelang es das Wesen zu erschlagen. Wie es sich herausstellte, handelte es sich um eine erwachsene Ogerin, schlamm- und rußverschmiert und mit frischem und getrocknetem Blut bedeckt. Mit Sicherheit handelte es sich um die Mutter der beiden „Oni“. Sie hatte offenbar problemlos die nur mannshohe Umzäunung des Anwesens überstiegen und einen wachhabenden Bauernsoldaten erschlagen. Dass sie den Ort gefunden hatte, wo die Köpfe ihrer Söhne zur Schau gestellt waren, ließ die Abenteurer das Schlimmste für das Dorf befürchteten, wo die beiden Räuber erschlagen worden waren.
Tatsächlich stellte sich am nächsten Morgen heraus, dass die Befürchtungen begründet waren: Das Dorf, wo man den Ogern Tribut gezahlt hatte, war in einem nächtlichen Angriff verwüstet worden. Die Hälfte der Hütten lag in Trümmern, es gab viele Verwundete und ein halbes Dutzend Tote. Dann musste die Ogerin die Spur der Helden aufgenommen und rasend vor Wut zum Anwesen Yoshinakas gerannt sein.
Den überlebenden Dorfbewohnern war anmerken, wem sie die Schuld für ihr Unglück gaben. Auch die Helden machten sich Vorwürfe. Sie halfen bei der Versorgung der Verwundeten, dann folgten sie mit Hilfe eines einheimischen Fährtensuchers der Spur der Ogerin bis zu der Stelle wo sie den Fluss überquert hatte, und fanden schließlich das Lager der Oger auf einer kleinen Insel. Dort konnten sie immerhin zwei halbverdurstete Bauern retten, die als Gefangene gehalten worden waren. Eine Untersuchung der Abfälle verriet, dass die Unglücklichen als „Schlachtvieh“ vorgesehen gewesen waren. Die Oger hatten mindestens ein halbes Dutzend Reisende und Einheimische entführt, erschlagen und aufgefressen. Von dem vermissten Ronin fand sich keine Spur.

Yoshinaka verabschiedete die Helden freundliche, deutete aber an, dass sein Lord nicht sehr zufrieden sein würde. Die drei machten sich auf den Rückweg. Herr Ishi belohnte sie, allerdings blieb die Erfolgsprämie mit 25 Lunaren recht bescheiden. Laut Herrn Ishi hatte Lord Zakur Toshiro den Rest des Geldes für den Wiederaufbau des zerstörten Dorfs eingesetzt. Die Abenteurer waren zwar froh, dem Unwesen der Oger ein Ende gesetzt zu haben, doch machten sie sich Vorwürfe, dass sie das Dorf nicht beschützt hatten. Hao beschloss deswegen, eine Weile zu meditieren.
Ren und Luo erfuhren von Herrn Ishi zudem, dass Luos Klinge „Vipernzahn“ bemerkenswerte Ähnlichkeit mit „Schlangenbiss“ aufwies, einem in Inani verschollenen legendären Schwert. Dieses hatte vergiftete Wunden geschlagen, aber angeblich auch unwürdige Träger vergiftet – eine Warnung für den Umgang mit solchen Waffen. Herr Ishi stellte zudem weitere Informationen zu den gescheiterten Expeditionen zu der Schwertschmiede in den Zanshi-Berge zur Verfügung, was half, die Lage der Schmiede einzugrenzen. Zudem schenkte er den Helden eine Schriftrolle, die eine niedere „Blutweihe“ für derartige Waffen beschrieb. Diese Rituale konnten die Klinge stärken, verlangten aber den Einsatz von Eigenblut des Trägers und gewisse magische Fertigkeiten. Laut Herrn Ishi gab es auch höherrangige Rituale. Aber um diese zu erhalten, würden die Abenteurer aber zusätzliche Fürsprecher benötigen.

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Die Fluss-Oni: Teil I
Aokusa-Provinzen Kintais (Hao, Luo und Ren)

Auch nachdem die „Seidene Stadt“ sich aufgelöst hatte, blieb Senrai ein Ort voller Mysterien. Hao fragte sich, woher die besondere Atmosphäre der Stadt kam, die Harmonie einforderte. Lag es an der Architektur Senrais, dem Ort oder der Gegenwart Myurikos? Für die Schwertalben war es natürlich letzteres, doch schätzte die Unggoy-Priesterin, dass die Architektur die Wirkung verstärkte. Zudem war der Ort schon vor der Reichsgründung Myurikos magisch gewesen, Sitz eines Orakels und angeblich heilender Quellen.
Während in der Stadt alles seinen wohlgeordneten Gang ging, gab es Randbezirke und vorgelagerte Siedlungen der Kastenlosen, wo die Aura Senrais schwächer war. Auch etliche der Adelshäuser besaßen Paläste außerhalb der Stadt.
Neben den Händlern der „Seidenen Stadt“ gab es in Senrai auch andere Ausländer. Überwiegend waren es Zhoujiangi, etwa die Gesandtschaften der Bürgerkriegsparteien sowie Repräsentanten einzelner Provinzen des Phönixreiches.

