Autor Thema: Roman - Nacht über Herathis  (Gelesen 4286 mal)

Der Unhold

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Re: Roman - Nacht über Herathis
« Antwort #45 am: 05 Jan 2018, 19:45:32 »
Seid gegrüßt! [ACHTUNG - SPOILER VORAUS!]

Habe den Roman heute fertig gelesen und er hat mir gut, stellenweise sogar sehr gut, gefallen.

Die Beschreibungen der Stadt Herathis, der Welt Lorakis und ihrer Besonderheiten (Monde, Götter) und der Magie im Alltag (der Schmied wärmt sich seinen Vulkanmet auf / hat seine Schmiede mit einer Aufregungs-Rune gesichert, die Wirtin hat einen kleinen Zauber parat, um die Scherben von zerbrochenem Geschirr am Boden zusammenzuschieben), sowie der verschiedenen Rassen (Varg Aris im ersten Kapitel, Hörner von Gnomen werden bei Verlegenheit rot) empfand ich als überaus stimmig und gelungen.
Es gab viele Details welche die Welt im Kopf zum Leben erweckten, doch nicht zu viele, damit es überladen wirkte.

Die Darstellungen der Charaktere waren allesamt in Ordnung: Pitt als Sidekick für den Hauptprotagonisten war für den ein oder anderen Lacher gut, der Schmied, der Priester sowie der Hauptmann Bormund und vor allem der Harlekin haben mir besonders gut gefallen. Bei Evene kam ihre anfängliche Schwärmerei für Dorn und ihre Zurückhaltung und Unsicherheit am Ende gut rüber, Ulias tat mir stellenweise Leid und ich war froh, dass er zum Schluss doch noch eine "Familie" wo er hingehört, gefunden hat.

Die Handlung war interessant zu lesen, Spannung/Überraschung kam an drei Stellen auf, nämlich als der Hauptmann im Säufermond Nachforschungen anstellte und Dorn drohte aufzufliegen, ganz am Anfang bei der Hinrichtung - da war ich wirklich überrascht wie das ausging, und im letzten Kapitel als der Dreigehörnte versuchte ins Diesseits zu gelangen. Der Rest war qualitativ solide geschrieben, oft auch darüber hinaus. Außerdem mochte ich die Länge der Kapitel - nämlich kurz (keines hatte mehr als 14 Seiten) und die aussagekräftigen Kapiteltitel - da konnte ich mich schnell orientieren wenn ich etwas nochmals lesen / schnell nachschauen wollte.

Wirklich hervorragend empfand ich die Kapitel 1 & 2 (vor allem die Beschreibung des Jokabaums und wie die Hinrichtung ausging), Kapitel 4 (Meisterliche Klingen) mit dem Zwerg und seinem Gehilfen, Kapitel 6 (Feenmarkt) mit seinen genial absurden Waren und Feenhändlern (hat mir von allen Kapiteln am besten gefallen), die drei Kapitel mit dem Priester Turek wo zuerst sein Tagesablauf als Vertreter seines Gottes geschildert wird, danach seine Vergangenheit und die Bewandtniss mit den Feenflügeln enthüllt wird und zu guter Letzt, wie er Anklage gegen den neuen Magistrat erhebt. Die letzten beiden Kapitel mit der Beschreibung des Rituals und dem Erscheinen von Maledista gefielen mir auch sehr gut, auch wie es dann mit Aurania ausgegangen ist. Die Szene im Epilog bei der Leta Wein holen kommt und sich über die Versammlung der Meuchler in ihrem Keller aufregt war ebenso genial und brachte mich zum Lachen.

Kapitel 18 (Rauhschweine) und die Art des Todes von Torbert hat mich stark an den Film "Snatch - Schweine und Diamanten" erinnert. Pitt, die Gnomin, ließ mich am Anfang immer an den Schauspieler denken (der ironischerweise auch in besagtem Film mitspielt) aber das verging nach den ersten hundert Seiten wieder. Den Satz bzw. die ganze Beschreibung am Anfang von Kapitel 5 (Familienangelegenheiten): "Er kürte sich im Freien zum nassen König von Herathis" (der Regen) empfand ich als beeindruckend. Kenne von Anton Weste nur diesen Roman aber der Stil gefällt mir, obwohl für mich persönlich ungewohnt, durchaus, nämlich meist prägnante, kurze Sätze und Formulierungen die aber trotzdem genug Details vermitteln - weiter so!