Ren und Luos Nachforschungen zu dessen Schwert, brachten einige neue Erkenntnisse. Als möglicher Ansprechpartner wurde das „Amt für die Bewahrung der Artefakte der Vorfahren“, bzw. „Amt zur Bewahrung der Erinnerung“ genannt. Diese Behörde hatte ihren Sitz in der Kaiserlichen Akademie. Überraschenderweise trafen Ren und Luo dort einen alten Bekannten – Aoi Ishi, dem die Abenteurer in Miari getroffen hatten, als er für einen jungen Zakur-Adligen nach einem besonderen Schwert suchte und dabei auf die Hilfe der Helden zurückgreifen musste. Der Schwertalb ließ durchblicken, dass er über die jüngsten Leistungen der Helden im Bild war und auch einiges über die „Drachenklingen“ wusste. Er bestellte die Helden zu einem Treffen: außerhalb der Akademie und ohne Akira. Meister Ishi, seinerzeit eine hagere, von Krankheit geplagte Gestalt, machte diesmal einen wesentlich besseren Eindruck.
Der Beamte wusste beunruhigend gut über die magischen Klingen Bescheid, zu denen Luos Schwert zählte – auch wenn dies ein heikles Thema war. Zwar war Blutmagie in Kintai nicht geächtet. Aber die Kraft eines sterbenden Feindes „auszubeuten“ barg immer ein Risiko, wie etwa das „Einfahren“ eines Geistes in die Klinge, was zu der in Kintai verpönten Todesmagie gerechnet wurde. Ehe er etwas von seinem Wissen zu den Klingen und ihrer Schmiede teilte, wollte Ishi die Unterstützung der drei Helden, auch wenn er seine Arroganz gegenüber den Ausländern nicht ganz ablegte.

Aoi Ishi war momentan sowohl mit der Ausbildung von jungen Adligen als auch der Bewahrung von Artefakten beschäftigt – eine Aufgabe, die sich überschnitt, da es gelegentlich zu entscheiden galt, wer mit einem besonderen Schwert oder Rüstung versehen werden sollte. Dies brachte es mit sich, dass manchmal ein Artefakt zurückgeholt werden musste, wenn der Träger sich nicht Ansprüchen gewachsen zeigte – oder ein Unglück geschehen war. Beides war nicht selten gefährlich oder politisch heikel. Der Schwertalb deutete an, die Helden zukünftig vielleicht für solche Aufgaben heranziehen zu wollen. Hao und ihre Mitstreiter fanden Meister Ishis Überheblichkeit etwas nervig, doch war er ein vergleichsweise großzügiger Auftraggeber. Und sie alle brauchten Geld oder suchten Wissen, das er besaß.
Um die Abenteurer zu testen, sollten sie ihre Kampfkünste vor den Schülern der Akademie demonstrieren. Hao und Luo traten mit stumpfen Waffen gegeneinander an, und die gnomische Priesterin setzte sich nach einem harten Kampf durch. Zudem ließ Ishi die drei Abenteurer von ihren Erlebnissen berichten. Während sich Hao und Luo passabel schlugen, ließ Ren etwas zu sehr ihre Überzeugung der kulturellen Überlegenheit Zhoujiangs durchblicken.
 
Insgesamt war der Schwertalb aber zufrieden und bereit, seinerseits einiges zu erzählen. So berichtete er, dass Kintai zweimal nach der Drachenklingen-Schmiede in den Zanshi-Bergen gesucht hatte, aus der Laos Schwert stammte. Beide Expeditionen waren jedoch verschollen. Beim letzten Mal, vor etwa 140 Jahren, verdächtigte man die Gojoshu-Attentäter als die Schuldigen, die etwa zu der Zeit vom Gagamba-Kult übernommen worden waren. Bei der ersten Expedition, die wenige Jahre nach Gründung des Kaiserreichs aufgebrochen war, wusste Ishi allerdings nicht einmal, wer sie entsandt hatte, und was genau ihr Ziel gewesen war. Er deutete an, dass man in Senrai über Rituale zur Verbesserung oder Beherrschung der drachenklingen Bescheid wusste. Aber diese Informationen würde er nur gegen weitere Gegenleistungen zugänglich machen.
Wieder auf seine aktuelle Aufgabe zurückkommend, berichtete Herr Ishi, dass die fordernde Ausbildung an der Akademie auch die Überwindung von Furcht umfasste. Dies wurde unter anderem getestet, indem die jungen Alben eine Nacht auf einer Richtstatt oder Friedhof verbringen mussten. Die „Prüfungsstätten“ wurden vorab nach Gefahren abgesucht, und zudem insgeheim oft eine heimliche Wache platziert. Früher hatte man dafür auf ältere Schüler zurückgegriffen, aber da habe es Probleme gegeben, zudem ließ sich angesichts der Klanrivalitäten nicht immer auf die nötige Diskretion vertrauen. Deshalb wollte er, dass diesmal Auswärtige auf dem alten „Friedhof der toten Weiden“ die beide Kato-Brüder Hiromasa und Yoshiro im Auge behielten. Die Familie Kato war den Zakur verschworen. Die Abenteurer sagten zu.

In Vorbereitung auf ihre Wacht hörte sich Luo über den Friedhof um. Es gab die üblichen Erzählungen über Geister und Ghule. Die Akademie hatte den Friedhof schon früher benutzt, doch hatte es vor einigen Jahren einen „Zwischenfall“ mit mindestens einem Schwerverletzten gegeben. Etliche ältere Schüler hatte man daraufhin der Akademie verwiesen. Luo vermutete, dass damals ein „Streich“ aus dem Ruder gelaufen war. Die Abenteurer verschafften sich einen Überblick über den Friedhof, auch um geeignete Verstecke zu suchen. Es war eine recht unheimliche Lokalität, mit zahlreichen der namensgebenden toten Weiden. Die Wege des Friedhofs waren teilweise überwuchert und nur ein Teil der Gräber wurde noch gepflegt.
Ren war der Meinung, der beste Weg zu klären, ob Geister ein Problem darstellen könnte, sei, diese zu fragen, doch entsprechende Zauber blieben wirkungslos.
Am Tag der Prüfung verbargen sich die Helden zwei Stunden vor Ankunft der Prüflinge auf dem Friedhof. Hao und Ren blieben in größerer Entfernung, während Luo relativ dicht bei den beiden Brüdern Position bezog, die argwöhnisch Rücken an Rücken in die Dunkelheit spähten.

Doch auch die Abenteurer waren überrascht, als mit einmal eine atonale und klagende Laute erklang. Die Prüflinge verloren zwar nicht die Nerven, doch währe Luo um ein Haar von ihnen entdeckt worden. Hao und Ren bekamen die Quelle der Geräusche zuerst zu Gesicht: Über den Friedhof bewegten sich drei Gestalten in zerschlissenen Gewändern mit blauweißen, rotverschmierten Masken. Eine der Gestalten schwenkte eine Laterne, eine andere spielte misstönend eine Laute. Ren war sich sicher, dass es sich um Sterbliche handelte. In der Tat hatte sie offenbar drei Akademieschüler vor sich. Ren könnten sie zum Gehen bewegen, legte aber keinen Wert darauf, ihre Namen zu erfahren. Die weitere Wacht verlief ereignislos und am Morgen entfernten sich die Abenteurer rechtzeitig.
Herr Ishi war mit dem Verlauf zufrieden und schien nicht interessiert, etwaige Schuldige zu ermitteln und zu bestrafen. Er kündigte an, in einigen Tagen einen weiteren Auftrag zu haben.

Das nächste Treffen fand in der Akademie statt, und Aoi Ishi bat von Anfang an um Vertraulichkeit. Ganz besonders, wollte er nicht, dass Akira eingeweiht würde – was einmal mehr in der Rivalität der Adelsklan begründet war.
Laut Herrn Ishi gab es beunruhigende Nachrichten vom Oberlauf des Kyokaimagawa. Dieser Fluss, der den östlich Senrais liegenden Bergen entsprang, stellte eine wichtige Verbindung zur Nebelbucht dar. Umso beunruhigender war, dass es dort in einem von den Zakur verwaltetem Gebiet Überfälle gegeben hatte – nicht etwa von den „üblichen“ Räubern, sondern von wilden Oni. Flöße, Boote und Dörfer waren angegriffen worden. Die Angelegenheit wurde dadurch kompliziert, dass viele Oni als Diener Myurikos galten, und solch ein Verhalten sehr ungewöhnlich erschien, wenn es auch alte Legenden gab, die Oni derartige Missetaten vorwarfen. Die Abenteuer, welche die beeindruckende Kampfkraft eines Onis im „Tempel der tausend Tore“ erlebt hatten, waren sich unsicher, was sie gegen mehrere solche Widersacher ausrichten könnten, wollten die Sache aber untersuchen, zumal ihnen ein ordentlicher Sold und eine Erfolgsprämie winkte. Zudem erhielten die Abenteurer ein Empfehlungsschreiben für die örtliche Obrigkeit.

Am folgenden Tag bereiteten die Abenteurer die Reise vor. Sie hörten sich in Senrai um, ob Reisende aus der fraglichen Gegend in der Hauptstadt eingetroffen wären. Sehr viel erfuhren sie freilich nicht. Die Überfälle hatten einige kleine Bergdörfer getroffen, auch von Entführungen war die Rede. Ein echtes Muster gab es nicht. Die Angreifer wurden als ungeschlacht beschrieben, gut drei Schritt hoch, mit riesigen Keulen. Sie wirkten weitaus primitiver als die typischen Oni der Gegenwart.
Ihr Weg führte die drei Helden gen Südwesten durch das malerische Panorama des Berglandes. Jeden Morgen lagen die Bergwälder in düsteren Nebelfeldern, doch die Frühlingsblumen und das frische Grün gaben der Landschaft eine eigene Schönheit, insbesondere wenn im Laufe des Tages die Sonne an Kraft gewann. Freilich wurden Felder zunehmend rar, und Weideflächen noch seltener, da Fleisch von Weidetieren in der Küche Kintais keine dominante Rolle spielte und das Bergland für Pferde wenig geeignet war. Reisende traf man nur wenige, und sie waren höflich, aber zurückhaltend.  Die Dörfer wirkten sauber und ordentlich, aber ärmer als in anderen Teilen Kintais. Die Leute hatten von den Überfällen gehört und waren begreiflicherweise nervös. Angeblich war nach einem Kantioku gerufen worden, und es hatte sich auch schon ein freiwilliger Monsterjäger gefunden, ein Ronin – vielleicht würde man sich mit diesem verbünden können? Die Abenteurer rekapitulierten die bekannten Legenden zu den Oni. Angeblich waren Oni unter Umständen zu übertölpeln, etwa indem man sie betrunken machte. Jene, die sich Myurikos Ordnung widersetzen, sollten durch ihr geweihte Waffen besonders verwundbar sein. Manche Bauern gaben hinter vorgehaltener Hand dem örtlichen Lord – oder eher dessen ständiger Abwesenheit zugunsten der mondänen Hauptstadt – eine Mitschuld an den Überfällen.