Ein paar Verbesserungsvorschläge hab ich noch anzumerken:

Das Format des Buches und auch die Schriftart und -größe sind in Ordnung nur die Leimbindung ist etwas zu "streng". Während dem Lesen musste ich den Buchrücken mit nicht geringem Druck ordentlich durchbiegen und so halten, damit ich die Seiten überhaupt richtig lesen konnte - da taten mir nach einiger Zeit schon die Finger weh! Das hatte ich noch bei keinem Taschenbuch, obwohl es sich - nachdem ich es einmal durchgelesen und sozusagen einmal "vollständig durchgebogen" habe - nun etwas handlicher halten lässt. Was mir noch gefallen würde wären ein paar stimmige, dezente Verzierungen auf einigen oder allen Seiten und zur Handlung/der Welt passende, hier und da eingestreute, Zeichnungen/Bilder in schwarzweiß auf den leeren Seiten.

Im ersten Drittel besonders, später nicht mehr so oft: Rechtschreib- & Grammatikfehler, nämlich in einem Ausmaß, dass es mir störend aufgefallen ist. Da fehlt mal ein Buchstabe, ein Schankbursche wird zum Schrankburschen, ab und zu falsche Fälle. Das hat mich gestört, da kann man Nachbessern.

Die Anhänge am Ende des Buches empfinde ich als gut und notwendig, eine Karte der Stadt wäre noch schön gewesen, bei "Dramatis Personae" hätte man nicht verraten sollen, dass der Magistrat der Anführer der Sarianer ist und das Aurania sich hinter Zymina verbirgt - das hat mir die Spannung genommen, denn ich lese meist vor dem ersten Kapitel die Anhänge, damit ich mir einen groben Überblick über Charaktere, Handlungsorte und die ungefähre Richtung, in die das Buch geht, verschaffen kann. Eine etwas neutralere Beschreibung der handelnden Personen in den Anhängen würde ich sehr begrüßen.

So, das war es von meiner Seite, kann das Buch nur jedem Anhänger von Splittermond empfehlen und auch anderen die der phantastischen Unterhaltung nicht abgeneigt sind. Der Roman ist für mich ein gelungener Auftakt für die Serie und ich wünsche mir mehr davon - viel mehr! Vor allem eine Fortsetzung mit Dorn und der schwarzen Fee ist absolut von Nöten!

Mit grimmigen Grüßen, Der Unhold.

PS: Haltet euch vom Fischratz fern!  ;D
« Letzte Änderung: 05 Jan 2018, 19:59:06 von Der Unhold »

Xandila

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Re: Roman - Nacht über Herathis
« Antwort #46 am: 05 Jan 2018, 22:23:39 »
bei "Dramatis Personae" hätte man nicht verraten sollen, dass der Magistrat der Anführer der Sarianer ist und das Aurania sich hinter Zymina verbirgt - das hat mir die Spannung genommen, denn ich lese meist vor dem ersten Kapitel die Anhänge, damit ich mir einen groben Überblick über Charaktere, Handlungsorte und die ungefähre Richtung, in die das Buch geht, verschaffen kann. Eine etwas neutralere Beschreibung der handelnden Personen in den Anhängen würde ich sehr begrüßen.
Oh ja, das hat mich auch irritiert, auch wenn ich das zum Glück erst am Ende gelesen hab.
Aber eine Personenauflistung ist doch normalerweise im Buch, damit man bei vielen Figuren nochmal kurz nachgucken kann, wer was ist, während man liest. Und dafür hat es dort viel zu viele Infos. Nachdem man fertig ist, braucht man eine solche Liste normal doch nicht mehr (außer vielleicht mal für eine Fortsetzung, wo wieder welche auftauchen, aber da tut es dann auch eine Zusammenfassung oder Liste in dem Fortsetzungsbuch)