6
Der Weg nach Senrai (kleine Spoiler zu den Abenteuern „Die Seidene Stadt“ und „Tempel der tausend Tore“)
Nördliches Kintai (Ren und Luo)

Generalin Ranku Kane hatte Atasato zügig verlassen, was von kaum einem der örtlichen Entscheidungsträger bedauert wurde. Ähnliches galt für die Abreise der zhouhjiangischen Prinzessin Hui Amui. Beide waren gen Westen in Richtung Maishi-See aufgebrochen. Allerdings begleiteten nicht alle Angehörigen ihres Gefolges die beiden: Ranku Nobunaga, der Knappe der Generalin, sollte in Senrai, der Hauptstadt des Kranich-Kaiserreiches, Bericht erstatten. Kane hatte die Abenteurer gebeten, ihn zu begleiten, und da Prinzessin Amui ihre Hilfe im Moment nicht benötigte, hatten sie zugesagt.

Der erste Abschnitt der Reise verlief problemlos. Die Route war ein wenig anders als jene, welche die „Seidene Stadt“ genommen hatte und umging den Machtbereit der Gankoda. Unterkunft fand man in den in Halb-Tagesreisen errichteten Weggaststätten, die staatlich reglementiert und deren Preise festgelegt waren, und die im Allgemeinen einen sauberen Eindruck machten. Die beiden Abenteurer wurden als Nicht-Kintarai, Nichtalben und Nichtadlige nicht ganz so respektvoll behandelt wie ihr Begleiter, aber doch mit angemessener Höflichkeit.
Gerüchte besagten, dass die „Seidene Stadt“ auf ihrer Reise mit Komplikationen hatte kämpfen müssen. Angeblich war es zu einem Überfall von Banditen gekommen – ein gewagtes Unterfangen. Etwa eine Woche südlich von Atasato gerieten dann auch die reisenden in eine etwas angespannte Lage: Zu den Gästen in der heutigen Wegherberge gehörte eine Handvoll Ashigaru, die von den Wirtsleuten wie den Reisenden mit gewisser Nervosität betrachtet wurden. Die Grenze zwischen arbeitslosen Kämpfern und Banditen war wohl nicht immer ganz eindeutig. Die Bewaffneten machten einen verwahrlosten Eindruck, die Kleidung war verstaubt, die Haare und bei den Männer die Bärte ungepflegt. Tatsächlich „fragten“ einige der Kämpfer, ob man ihnen als Ranku-Veteranen nicht Essen und Wein spendieren wolle. Ranku Nobunaga schien dicht davor zu stehen, eine heftige Antwort zu geben, aber Luo besänftigte die Gemüter und gab den Kämpfern eine Mahlzeit und Wein aus. Offenbar waren die Kämpfer Veteranen des Vorstoßes eines Ranku-Vasallen in die „Umstrittenen Lande“ nördlich der Hauptstadt, der wie frühere Feldzüge verschiedener Clans wenig erfolgreich geendet hatte. Sie waren aber wenig interessiert, auf ihre Felder zurückzukehren – als zweite oder dritte Kinder hatten sie wenig zu erwarten. Luos Vermittlung verhinderte jedenfalls eine Eskalation und die Ex-Soldaten ließwn auch die Pferde der Helden im Stall (was man von einigen Hühnern in der Nachbarschaft nicht sagen konnte).

Wenige Tage darauf erreichten die drei ihr Etappenziel, die Ranku-Burg Toryo. Auch wenn dies nicht der Zentralsitz des Klans war, handelte es sich doch um ein imposantes Bauwerk mit einem dominanten Wohnturm im Zentrum der sich über mehrere Terrassen erstreckenden Anlage. Der Empfang war höflich. Man brachte die Reisenden in einem Gästehaus unter und teilte ihnen mit, dass sie sich am Abend Shibata Kaito vorstellen würden, einem Karo der Ranku. Dabei handelte es sich um den höchsten Rang, den ein Bannermann, ein Hatamoto, erreichen konnte. Männer wie Kaito hatten oft mehr Einfluss als viele Familienmitglieder des Klanherren. Der Haushofmeister der Burg, ein gewisser Shingen, achtete darauf, dass die Gäste sich angemessen vorbereiteten, inklusive einem ausgedehnten Badebesuch (auf Wunsch getrennt) mit der Hilfe von Bediensteten und der Zurverfügungstellung erlesener Höflingskleidung aus Spinnenseide, die sie behalten durften. Freilich räumte man bei der Gelegenheit auch dezent ihre alten Kleidungsstücke, Waffen und magischen Artefakte beiseite. Ren und Luo achteten darauf, sich gegenüber den Bediensteten nicht zu vertraut zu benehmen. Ihnen war klar, dass diese wahrscheinlich für die Gastgeber spionierten.
Shingen und zwei Bewaffnete eskortierten die drei Reisenden das Innere der Burg. Die Anlage wirkte vergleichsweise leer. Das einzige Geräusch war das an leises Vogelzwitschern erinnernde Knarren der Bodendielen – vermutlich eine der Sicherheitsmaßnahmen gegen Eindringlinge.

Der Karo erwartete  die Ankömmlinge in einem kleinen Saal – sowohl seine vier Wachen als auch jene, welche die Abenteurer eskortiert hatten, blieben zusammen mit dem Haushofmeister zurück. Kaito war ein bereits älterer Alb mit langem silbernem Haar, gepflegten Bart und einem von zahlreichen Falten durchzogenen Gesicht. Nobunaga kniete sich hin und verneigte sich tief, und die beiden Helden taten es ihm gleich. Nach kurzem Smalltalk befragte der Karo die drei eingehend zu den Ereignissen in Atasato und vor allem in Palitan, auch wenn er bereits gut informiert war. Es gelang ihm sogar, Luo Generalin Ranku Kanes Geheimkontakte zu entlocken, mit der diese während der Schlacht um Palitan Hilfe gegen das Schildkrötenschiff der Triaden rekrutiert hatte. Der Karo machte seinerseits aus seinem Herzen keine Mördergrube und ließ durchblicken, dass er die Entsendung Kanes zur Piratenjagd für eine Verschwendung hielt. Ihm wäre es lieber gewesen, sie im Einsatz gegen die schwärende Wunde im Norden Sadu zu sehen. Überhaupt schien er weit eher am Südosten Kintais als an den Zuständen in Zhoujiang interessiert, und hielt nicht viel von den Ambitionen des „jungen“ Daimyo Gankoda Saburo. Ob Yi oder Wu regierten, war ihm relativ egal, und so könne Ranke Kane im Moment bestenfalls dem „kleineren Übel“ Vorschub leisten. Das war etwas, was vor allem Ren anders sah.

Die Reisenden blieben einige Tage in der Burg. Sie wurden höflich behandelt, aber sie bekamen den Karo wenig zu Gesicht. Ren wurde indes mehrmals vom Haushofmeister ausgehorcht, der an ihrer Familie und ihren magischen Leistungen interessiert war. Er ließ durchblicken, dass es zhoujiangische Familien gab, die davon profitierten, die Interesse Kintais zu vertreten, nahm aber Rens höfliche Ablehnung ohne Verärgerung zu Kenntnis. Andererseits wies er ebenso höflich ihre Sondierungen zurück, die Ranku als Unterstützer zu gewinnen, um einige nachrangige Söhne und Töchter für Sumpfburgen in der Kranich-Provinz zu interessieren (Rens hoffte, so diese Provinz gegen mögliche Bedrohungen seitens General Wu zu stärken und sie vielleicht irgendwann auf Seite der Kaiserlichen zu ziehen). Luo durfte sich im Bogenschießen und im Kampf mit dem Holzschwert beweisen. Er schlug sich gut – sogar vor den Augen des Karo und gegen einen Gegner, der ihm an Erfahrung einiges voraushatte. Der Karo lud den jungen Kämpfer sogar zu einer Privataudienz ein, diesmal in einem Teil der Burg, der eindrucksvoll mit prunkvollen Klingen und Panzern geschmückt war. Kaito äußerste bei dieser Gelegenheit Interesse an Luos Klinge. Offenbar wusste er sie als wertvolles Artefakt zuzuordnen und bot im Gegenstück an, eine Klinge oder auch zwei nach Wunsch fertigen zu lassen. Er nahm Luos höfliche Absage gelassen hin, warnte aber, dass eine solche Klinge durchaus Interesse von Personen wecken könnte, die ein „Nein“ schwerlich als Antwort akzeptieren würden. Zudem würde das Schwert Luo als gefährlich markieren, nicht nur wegen seiner Qualität, sondern auch wegen dem unheilvollen Ruf der „Drachenklingen“. Genaueres wusste (oder verriet) er freilich nicht.

Dann setzten die drei Reisenden ihren Weg fort. Zunächst verlief ihre Reise problemlos – anders als die der „Seidenen Stadt“, von der es hieß, es habe weitere Probleme und sogar den einen oder anderen Todesfall gegeben (was manche darüber mutmaßen ließ, ob dies ein bösen Omen oder Zeichen für niederträchtige Intrigen war).
Wenige Tage von Senrai entfernt freilich kam es noch einmal zu einem Zwischenfall. Die Reisenden waren in einem Weggasthaus in einem kleinen Dorf untergekommen. Zusammen mit ihnen hielten sich dort auch einige Händler mit ihrem Geleitschutz auf. Das Dorf hatte außer einer Schmiede, einem Schrein und dem Gasthaus nur zwei Dutzend Gebäude. Am Morgen wurde die Stille durch Schreie und Unruhe gestört. Offenbar war es zwischen dem Schmied und einem der Söldner wegen einer Klinge zu einem blutigen Streit gekommen. Der Mann hatte sich in der Schmiede verbarrikadiert und die Familie des Schmieds als Geisel genommen. Die heranrückende Miliz machte keinen sehr wehrhaften Eindruck. Die Abenteurer bemühten sich zu helfen, doch stand das Vorhaben unter keinem guten Stern. Der von Ren entsandte geisterhafte Spionagevogel wurde entdeckt, und so blieb nichts als ein rascher Zugriff. Ren zerstörte das Schloss der Tür mit einem Zauberspruch und Luo stürmte hinein. Er überwand den Söldner rasch, doch der Schmied und seine Frau lagen bereits in ihrem Blute. Es gelang Ren trotz eines sofortigen Stabilisierungszaubers nicht, das Leben des Schmiedes zu bewahren, sie konnte aber dessen Frau retten. Naturgemäß war die Stimmung danach angespannt. Der Schuldige – verwundet und bewusstlos – wurde weggeschafft, sehr wahrscheinlich der baldigen Exekution entgegensehend. Nobunaga spendete etwas Geld für die verletzte Witwe, und Ren half dabei, den Brotherrn des Schuldigen zu einer angemessenen Zahlung zu nötigen. Dennoch war es nicht nur für die Schmiedefamilie, sondern auch für den ganzen Ort eine Tragödie.

Wenige Tage darauf erreichte die drei schließlich Senrai, die beeindruckende, nach idealisierten Gesichtspunkten geplante und unter dem Bann der Gottkaiserin stehende Hauptstadt. Sie betraten das Zentrum des Kranichreiches von Norden kommend, und die Helden waren von der wohlgeplanten Stadt mit ihren zahlreichen Prachtbauten tief beeindruckt. Senrai war größer und prunkvoller als Inani, die Hauptstadt Zhoujiangs, und auch wenn es an Bevölkerungszahl und Alter nicht mit Palitan mithalten konnte, stellte sein makelloses Erscheinungsbild die weitläufige, aber oft chaotische und zum Teil heruntergekommene Insel- und Sumpflandmetropole am Jadeband in den Schatten.
Die Abenteurer kamen in den Randbezirken unter, und lernten rasch, dass die mehrheitlich albischen Bewohner Senrais sich noch mehr auf das eigene Reich, ja auf die eigene Stadt bezogen, als andere Kintarai. Luo realisierte, dass Benehmen und Dekorum hier noch mehr galten als sonst. Folglich konzentrierte er die Bemühungen, sein Kontaktnetzwerk auszuweiten, auf die Randbezirke und die niederen Kasten.
Ihr Weggefährte Ranku Nobunaga musste rasch erkennen, dass die Ereignisse in Palitan auf nur geringes Interesse stießen. Sein Bericht wurde zur Kenntnis genommen, aber nicht einmal seine Gefährten zu ihren Erfahrungen befragt. Der junge Knappe schied in Freundschaft von seinen Begleitern, die wieder zu ihren Kameraden stießen, die auf der Reise mit der „Seidenen Stadt“ viel erlebt hatten.

Ren konzentrierte sich in den folgenden Tagen zunächst darauf, für die Unterstützung des neu zu besetzenden „Tempels der tausend Tore“ im Kamioku-Wald Propaganda zu machen. Dabei musste sie darauf achten, dass dieser gleich mehrere der großen Häuser etwas anging. Übernatürliche Dinge lagen natürlich in der Zuständigkeit des Uome-Klans, doch der Kampf gegen Monster wie den vom Tempel gefangengehaltenen Dämonen Kokumo tangierte auch die Verantwortung von Haus Momoku – Rituale wiederrum jene von Klan Zakur. Zumindest hatten frühere Eingaben der Abenteurer (bzw. die von ihnen angestoßenen Anfragen aus Miari) das Feld bereitet, und Ren konnte die Häuser für eine materielle und personelle Unterstützung interessieren. Die Häuser Ranku und Suguri zeigten weniger Interesse, wollten aber vermutlich nicht hinter den anderen Klans zurückstecken. Letztendlich wurde am Hof beschlossen, dass der „Tempel der tausend Tore“ künftig von jeweils einem Vertreter der fünf großen Klans betreut werden sollte. Deren Rolle im Tempel würde die Aufgaben spiegeln, die ihre Klans im Reich übernahmen (Momoku: Kampf gegen Monster, Ranku: Verteidigung und Befestigung, Suguri: Diplomatie, Uome: Umgang mit Geistern und jenseitigen Wesen, Zakur: Einhaltung der Riten und Bräuche). Die Gesandten würden jeweils von vier Gefolgsleuten begleitet werden. Allerdings würde es dauern, bis der Beschluss auch umgesetzt wurde. Zudem fehlte es immer noch an Freiwilligen, die die „Ewige Wacht“ im Tempel anzutreten bereit waren, um den im Tempel eingekerkerten Dämon aufzuhalten, falls er erneut auszubrechen versuchte. Zwar wollte man nach geeigneten Kandidaten suchen – namentlich in den Reihen der Geisterwesen und Feen, die Kintai bevölkerte. Und vielleicht würden sich auch sterbliche Freiwillige finden, die beispielsweise eine Schuld zu sühnen hatten. Die Helden beschlossen, sich auf ihren künftigen Reisen nach geeigneten Kandidaten umzusehen.

Sehr viel weniger Erfolg hatte Ren hingegen mit ihren Versuchen, adlige Kintarai-Häuser für die verlassenen Sumpfburgen in der Kranichprovinz zu interessieren. Nicht zuletzt wegen der isolationistischen Politik des Kaiserhauses fanden sich dafür kaum Kandidaten. Einige Ranku und Suguri waren nicht vollkommen abgeneigt, äußerten aber Bedenken. Rens Versuche, generell für Prinzessin Yi und gegen General Wu und die Triaden Propaganda zu betreiben, kamen ebenfalls nicht weit. Generell waren die Kintarai eher prokaiserlich, auch wenn einige Suguri in den Triaden potentielle Handelspartner sahen und manche Ranku General Wus militärische Erfolge beeindruckten. Aber grundsätzlich vertrat man eine Politik der Nichteinmischung und lehnte solche Initiativen wie die von Gankoda Saburo für die Triaden organisierten Söldner ab. Einig war man sich freilich in der Zurückweisung der Einmischung Kungaitans im Phönix-Reich. Die jüngsten Ereignisse in Palitan wurden mit einer Mischung aus gekränktem Stolz und herablassender Häme gegenüber den Kintarai-Händlern und Adligen kommentiert, die mit ihrem Ultimatum weitgehend gescheitert waren.

Luo versuchte mit Hilfe seiner Cousine mehr über die Schmiede der Drachenklingen im nördlichen Sadu zu erfahren. Allerding zeigte sich, dass nur wenige Dokumente aus der Zeit der Reichsgründung überliefert waren. Diese waren wohl eher in Inani oder im Kaiserlichen Archiv von Palitan gelandet, und man interessierte sich in Senrai auch nicht sehr für frühere Zeiten. Es gab allerdings eine eigne Abteilung der Kaiserlichen Akademie, die sich mit mächtigen Artefakten und besonderen Klingen beschäftigte, und sehr wahrscheinlich über Material zu den Drachenklingen verfügte. Dort allerdings Aufmerksamkeit zu erregen, mochte Konkurrenten hervorlocken, die an den alten Klingen, ihren Geheimnissen, vielleicht sogar an Luos eigener Waffe interessiert waren.
Ren trieb immerhin einige Informationen zu Akita Shan auf, einem Beamten, der sich einst für die Schmiede und den früheren Träger von Luos Schwert interessiert hatte – angeblich weil dieser sich an seiner Familie vergangen hatte. Shan war indes auch selber allem Anschein nach eine zwielichtige Gestalt. Als Beamter war er für die Sicherheit und Instandhaltung der Überlandstraßen verantwortlich gewesen – im alten Zhoujiang gerade in den südlichen Reichsteilen eine herausfordernde Aufgabe. Es hieß, dass unter seiner Obhut eine größere Zahl Arbeitskräfte verstorben oder verschwunden war, was möglicherweise auf eine Verwicklung in den Sklavenhandel hindeutete. Nach der Errichtung von Myurikos Reich hatte es ein Attentat auf seine Familie gegeben, vielleicht ein Racheakt. Die Familie galt als erloschen, und sein eigenes Schicksal war ungewiss. Es hieß, er sei vor Jahrhunderten verschollen, verstorben oder gar hingerichtet worden. In den Jahren kurz vor oder nach Errichtung des Kranich-Reiches hatte er wohl Expeditionen in die Zanshi-Berge organisiert. Von einer dieser Unternehmungen hatten zwei Überlebende das Schwert mitgebracht, das sich nun in Luos Besitz befand. Die Söldner hatten sich mit ihrem Auftraggeber über die Bezahlung zerstritten und dieser hatte vergeblich versucht, das Schwert für sich einzuklagen. Es bestand also wenig Hoffnung, noch einen lebenden Zeugen zu finden – und Ren gab auch die Hoffnung auf, den Geist eines der Beteiligten zu beschwören. Immerhin gab es Hinweise, die die Lage der geheimnisvollen Schwertschmiede weiter eingrenzten. Allerdings war zweifelhaft, dass die Abenteurer so weit in den Süden reisen würden, da sich doch gleichzeitig im Norden die Dinge zuspitzten. Sowohl Ren als auch Luo hatten beide Motive, sich eher für die Lebenden zu interessieren, als für die lange Verstorbenen. Luo begann darüber nachzudenken, ob man mit Hilfe der Ritualhinweise, die man in Palitan gefunden hatte, die Waffe stärken könnte ohne unter ihren Bann zu fallen. Dies würde freilich sorgsame Recherchen und einen magisch Kundigen erfordern…

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Da ich den alten Text nicht komplett kopiert sondern zum guten Teil neu geschrieben habe, hab ich's einfach vergessen. ;)

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Nun ja, ich hatte die neuen Werte eher "errechnet" - d. h. überlegt, welche Werte KANN sie eigentlich mit den Attributen und dem HG haben. Da wurde sie zu meiner Überraschung tatsächlich etwas schwächer. Natürlich kann man sie gerne "aufmonstern", v. a. wenn sie als Gegner verwenden will.
Ihre Gefolgsleute würde am "Mystischen Krieger" oder "Ritter" des Spielleiterschirms orientieren.

9
Ich hatte für den Adventskalender 2023 eine hochrangige Kintarai-Generalin als NPC entworfen. Damals war ich allerdings noch nicht so firm in Splittermond. Ausßerdem tauchte dann der Charakter in unserer Kampagne noch mehrmals auf, weshalb ich die Generalin noch mal deutlich überarbeitet, ihre Werte aktualisiert und den Hintergrund angepasst und erweitert habe.

Hier deshalb die
Generalin Kane Ranku
Protektorin der östlichen Grenzlande und Schwert der Göttlichen Kaiserin
mit allen Werten, Hintergrundinformationen und einigen kl. Abenteuerideen als PDF, falls jemand evt. den Charakter verwenden will o. einfach mal einen Hintegrundcharakter für Kintai - oder vielleicht die Grenzregionen von Sadu und eventuell auch Zhoujiang ;) - möchte

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Ankündigungen / Re: Quo Vadis Splittermond - Januar 2026
« am: 02 Jan 2026, 09:50:40 »
Das sind gute Neuigkeiten und ich freue mich, dass mit dem neune Quick-Starter, einer Anzahl der Chars im, "Mentoren"-Band und dem ebenfalls anstehenden "Machtspiele" 2026 weiter auch einige der sonst (im Vergleich zu Dragorea) etwas weniger häufig thematisierte Ecken von Lorakis zusätzliches Material erhalten.
Das Starter-Abenteuer werde ich mir wohl gleich für unsere Runde anschauen, die bei Gelegenheit in dieser Gegend aktiv sein wird - zumal die Prämisse vielversprechend und abwechslungsreich klingt. ;D

Die Charakter-Mischung des "Mentoren"-Bandes sieht sehr vielversprechend aus, hervorragend für Gruppen die (fast) überall in Lorakis spielen (und vielleicht ist bei den noch ausstehenden ja auch noch ein Char aus Kintai oder dem Jaguardschungel dabei?  ::) ).

Gespannt bin ich natürlich auch, ob der "Geisterband" es in diesem Jahr schafft, der in unserer Runde (besonders von dem Spieler, zu dessen Chars eine Auch-Geisterbeschwörerin gehört), sehnsüchtig erwartet wird. ;)

Noch mal ein Gutes neus Jahr für alle!

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Fanprojekte / Re: Splittermond Fan-Adventskalender 2025
« am: 30 Dez 2025, 21:31:18 »
Ich könnte mir ja vorstellen, dass einige Zwingarder an der Grenze zu Termark schlecht auf Söldner zu sprechen sind (und/oder ungute Erfahrungen gesammelt haben), weil die in dem zerfallenen Land eine höchst fragwürdige Rolle spielen und VIELLEICHT auch der "Termarker Ärger" sich gelegentlich über die Grenze auswirkt.
Natürlich dürften viele Zwingarder auch generell schlecht auf ALLE Termaker zu sprechen sein (und umgedreht), aber das hat hiermit ja nichts zu tun.

Ich habe mir immer mal überlegt, ob nicht vielleicht manchmal gewissermaßen inoffiziell Söldner in Zwingard im Einsatz sind, falls für einzelne Absolventen des "Blutjahres" (ob legal oder illegal) gewissermaßen "Ersatz" gestellt wird - aber die Möglichkeit wird nie irgendwo thematisiert.


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Fanprojekte / Re: Splittermond Fan-Adventskalender 2025
« am: 24 Dez 2025, 07:34:11 »
Noch mal vielen herzlichen Dank für die Organisatoren des diesjährigen Adventkalender! Und es ist toll, dass die Tradition weiter fortgesetzt wird! :)

Es hat sehr viel Spaß gemacht, teilzunehmen! Herzlichen Glückwunsch an alle anderen Gewinner! Und ich wünsche natürlich allen - Organisatoren, Teilnehmenden, Leserinnen und Lesern ein schönes Fest!

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Fanprojekte / Re: Splittermond Fan-Adventskalender 2025
« am: 17 Dez 2025, 09:06:56 »
Zur Repetierarmbrust
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Ich dachte allerdings, dass gleichzeitig in Sadu auch Glauben (und Bräuche) überlebt haben (oder verm. adaptiert wurden), die in Zhoujiang schon ein wenig "altmodisch" sind.

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Du hast natürlich recht, aber seien wir ehrlich, selbst bei den Alben dürften die meisten mit 500+ Jahren entweder tot oder langsam altersmüde sein... ;)
Bei Kungaitan wirkt das Ganze aber wirklich ziemlich paranoid.
Und ich muss sagen, die ständigen Aktionen der sadischen "Freiheitskämpfer" und die Intrigen der Kungaiki erfüllen für mich den Tatbestand der gemeingefährlichen Dummheit oder einer selbsterfüllenden Prophezeiung. Irgendwann verlieren die Kintarai dann eben mal wirklich die Geduld...

Spoiler für unsere Kampagne und Hintergrund eines zhoujiangischen Tiergeistes
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